US-Finanzinvestor KKR kauft Tele-München-Gruppe von Herbert G. Kloiber

01.03.2019 •

Rund fünf Jahre nach dem Ausstieg bei der Pro-Sieben-Sat-1-Gruppe übernimmt der US-amerikanische Finanzinvestor KKR mit der Tele-München-Gruppe (TMG) erneut einen deutschen Medienkonzern. Am 21. Februar gab Herbert G. Kloiber, der Gründer und Eigentümer der TMG, bekannt, seine Firmengruppe an KKR zu verkaufen. KKR teilte mit, durch die vollständige Übernahme wolle man die Tele-München-Gruppe zur „führenden unabhängigen audiovisuellen Content-Plattform“ ausbauen. Die Leitung übernehme der Medienmanager Fred Kogel als Chief Executive Officer (CEO). Zur Höhe des Kaufpreises wurden keine Angaben gemacht. Die Übernahme der Tele-München-Gruppe durch KKR steht unter dem Vorbehalt der Zustimmung der zuständigen Aufsichtsbehörden. Da KKR in Deutschland nicht entsprechend engagiert ist, dürfte es bei der Übernahme weder medien- noch kartellrechtliche Probleme geben.

Im Jahr 1977 hatte Herbert G. Kloiber die Tele München Fernseh GmbH + Co. Produktionsgesellschaft gekauft. Dieses Unternehmen bildete den Kern für den Ausbau zu einer Firmengruppe, die heute in verschiedenen Medienbereichen tätig ist. Dazu gehört das TV-Produktionsgeschäft, etwa über die Odeon Film AG. Hinzu kommen der Filmverleih (über die Firma Concorde) und der Vertrieb von Filmen über Blu-ray und DVD (über Concorde Home Entertainment).

Bessere Wachstumsmöglichkeiten

Außerdem betreibt die TMG das Fernsehprogramm Tele 5 und sie ist am Sender RTL 2 beteiligt. Im Mai 2017 wurde der Videoabrufdienst Filmtastic gestartet, der unter anderem über die Pay-TV-Plattform Amazon Channels abrufbar ist. Im Jahr 2017 verkaufte die Tele-München-Gruppe das österreichische Fernsehunternehmen ATV mit den beiden Programmen ATV und ATV 2 an Pro Sieben Sat 1. ATV war 2008 von Kloiber übernommen worden. Diesen Kauf bezeichnete der gebürtige Wiener 2016 als seinen „größten Fehler“, da er mit ATV „Verluste in zweistelliger Millionenhöhe“ gemacht habe.

Die Tele-München-Gruppe ist ferner im Rechte- und Lizenzhandel aktiv. Mit einer Programmbibliothek mit aktuell rund 3200 Titeln vor allem aus dem Film- und Serienbereich gehört die TMG zu den größten Rechtehandelsunternehmen in Europa. Seit einigen Jahren veröffentlicht die Firmengruppe keine Wirtschaftszahlen mehr. Zuletzt geschah dies im Juli 2016 für das abgelaufene Geschäftsjahr: Im Jahr 2015 erzielte die Tele-München-Gruppe einen Umsatz von 236 Mio Euro; der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) belief sich dabei auf 56 Mio Euro.

Die Veräußerung seiner Unternehmensgruppe begründete der 71-jährige Kloiber mit den besseren Zukunftsperspektiven unter dem Dach von KKR. Durch den Verkauf wolle er dafür sorgen, dass die Tele-München-Gruppe „weiter wachsen und erfolgreich sein“ könne, so Kloiber. Er lege das Unternehmen „in die erfahrenen Hände eines großartigen Finanzinvestors, der den internationalen Medienmarkt bestens kennt und mit Fred Kogel einen hervorragenden Manager verpflichtet hat, um in den kommenden Jahren neue Impulse zu setzen“. Kloiber wird künftig dem Beirat der Tele-München-Gruppe als Mitglied angehören. Herbert G. Kloibers Sohn Herbert L. Kloiber, der 2012 Mitglied der Geschäftsführung der Firmengruppe wurde, soll Geschäftsführer der Kerngesellschaften der Tele-München-Gruppe bleiben.

