Streaming-Plattform Joyn um Bezahlangebot erweitert

12.12.2019 •

Die Pro-Sieben-Sat-1-Gruppe und der Discovery-Konzern haben ihre gemeinsame Streaming-Plattform Joyn um das Bezahlangebot Joyn plus erweitert. Das gab die Joyn GmbH am 26. November bekannt. Seitdem sind über Joyn plus exklusive ausländische Serien und Filme sowie auch eigenproduzierte Serien verfügbar. Hinzu kommen insgesamt 47 Fernsehprogramme, die im Livestream in HD-Qualität zu sehen sind. Die Inhalte (vor allem Serien und Filme), die zuvor nur beim von der Pro-Sieben-Sat-1-Gruppe betriebenen Streaming-Anbieter Maxdome verfügbar waren, lassen sich jetzt auch über Joyn plus abrufen. In einer Einführungsphase kostet Joyn plus 3,99 Euro pro Monat. Der reguläre Preis beträgt danach monatlich 6,99 Euro.

Am 18. Juni hatten Pro Sieben Sat 1 und Discovery ihre gemeinsame Streaming-Plattform unter dem Namen Joyn neu gestartet (vgl. MK-Meldung). Sie wird betrieben von der in München ansässigen Joyn GmbH, die jeweils zur Hälfte den beiden Medienkonzernen gehört. Joyn ersetzte die vorherige Plattform 7TV, die Pro Sieben Sat 1 im Jahr 2014 in Betrieb genommen hatte und zu der im Herbst 2017 Discovery als Partner hinzugestoßen war. Die neue Joyn-Plattform ist im Kern als werbefinanziertes Angebot konzipiert. Nutzer können auf iOS- und Android-fähigen mobilen Geräten, Computern und Smart-Fernsehern ohne Registrierung die Joyn-Inhalte abrufen.

Eigenproduzierte Serien in Planung

Anlässlich des Starts von Joyn hatten Pro Sieben Sat 1 und Discovery bereits angekündigt, im Herbst 2019 die Plattform, um ein Bezahlangebot erweitern zu wollen. Über Joyn plus – die Eigenschreibweise lautet merkwürdigerweise „Joyn plus+“, wobei nach Angaben des Unternehmens nur ein „plus“ gesprochen werden soll – sind zum Start mehrere Serien und Filme exklusiv abrufbar. Dazu gehören beispielsweise die holländische Thriller-Serie „Mocro Maffia“, die dänische Krimi-Serie „Darkness – Schatten des Verbrechens“, die US-amerikanische Verfilmung der gleichnamigen Comic-Reihe „Deadly Class“ und die deutsche Comedy-Serie „Andere Eltern“, die im Auftrag des Pay-TV-Senders TNT Comedy entstand und dort bereits im Frühjahr 2019 zu sehen war. Im kommenden Jahr soll die erste internationale Koproduktion, an der Joyn beteiligt ist, auf der Plattform abrufbar sein. Dabei handelt es sich um die Serie „Dignity“ mit den Schauspielern Devid Striesow und Götz Otto. Weitere Eigenproduktionen sind in Planung. Für 2020 sind laut Joyn-Geschäftsführerin Katja Hofem „zwölf Originals in der Pipeline“.

Joyn-plus-Nutzer können außerdem 22 private Free-TV-Programme via Livestream in HD-Qualität empfangen. Dazu gehören die sieben Free-TV-Programme der Pro-Sieben-Sat-1-Gruppe und die vier frei empfangbaren Sender des Discovery-Konzerns (Eurosport, DMAX, TLC, Home & Garden TV). Hinzu kommen die Sender Welt und N 24 Doku (beide Springer), die Programme MTV, Comedy Central und Nick (jeweils Viacom), die Kanäle Sport 1, Deluxe Music und RiC sowie die ausländischen Programme Servus TV, Bloomberg TV und CNBC. Teil des Joyn-plus-Pakets sind außerdem noch sechs von Pro Sieben Sat 1 und Discovery betriebene Pay-TV-Kanäle, die ebenfalls in HD angeboten werden: Pro Sieben Fun, Sat 1 Emotions, Kabel 1 Classics (jeweils Pro Sieben Sat 1) sowie Eurosport 2, Discovery Channel und Animal Planet (jeweils Discovery).

Für Joyn-plus-Nutzer sind auch 19 öffentlich-rechtlichen Programme von ARD und ZDF im Livestream in HD-Qualität sehen – wobei dies auch über die Joyn-Plattform im kostenfreien Bereich möglich ist. Im Basisangebot sind die privaten Fernsehsender im Livestream nur in der digitalen Standardauflösung (SD/Standard Definition) zu sehen. Mit Ausnahme von Arte sind alle öffentlich-rechtlichen TV-Programme über Joyn zu empfangen. Aber auch Arte soll künftig über die Plattform zu sehen sein. Wann der deutsch-französische Kulturkanal dort verfügbar sein wird, ist indes offen. Die Programme der RTL-Gruppe werden weiterhin nicht über Joyn verbreitet. Über deren Videoplattform TV Now sind diese Sender im Livestream gegen eine Gebühr von monatlich 2,99 Euro zu empfangen.

Eurosport-Player noch nicht integriert

Auch wenn Joyn-plus-Nutzer Geld bezahlen, bedeutet dies nicht, dass sie auf der Joyn-Plattform keine Werbung mehr sehen. Die Inhalte aus der Joyn-Mediathek sollen für sie, wie es vom Unternehmen heißt, „weitgehend ohne Werbung“ verfügbar sein. Vor den Sendungen, die ebenfalls im werbefinanzierten Basisangebot abrufbar sind, gibt es auch im Bezahlpaket Werbung; sie soll aber nicht so umfangreich ausfallen wie im Basisangebot. Bis Mitte 2020 soll auch der von Discovery betriebene kostenpflichtige On-Demand-Dienst Eurosport-Player in die Palette von Joyn plus integriert werden. Ursprünglich sollte dies bis zum Winter 2019 geschehen. Die Attraktivität des Eurosport-Players ist inzwischen merklich gesunken, nachdem im August der Discovery-Konzern die Übertragungsrechte von 40 Begegnungen der Fußball-Bundesliga pro Saison an den Streaming-Anbieter DAZN weiterverkaufte (vgl. MK-Meldung). Wenn der Eurosport-Player Teil der Joyn-Plattform wird, soll jedenfalls der Abopreis für Joyn plus weiterhin 6,99 Euro betragen.

Wer bis Ende Dezember bei Joyn das Bezahlangebot bucht, der zahlt nach einem kostenlosen Probemonat weitere drei Monate jeweils nur 3,99 Euro. Anschließend wird der reguläre Preis von monatlich 6,99 Euro fällig. Wird Joyn plus ab Januar 2020 gebucht, kostet das Paket nach einem Gratismonat direkt 6,99 Euro pro Monat. Ihr neues Zusatzangebot Joyn plus preist die Joyn GmbH im Übrigen mit der Aussage an, über die Plattform seien „mehr als 60 Live-TV-Sender in HD“ zu sehen. Diese Zahl ergibt sich allerdings nur, wenn alle regional bzw. lokal gesplitteten Ausgaben der Dritten Programme der ARD mitgezählt werden. Rechnet man diese herunter, verbleiben momentan die besagten 47 Programme, die man über Joyn in HD empfangen kann.

12.12.2019 – vn/MK