SWR-Rundfunkrat will Sitzungen stets im Livestream übertragen

28.11.2021 •

Der Rundfunkrat des Südwestrundfunks (SWR) hat sich zum Ziel gesetzt, seine öffentlichen Sitzungen stets auch im Livestream über das Internet zu übertragen. Das erklärte der SWR-Rundfunkratsvorsitzende Adolf Weiland auf MK-Nachfrage: Aktuell lasse sich „jedoch noch nicht abschließend einschätzen, ob die technischen und räumlichen Voraussetzungen hierfür an allen Lokalitäten gegeben sind oder geschaffen werden können, in denen der Rundfunkrat vor Corona in Präsenz getagt hat und gegebenenfalls nach Corona wieder tagen wird“.

Der SWR-Rundfunkrat ist, was die Übertragung von Sitzungen angeht, somit Vorreiter. Bei keinem Rundfunkrat der übrigen acht ARD-Landesrundfunkanstalten wie auch beim ZDF-Fernsehrat und beim Deutschlandradio-Hörfunkrat sind stetige Livestream-Übertragungen der Sitzungen vorgesehen. Bei einzelnen Rundfunkräten wurden wegen der Pandemie veranlasste Videokonferenzen auch im Netz übertragen; andere Rundfunkräte ermöglichten Interessierten nach Anmeldung den Zugang zu ihrem Konferenzsystem (vgl. auch MK-Meldung). Beim ZDF-Fernsehrat sind laut Geschäftsordnung nur bestimmte Sitzungen, in denen etwa eine Intendantenwahl oder eine Haushaltsverabschiedung ansteht, auch per Livestream zu sehen. Im Dezember 2020 war zum ersten Mal eine ZDF-Fernsehratssitzung im Internet zu verfolgen (vgl. MK-Meldung).

„Als Service für die Öffentlichkeit“

Der SWR-Rundfunkrat, dem insgesamt 74 Mitglieder angehören (wobei derzeit drei Sitze vakant sind), hatte erstmals seine Sitzung vom 26. März, die coronabedingt in Form einer Videokonferenz stattfand, im Livestream übertragen. Auf diese Weise konnte die Vorgabe im SWR-Staatsvertrag erfüllt werden, dass die Rundfunkratssitzungen öffentlich zugänglich sein müssen. Auch die folgende Rundfunkratssitzung vom 2. Juli wurde wegen der Pandemie als Videokonferenz abgehalten, die wieder per Livestream übertragen wurde. Am 24. September kam der SWR-Rundfunkrat dann zu einer Präsenzsitzung zusammen, die in der Liederhalle in Stuttgart stattfand, und ebenfalls im Livestream zu sehen war.

Auch wenn es bisher erst drei Übertragungen von Sitzungen des SWR-Rundfunkrats gegeben habe, zeigte sich dessen Vorsitzender Weiland davon überzeugt, dass es „die richtige Entscheidung“ gewesen sei, die Sitzungen auch im Livestream über das Internet zugänglich zu machen. „Den Livestream verstehen wir deshalb nicht zuletzt als Service für die Öffentlichkeit. Die Arbeit des Rundfunkrats soll dadurch einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich sein, womit ein Stück mehr Transparenz hergestellt wird“, erklärte Weiland.

Die Resonanz habe, so der Rundfunkratsvorsitzende, den Erwartungen des Gremiums entsprochen und man sei „durchaus zufrieden“. Laut Weiland wurden für die März-Sitzung des Rundfunkrats 518 Zugriffe auf den Livestream gezählt. Bei der Juli-Sitzung waren 222 Zuschauer dabei und bei der September-Sitzung dann 872. Die durchschnittliche Nutzungszeit bezifferte Weiland auf rund 30 Minuten. Eine Rundfunkratssitzung dauert etwa vier Stunden. Zu den Nutzern des Livestreams dürften zu einem größeren Teil auch Mitarbeiter des SWR gehören, die auf die Übertragung der Rundfunkratssitzungen im Intranet der Sendeanstalt hingewiesen werden.

Zusatzkosten im niedrigen vierstelligen Bereich

Dass die Sitzungen des SWR-Rundfunkrats zuletzt auch im Netz zu verfolgen gewesen waren, sei, so Adolf Weiland, „durchweg positiv“ aufgenommen worden, „gerade auch von Pressevertretern, die die Rundfunkratssitzungen auf diese Weise verfolgen konnten“. Auf die Frage, ob es negative Reaktionen oder Bedenken gegeben habe, dass diese Transparenz zu weit gehe, antwortete Weiland, „weder von den Gremienmitgliedern noch von der Geschäftsleitung des SWR“ habe sich jemand derartig geäußert. Die Kosten für die Live-Übertragung einer Präsenzsitzung, wie aus der Stuttgarter Liederhalle, würden „im niedrigen vierstelligen Bereich“ liegen, sagte der Rundfunkratsvorsitzende. Der SWR setze sogenannte smarte Produktionsmittel ein, „wobei drei Kameras von einem einzigen Bildingenieur ferngesteuert werden“. Für die Übertragung einer Videokonferenz fallen Weiland zufolge „keine nennenswerten zusätzlichen Kosten“ an.

Auf die Frage, ob etwa auch in den SWR-Programmangeboten auf die Übertragung von Rundfunkratssitzungen hingewiesen könnte, um so stärker Bürger auf den Livestream aufmerksam zu machen, erklärte Weiland gegenüber der MK: „Zwischen Gremienarbeit und Programm ist klar zu trennen. Auf die Gremienarbeit hinzuweisen oder gar für sie zu werben, ist nicht Aufgabe des Programms. Das ist die originäre Aufgabe der Gremien selbst.“ Der Rundfunkratsvorsitzende verwies neben den Ankündigungen im SWR-Intranet auf die Website des Rundfunkrats und die Presse-Einladungen zu Rundfunkratssitzungen. Dort werde jeweils auf den Livestream aufmerksam gemacht. Außerdem werde zeitnah vor einer Rundfunkratssitzung auch auf der Startseite von swr.de auf die Übertragung hingewiesen.

28.11.2021 – Volker Nünning/MK

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