SWR nun mit Direktion für digitale Transformation

31.10.2021 •

Beim Südwestrundfunk (SWR) gibt es nun für die digitale Transformation des öffentlich-rechtlichen Senders eine eigene Direktion. Damit ist der SWR die erste ARD-Landesrundfunkanstalt, die dieses Themengebiet auf der obersten Leitungsebene ansiedelt. Mit der Schaffung der Direktion ‘Innovationsmanagement und Digitale Transformation’, kurz IDT, hat der Südwestrundfunk nun acht Direktionen. Neben der IDT-Direktion gibt es noch zwei Programmdirektionen, die Direktion Technik und Produktion, die Verwaltungsdirektion und das Justitiariat. Außerdem hat die Zwei-Länder-Anstalt für Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz für beide Länder noch jeweils eine Landessenderdirektion. An der Spitze des SWR steht seit September 2019 Intendant Kai Gniffke.

Der 74-köpfige SWR-Rundfunkrat stimmte in seiner Sitzung am 24. September in Stuttgart dem Personalvorschlag von Intendant Gniffke zu, Thomas Dauser zum Direktor ‘Innovationsmanagement und Digitale Transformation’ zu berufen. Dauser, 46, war bisher beim SWR bereits Chef des Bereichs ‘Innovationsmanagement und Digitale Transformation’. Beim SWR arbeitet Dauser seit 2004, zunächst war er beim Sender als Fernsehjournalist tätig. 2011 wurde er Referent des damaligen SWR-Intendanten Peter Boudgoust, bevor er Ende 2012 die Leitung der Intendanz übernahm. 2016 wurde Dauser zusätzlich Leiter der Strategischen Unternehmensentwicklung.

Thomas Dauser übernimmt neuen Chefposten

Anfang Juni 2020 rückte Thomas Dauser dann zum Chef des Bereichs ‘Innovationsmanagement und Digitale Transformation’ auf. Diesen am SWR-Standort in Mainz angesiedelten Bereich hatte die Anstalt neu eingerichtet – und zwar mit den Zielen, die verschiedenen Stellen im Sender bei der Transformation in die digitale Medienwelt zu unterstützen, Innovationsprozesse zu beschleunigen und neue, insbesondere jüngere Nutzer zu identifizieren, um diese möglichst an die Angebote des SWR zu binden. Teil des IDT-Bereichs ist auch das sogenannte X Lab, das Innovationslabor des Südwestrundfunks, das Redaktionen des Senders dabei helfen soll, „neue Formate, Produkte und Services zu entwickeln“.

Dass beim SWR nun die Direktion ‘Innovationsmanagement und Digitale Transformation’ geschaffen werden konnte, dafür hatte der Verwaltungsrat der Rundfunkanstalt am 17. September grünes Licht gegeben. Damit stimmte das 18-köpfige Gremium dem entsprechenden Plan der SWR-Geschäftsleitung zu. Änderungen an den Organisationsstrukturen des SWR muss der Verwaltungsrat genehmigen. In der Rundfunkratssitzung am 24. September sagte der Verwaltungsratsvorsitzende Hans-Albert Stechl, dass es kaum eine andere eine Entscheidung im Verwaltungsrat gegeben habe, die „so ausführlich, so intensiv und auch so kontrovers diskutiert wurde wie die Frage, ob die IDT in eine Direktion übergeführt werden soll oder nicht“. Nicht zuletzt weil mit einer neuen Direktion möglicherweise Organisationsstrukturen zementiert würden, so Stechl.

Letztlich habe der Verwaltungsrat aber zugestimmt, auch weil „die Umwandlung in eine Direktion nicht mit weiteren zusätzlichen relevanten Kosten verbunden ist“, sagte Stechl. Außerdem habe Intendant Gniffke zugesagt, die neue Direktorenposition zunächst nur befristet für drei Jahre mit einer Option zur Verlängerung von weiteren zwei Jahren zu besetzen. Das sei ein Signal gewesen, dass auch in Zukunft über die Strukturen der Direktionen diskutiert werden könne. Über Fortschritte und Probleme beim SWR in Sachen Digitalisierung wolle der Verwaltungsrat kontinuierlich informiert werden, so Stechl weiter. Es sei „jetzt die Pflicht des Hauses“, den Verwaltungsrat in den nächsten zwei, drei Jahren noch mehr als bisher zu überzeugen, dass die Einrichtung der neuen Direktion richtig gewesen sei.

