TV-Produktionsmarkt: Banijay hat Übernahme von Endemol Shine abgeschlossen

14.08.2020 •

Die französische Banijay Group hat die im Herbst 2019 bekanntgegebene Übernahme des niederländischen TV-Produktionsunternehmens Endemol Shine abgeschlossen. Das teilte die in Paris ansässige Banijay Group, zu der nun fast 200 auf 23 Länder verteilte Produktionsfirmen gehören, am 3. Juli mit. Zuvor hatten alle zuständigen Wettbewerbsbehörden die Transaktion genehmigt, darunter die Wettbewerbsaufsicht in den USA und die Europäische Kommission in Brüssel. Durch die Übernahme des Unternehmens Endemol Shine, das zuletzt dem Disney-Konzern und dem US-Finanzinvestor Apollo Global Management zu je 50 Prozent gehörte, ist die Banijay Group zu einem der größten internationalen TV-Produktionskonzerne avanciert. Für das Jahr 2019 bezifferte Banijay den Gesamtumsatz des fusionierten Unternehmens auf rund 3 Mrd Euro (vgl. diese MK-Meldung).

Die EU-Kommission war die letzte Aufsichtsbehörde, die dem Deal noch zustimmen musste, damit er von Banijay abgeschlossen werden konnte. Am 25. Mai 2020 hatte Banijay bei der Europäischen Kommission die Übernahme zur wettbewerbsrechtlichen Prüfung angemeldet (Az.: M.9676). Der Erwerb von Endemol Shine kostet Banijay Medienberichten zufolge rund 2 Mrd Euro. Im Kaufpreis sollen von Endemol Shine angehäufte Schulden in Höhe von 1,75 Mrd Euro enthalten sein. Den Deal finanziert Banijay nach eigenen Angaben über eine Kapitalerhöhung und über Kredite von Banken.

EU hat keine Wettbewerbsbedenken

Die EU-Kommission teilte am 30. Juni mit, die Übernahme von Endemol Shine durch Banijay werfe keine wettbewerblichen Bedenken in der Europäischen Union auf, „da es in den betroffenen Ländern eine ausreichende Anzahl alternativer Anbieter mit ähnlichen Inhalteportfolios“ gebe. Innerhalb der EU, der nach dem Austritt Großbritanniens noch 27 Staaten angehören, ist die Banijay Group jetzt nach eigenen Angaben in elf Ländern vertreten, und zwar in Frankreich, Deutschland, Italien Dänemark, Finnland, Schweden, Polen, Portugal, Spanien, Belgien und den Niederlanden.

In Europa ist Banijay außerdem noch in Großbritannien, Norwegen und der Schweiz präsent. Außerhalb von Europa ist die Produktionsgruppe unter anderem in den USA, Australien und Indien vertreten. Die Banijay Group kommt nun nach eigener Darstellung auf „88.000 Stunden genreübergreifender Premium-Unterhaltungsmarken“. Dazu zählen Sendungen wie die Kochshows „Masterchef“ und „Kitchen Impossible“, die Quizshow „Wer wird Millionär?“, die Musikshow „The Masked Singer“, die Reality-Show „Big Brother“ und die Dating-Show „Temptation Island“.

Der Banijay-Konzern gehört nach der Integration von Endemol Shine weiterhin mehrheitlich dem französischen Medienunternehmer Stéphane Courbit. Er hatte Anfang 2008 zusammen mit Partnern Banijay gegründet. Courbits Investitionsfirma LOV gehört mit 52 Prozent die Mehrheit an der Gesellschaft LDH, die 67,1 Prozent an der Banijay Group besitzt. Die übrigen 32,9 Prozent an Banijay hält der französische Medienkonzern Vivendi (vor dem Kauf von Endemol Shine hielt LDH 68,6 Prozent an Banijay, Vivendi die verbliebenen 31,4 Prozent).

An LOV sind neben Stéphane Courbit mit den genannten 52 Prozent darüber hinaus die auch im Mediengeschäft aktive italienische Firmengruppe De Agostini und die Investmentfirma Fimalac des französischen Unternehmers Marc Ladreit de Lacharrière beteiligt. De Agostini hält 36 Prozent, Fimalac die verbleibenden 12 Prozent. Im Zuge der Übernahme von Endemol Shine durch Banijay holte Courbit Fimalac als zusätzlichen Finanzier neu in den Gesellschafterkreis von LOV.

Deutschland-Management erweitert

In Deutschland ist die Banijay Group seit Sommer 2018 vertreten. Vor zwei Jahren wurde dafür in Köln die Banijay Germany GmbH als Dachgesellschaft gegründet, an der sich auch Stefan Raab mit 10 Prozent und der TV-Manager Marcus Wolter über seine Firma Woltertainment mit ebenfalls 10 Prozent beteiligten. Wolter wurde damals außerdem Chief Executive Officer (CEO) und Geschäftsführer der neuen Dachgesellschaft. Von 2015 bis 2017 war Wolter Geschäftsführer von Endemol Shine Germany. Dieses Unternehmen ist nun Teil von Banijay Deutschland geworden. Darüber hinaus gehören zu Banijay Deutschland noch die Firmen Banijay Productions Germany, Good Times Fernsehproduktion, Made For sowie Brainpool samt weiterer Tochterfirmen, darunter Raab TV, Lucky Pics und Brainpool Live Artist & Brand.

Um das zusätzliche Produktionsgeschäft von Endemol Shine Germany in die deutsche Banijay-Gruppe zu integrieren, ist jetzt das Management der hiesigen Banijay-Dachgesellschaft erweitert worden. Neben CEO Marcus Wolter (seit Januar 2019 auch noch Geschäftsführer von Brainpool), Knut Kremling, Chief Operating Officer (COO), und Michael Laegel, Chief Financial Officer (CFO), gehören dazu nun fünf weitere Führungskräfte. Dabei handelt es sich um Natali Schäfer-Buric (zuständig für den Bereich Human Resources), Simone Lenzen (Communications), Heike Lutzer (Marketing & Corporate Design), Sebastian Menge (IT) und Michael Gaul (Legal).

Michael Gaul ist der jüngste Neuzugang im Leitungsteam von Banijay Deutschland. Er verantwortete vorher den Rechtsbereich von Endemol Shine Germany. Bei der jetzt zu Banijay gehörenden Firma gibt es unterdessen eine neue Geschäftsführung. Magnus Kastner, der 2018 Chef von Endemol Shine Germany geworden war, hat das Unternehmen verlassen. Neuer Geschäftsführer ist seit dem 7. Juli Fabian Tobias. Der 41-Jährige hat die Aufgabe zunächst zusätzlich zu seiner Position als Brainpool-Geschäftsführer für den Bereich ‘Show & Factual’ übernommen. Zur Co-Geschäftsführerin von Endemol Shine Germany wurde am 7. Juli Ute März berufen. Die 56-Jährige war bisher bei dem Unternehmen Chief Financial Officer.

14.08.2020 – Volker Nünning/MK

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