Studie: Vertrauen in die Medien ist während der Corona-Krise gestiegen

23.04.2021 •

In der Corona-Krise ist das Vertrauen der Deutschen in die Medien gestiegen. Zugleich ist der Anteil derjenigen gesunken, die den Medien vorwerfen, die Bevölkerung systematisch zu belügen. Das zeigen am 8. April in Mainz veröffentliche Ergebnisse der Langzeitstudie „Medienvertrauen“, die am Institut für Publizistik der Universität Mainz und am Institut für Sozialwissenschaften der Universität Düsseldorf durchgeführt wird. Die Befragungen dazu fanden im November und Dezember 2020 statt. Ob es sich dabei um ein nachhaltiges Vertrauensplus handelt, muss sich nach Einschätzung der Wissenschaftler erst noch zeigen. Es sei möglich, dass sich die Stimmung in den folgenden Wochen erneut verändert habe, parallel zur wachsenden Unzufriedenheit mit dem politischen Krisenmanagement.

Befragt wurden 1207 Bürgerinnen und Bürger ab 18 Jahren. Am Ende des Jahres 2020 stimmten laut Studie 56 Prozent der Befragten der Aussage zu: „Wenn es um wirklich wichtige Dinge geht – etwa Umweltprobleme, Gesundheitsgefahren, politische Skandale und Krisen –, kann man den Medien vertrauen.“ In den Vorjahren lag dieser Wert zwischen 41 und 44 Prozent, 2015 sogar bei lediglich 28 Prozent. Im Jahr 2020 sagten nur 16 Prozent der Deutschen, man könne den Medien „eher nicht“ oder „überhaupt nicht“ vertrauen; 28 Prozent äußerten sich ambivalent („teils, teils“).

Hohes Vertrauen in öffentlich-rechtlichen Rundfunk

Gesunken ist der Anteil an Menschen, die extrem kritisch bis feindselig auf die etablierten Medien blicken. Insgesamt nur noch 11 Prozent bejahten die Aussage, dass die Bevölkerung von den Medien systematisch belogen werde. In den Vorjahren hatte die Zustimmung hier zwischen 13 und 19 Prozent gelegen. Zwei Drittel weisen den „Lügenpresse“-Vorwurf in der neuen Befragung zurück – dies ist der bisher höchste gemessene Wert in der Langzeitstudie. Eine ähnliche Tendenz zeigt sich bei anderen Aussagen. So stimmten 2020 nur noch 15 Prozent der Aussage zu: „Die Medien arbeiten mit der Politik Hand in Hand, um die Meinung der Bevölkerung zu manipulieren.“ 2019 waren es 23 Prozent.

Der Berichterstattung der etablierten Medien zur Corona-Pandemie bringen 63 Prozent der Deutschen großes Vertrauen entgegen. Lediglich 12 Prozent schätzen die Berichterstattung als nicht vertrauenswürdig ein, 23 Prozent ordnen sich in der Mitte ein. Fast zwei Drittel, nämlich 65 Prozent, gaben an, die Medienberichterstattung helfe ihnen dabei, dass sie verstünden, was gerade passiere. Nur 16 Prozent stimmten dieser Aussage nicht zu. Allerdings finden 26 Prozent, dass Informationen fehlen, und 21 Prozent haben den Eindruck, dass Medienberichte den Informationen widersprechen, die sie aus anderen Quellen erhalten haben. Ein Viertel der Deutschen findet die Berichterstattung zu Corona übertrieben. Diesen stehen 47 Prozent gegenüber, die das nicht so sehen.

Bei vielen Menschen zeigt sich allerdings ein Überdruss am Thema und der medialen Berichterstattung, wie aus der Studie hervorgeht: 40 Prozent finden, dass die Medien zu viel über Corona berichteten. 34 Prozent teilen diesen Eindruck nicht, 25 Prozent beziehen hier keine klare Position („teils, teils“). Mit Blick auf die Mediengattungen ist das Vertrauen in den öffentlich-rechtlichen Rundfunk mit 70 Prozent am größten (in den Vorjahren lag es zwischen 65 und 72 Prozent). Danach folgen Regionalzeitungen, denen rund zwei Drittel der Deutschen vertrauen (Vorjahre: 63 bis 65 Prozent). Überregionalen Tageszeitungen vertrauen 56 Prozent der Befragten (Vorjahre: 49 bis 55 Prozent).

Das private Fernsehen mit 23 Prozent und Boulevardzeitungen mit 7 Prozent werden auch in der Corona-Krise als nicht besonders vertrauenswürdige Medien wahrgenommen. Gleiches gilt für Social-Media-Angebote. Nur 5 Prozent der Befragten vertrauen Nachrichten auf sozialen Netzwerken (Vorjahre: 3 bis 10 Prozent). Nachrichten auf Videoportalen finden 10 Prozent vertrauenswürdig (Vorjahre: 4 bis 8 Prozent)

23.04.2021 – cas/MK

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