KKR will durch die Übernahme der Tele-München-Gruppe „etwas Neues im Film- und Fernsehgeschäft“ schaffen, es gehe um eine Plattform, die „die gesamte Wertschöpfungskette vom Filmset über Kino und Fernsehen abdeckt“, erklärte Philipp Freise, der von London aus für KKR in Europa den Bereich ‘Technologie, Medien und Telekommunikation’ (TMT) leitet. Laut der Investmentfirma gibt es nur wenige Akteure, die in allen Bereichen dieser Wertschöpfungskette tätig seien. Ziel sei es, erklärte der KKR-Manager Freise im besten Werbesprech, eine „Plattform im Content-Markt“ aufzubauen, „die die deutsche Unterhaltungsindustrie durch Kreativität, innovative Ideen und Leidenschaft voranbringen wird“.

Fred Kogel wird Chief Executive Officer

Freise kündigte am 21. Februar weitere Akquisitionen für den Ausbau der Tele-München-Gruppe an. Am 25. Februar gab KKR bekannt, von der RTL-Gruppe deren Tochterunternehmen Universum Film zu übernehmen. Zum Kaufpreis machten KKR wie auch die RTL-Gruppe (Bertelsmann) keine Angaben. Universum Film mit Sitz in München ist im Verleihgeschäft mit Kinofilmen aktiv, vertreibt Filme auf Blu-ray und DVD und beteiligt sich seit 2005 auch als Koproduzent an der Herstellung von Kinofilmen. Nach dem Kauf von Universum Film durch KKR, der ebenfalls noch behördlich genehmigt werden muss, soll Bernhard zu Castell Universum-Geschäftsführer bleiben. Seit September 2010 leitet er das Unternehmen, das vor 40 Jahren von Bertelsmann gegründet worden war.

Fred Kogel will als CEO der nun im Aufbau befindlichen Content-Plattform von KKR, so wird er in der Mitteilung des Finanzinvestors zitiert, „erstklassige lokale Inhalte produzieren und internationale Spielfilme sowie Premium-Serien lizenzieren und vertreiben“. Gleichzeitig wolle man „Go-to-Partner für hochkarätige Kreative, TV-Sender und digitale Plattformen in Deutschland sein“. Der 58-jährige Kogel war zuletzt über seine Firma Fred Kogel GmbH als Berater aktiv. Von Januar 2016 bis August 2017 war er Vorstandsvorsitzender der Constantin Medien AG, deren Aufsichtsrat er ab 2009 mit einer kurzen Unterbrechung angehörte (von 2009 bis 2014 leitete er das Gremium).

Von 2003 bis 2008 war Kogel Chef der Constantin Film AG. Zuvor war er Geschäftsführer von Kirch Media, Programmgeschäftsführer von Sat 1 und Unterhaltungschef beim ZDF. Beim Ausbau der Plattform von KKR, deren Name noch nicht bekannt ist, wird Kogel von Markus Frerker unterstützt, der die Position als Chief Operating Officer (COO) übernommen hat. Frerker arbeitete zuletzt als Berater, von 2013 bis 2017 war er bei der Pro-Sieben-Sat-1-Gruppe Chief Officer Group Content.

Der Finanzinvestor KKR war in Deutschland im Medienbereich bis Anfang 2014 Aktionär der börsennotierten Pro-Sieben-Sat-1-Gruppe. Ende 2006 hatte das Unternehmen zusammen mit dem britischen Finanzinvestor Permira Pro Sieben Sat 1 übernommen. Damals hatten KKR und Permira von dem Eigentümerkonsortium unter Führung des US-Medienunternehmers Haim Saban den Zuschlag für den Erwerb des deutschen Medienkonzerns erhalten. Den in der Folge hohen Anstieg des Aktienkurses von Pro Sieben Sat 1 nutzten KKR und Permira, um ab Sommer 2013 gewinnbringend bei der TV-Gruppe auszusteigen. Ihr letztes Aktienpaket verkauften die Finanzinvestoren im Januar 2014 (vgl. hierzu FK-Hefte Nr. 51-52/06 und 4/14). Seit Frühjahr 2017 ist der Aktienkurs der Pro-Sieben-Sat-1-Gruppe so massiv gesunken, dass der Konzern inzwischen als Übernahmekandidat gehandelt wird. KKR wurde in den USA im Jahr 1976 von den Geschäftsmännern Jerome Kohlberg Jr., Henry Kravis und George R. Roberts gegründet und ist heute weltweit an mehr als 100 Unternehmen aus verschiedenen Wirtschaftsbereichen beteiligt.

01.03.2019 – vn/MK