SWR-Intendant Gniffke erläuterte in der Rundfunkratssitzung, mit der Schaffung der neuen Direktion solle den Mitarbeitern die Bedeutung der Sache deutlich gemacht werden: „Innovation und digitale Transformation hat für den SWR Top-Management-Stellenwert.“ Die neue Direktion sei konzipiert als „eine zentral organisierte Unterstützung für alle Bereiche“. Es gehe etwa um die Begleitung von Change-Prozessen und Innovationsprojekten, den Umgang mit Nutzungsdaten und die Unterstützung der Geschäftsleitung bei Strategieprozessen.

Kritische Fragen aus den Gremien

Es werde, wie der SWR-Intendant ausführte, mit der Umwandlung des IDT-Bereichs in eine Direktion „keine neue außertarifliche Stelle geschaffen“; es gebe „eine protokollarische Aufwertung des Themas digitale Transformation“. Gniffke kündigte an, in drei Jahren zu bilanzieren, ob beim SWR alle Unternehmensteile möglicherweise weit genug seien, so dass diese zentrale Unterstützungsfunktion einer IDT-Direktion dann nicht mehr gebraucht werde. Der Intendant versprach den Rundfunkratsmitgliedern diesbezüglich „eine ergebnisoffene Prüfung“.

Mit seinen Ausführungen im Rundfunkrat versuchte Gniffke, mehrere kritische Äußerungen aus dem Gremium zur Einrichtung der neuen Direktion zu entkräften. Hinterfragt wurde etwa, ob es überhaupt nötig sei, den bisherigen IDT-Bereich in eine Direktion umzuwandeln, was auch Zusatzkosten hervorrufe. In einer Pressemitteilung hob der Sender hervor, mit der neuen Direktion seien „weder personelle Aufstockungen noch neue Direktions-Funktionen im außertariflichen Bereich“ verbunden.

Den Beschluss des Verwaltungsrats, dass die neue Direktion geschaffen wird, konnte der Rundfunkrat mangels Zuständigkeit aber nicht abändern, wofür es letztlich wohl auch keine Mehrheit gegeben hätte. Der Rundfunkrat musste konkret darüber befinden, ob der Personalvorschlag des Intendanten gebilligt wird, Thomas Dauser für drei Jahre zum IDT-Direktor zu berufen. Diese Zustimmung gab der Rundfunkrat. Der SWR-Rundfunkratsvorsitzende Adolf Weiland verwies darauf, diese Position für zunächst nur drei Jahre zu besetzen, sei „Wunsch der Gremien“ gewesen; dies sei „nicht der Wunsch des Intendanten“ gewesen (der für fünf Jahre plädiert hatte).

Thomas Dauser sagte im Rundfunkrat, ihm gehe es auch darum, dass im SWR „Innovation nicht mehr nur aufhübschender Zierrat ist, sondern dass sie noch mehr, als es jetzt schon der Fall ist, wirklich zu unserem Kerngeschäft wird“. Sein Ziel sei es, den SWR so aufzustellen, „dass wir permanenter Veränderung immer positiv begegnen können, ohne uns auch ständig aufzureiben im Alltag“. Der digitale Wandel werde nicht aufhören; deshalb wolle er seine Direktion entsprechendes Know-how für die jeweiligen Bereiche im Sender zur Verfügung stellen. Thomas Dausers Arbeitsort ist am zentralen SWR-Sitz in Stuttgart, seine Stellvertretung soll in Mainz angesiedelt sein, wo auch die Mehrheit der Beschäftigten dieser Direktion arbeitet.

31.10.2021 – Volker Nünning/MK

Print-Ausgabe 23-24/2021

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