Thomas Kleist wird neuer Intendant des Saarländischen Rundfunks

21.04.2011 •

Die Entscheidung fiel im siebten Wahlgang mit nur einer Stimme Vorsprung: Der 35-köpfige Rundfunkrat des Saarländischen Rundfunks (SR) wählte am 15. April mit 18:17 Stimmen Thomas Kleist, 55, zum neuen Intendanten des öffentlich-rechtlichen Senders. Christoph Hauser, 54, Programmdirektor beim europäischen Kulturfernsehsender Arte in Straßburg, war der unterlegene Kandidat. Kleist ist bisher beim Saarländischen Rundfunk Vorsitzender des Verwaltungsrats. In den ersten sechs Wahlgängen – drei davon fanden am 11. April statt, drei am 15. April – war eine Zwei-Drittel-Mehrheit für die Wahl nötig, die jedoch für keinen der beiden Bewerber zustande kam. Im siebten Wahlgang reichte dann die einfache Mehrheit.

Thomas Kleist, der dem Vorstand der Saar-SPD angehört, hatte in den ersten sechs Wahlgängen bis auf einmal stets, wenn auch mit knappen Vorsprung, mehr Stimmen als Hauser, der nur im vierten Wahlgang vor Kleist lag (mit 18:17). Beide Kandidaten jedoch verfehlten dabei jeweils klar die bis dahin nötige Zwei-Drittel-Mehrheit. Hauser galt als Intendantenkandidat der CDU. Im Saarland regiert eine „Jamaika-Koalition“ (schwarz-gelb-grün) unter Ministerpräsident Peter Müller (CDU). Im siebten Wahlgang, als die einfache Mehrheit genügte, erhielt Kleist dann die entscheidenden 18 Stimmen.

Die Existenz des Senders sichern

Als SR-Intendant folgt Thomas Kleist auf Fritz Raff, der Ende Januar nach schwerer Krankheit im Alter von 62 Jahren gestorben war. Raff stand seit August 1996 an der Spitze des Saarländischen Rundfunks und war in den Jahren 2007 und 2008 auch ARD-Vorsitzender. Kleist plant nach dem derzeitigen Stand der Dinge, das Intendantenamt am 1. Juli zu übernehmen. Bis dahin wird der SR weiterhin vom stellvertretenden Intendanten Hans-Günther Brüske kommissarisch geleitet.

Thomas Kleist selbst erklärte nach der Wahl: „Die Nachfolge meines Freundes Fritz Raff antreten zu dürfen, ist Ehre und Verpflichtung zugleich. Entsprechend wird sich mein Tun im Spannungsfeld von Kontinuität und Erneuerung bewegen. Vor allem gilt es, den Saarländischen Rundfunk auch für die nächsten Jahrzehnte als eigene Landesrundfunkanstalt auf Augenhöhe mit den großen Landesrundfunkanstalten zu behaupten. Programmlich und organisatorisch gilt es, den SR noch stärker auf die trimediale Welt einzustellen.“ Kleist sieht für die saarländische Landesrundfunkanstalt zwei große Herausforderungen: Zum einen werde es künftig darum gehen, mit den eigenen Programmangeboten mehr jüngeres Publikum zu erreichen; zum anderen müsse die Existenz des Senders gesichert werden.

Der Saarländische Rundfunk, die zweitkleinste ARD-Landesrundfunkanstalt, steht seit Jahren unter hohem Spardruck, um die Eigenständigkeit zu behalten. Infolgedessen war auch ein enormer Stellenabbau notwendig: Im Jahr 2000 hatte der SR noch 750 Planstellen, in diesem Jahr sind es noch 563. Finanziell unterstützt wird der SR durch den staatsvertraglich festgelegten ARD-internen Finanzausgleich, der sich seit 2006 auf 1,0 Prozent des jährlichen Nettogebührenaufkommens der ARD beläuft. 2011 entspricht dies rund 53 Mio Euro. Gelder aus dem Finanzausgleich erhält neben dem Saarländischen Rundfunk auch Radio Bremen.

Bestens in der ARD vernetzt

Der SR-Rundfunkratsvorsitzende Volker Giersch sagte nach dem Ausgang der Intendantenwahl laut Sendermitteilung vom 15. April: „Mit Thomas Kleist hat der Saarländische Rundfunk einen intimen Kenner der europäischen Medienwelt und des öffentlich-rechtlichen Rundfunks gewählt. Innerhalb der ARD und darüber hinaus ist er seit Jahren bestens vernetzt. Zudem kennt er als Saarländer Land und Leute und ist auch mit den Problemen und Chancen des Senders bestens vertraut. Mit ihm an der Spitze hat der SR gute Chancen, die großen Herausforderungen der kommenden Jahre erfolgreich zu meistern und die Eigenständigkeit des Senders weiter zu sichern. Dabei wird auch helfen, dass er durch seine früheren Tätigkeiten vielfältige Kenntnisse und Erfahrungen in Wirtschaftsfragen und in Unternehmensführung mitbringt.“ Der saarländische SPD-Vorsitzende Heiko Maas begrüßte die Wahl Kleists und verwies auf dessen langjährige Tätigkeit als SR-Verwaltungsratsvorsitzender. Dies werde für Kleist in seinem neuen Amt ebenso von Vorteil sein „wie seine Fähigkeit, Menschen zusammenzuführen und mit Argumenten zu überzeugen“.

Der Rechtsanwalt und Medienjurist Thomas Kleist, der nun für eine Amtszeit von sechs Jahren zum SR-Intendanten gewählt wurde, ist ein Verwaltungsfachmann. Er leitete von 1985 bis 1996 die saarländische Landesanstalt für das Rundfunkwesen (LAR), die heutige Landesmedienanstalt Saarland (LMS). 1996 wechselte er für drei Jahre als Staatssekretär ins SPD-geführte Arbeits- und Sozialministerium des Saarlandes. Seit dem Jahr 2000 arbeitet er als Rechtsanwalt und Unternehmensberater in den Bereichen Medien und Krankenhausmanagement. Im Jahr 2000 übernahm er zusätzlich die Position als Direktor des in Saarbrücken ansässigen Instituts für Europäisches Medienrecht (EMR), dessen Gründung er zehn Jahre zuvor mit initiiert hatte. Im April 2000 wurde Kleist zum Vorsitzenden des SR-Verwaltungsrats gewählt. Davor war er als Vertreter der saarländischen Landesregierung von 1996 bis 1999 Mitglied des SR-Rundfunkrats. Thomas Kleist gehört auch der SPD-Medienkommission an, die beim Parteivorstand der Bundespartei angesiedelt ist.

• Text aus Heft Nr. 15-16/2011 der Funkkorrespondenz (heute: Medienkorrespondenz)

21.04.2011 – vn/FK

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