Streaming crossmedial: Aus TV Now wird RTL+

25.11.2021 •

RTL Deutschland geht den nächsten Schritt hin zu einer crossmedialen, integrierten Streaming- und Inhalteplattform. Dazu wurde am 4. November TV Now, die bisherige Streaming-Plattform der Gruppe, in RTL+ umbenannt. In der ersten Jahreshälfte 2022 sollen hier neben den Livestreams der 14 deutschen Fernseh- und Hörfunksender der Mediengruppe auch Musikinhalte, Hörbücher, Podcasts und die Online-Ausgaben diverser Gruner+Jahr-Zeitschriften wie „Stern“, „Geo“ oder „Brigitte“ im Abonnement angeboten werden. Damit vereint RTL+ dann alle Inhaltesparten des Bertelsmann-Konzerns, zu dem RTL Deutschland (Köln) gehört.

„Für uns fügt sich damit in einem Angebot zusammen, was wir strategisch gerade entwickeln: Das erste vollintegrierte Medienunternehmen in Deutschland, das mit positiver Unterhaltung und unabhängigem Journalismus über alle Mediengattungen hinweg wachsen und seine führenden Marktpositionen ausbauen will“, so verlautete es dazu als gemeinsames Statement der beiden gleichberechtigten CEOs von RTL Deutschland, Stephan Schäfer und Matthias Dang, in einer Pressemitteilung. Schäfer steht dabei auch persönlich für den Zusammenschluss von RTL und Gruner+Jahr (vgl. MK-Meldung). Seit 2013 war der 47-Jährige als Chief Product Officer für alle Inhalte bei G+J verantwortlich, 2019 trat Schäfer parallel auch in die RTL-Geschäftsführung ein; er ist weiterhin auch CEO bei Gruner+Jahr. Dang, 54, verantwortet parallel weiter die bereits 2016 gegründete Ad Alliance, die die Werbevermarktung von RTL Deutschland, Gruner+Jahr, der „Spiegel“-Gruppe, der rtv Media Group sowie des Video- und Technologie-Spezialisten Smartclip bündelt.

„Faking Hitler“, „Sisi“, Schirach‑Serie „Glauben“

Technischer Partner von RTL+ ist die Deutsche Telekom. Was die künftigen RTL+-Abos kosten, wird erst 2022 bekannt gegeben. Laut RTL-Angaben soll das Preisgerüst im zweiten Quartal stehen; dabei wird voraussichtlich zwischen werbefreien Premium-Angeboten und Einstiegsangeboten mit Werbung unterschieden. RTL verspricht, dass die Abonnenten die Inhalte Dank KI-basierter Technologie einfach, intuitiv und individualisiert nutzen könnten. Ein Empfehlungsalgorithmus garantiere, dass dem Nutzer unter einem „Für-Dich“-Feed auf der personalisierten RTL+-Seite über alle Mediengattungen hinweg mit Hilfe intelligenter Text-, Audio- und Videoanalyse stets passende Inhalte vorgeschlagen würden. „Damit schaffen wir ein medienverbindendes Unterhaltungserlebnis“, mit dem die Nutzer „nicht nur die für sie interessanten Inhalte entdecken, sondern auch von ergänzenden Inhalten erfahren“, so Eva Messerschmidt, Senior Vice President Product & Commercial bei RTL am 4. November bei der Präsentation des „Rebrandings“ in Berlin: „RTL+ will eine Heimat sein, in der alle Inhalte eingebunden sind. Das ist die Zukunft des Streamings.“

Bereits heute stehen für RTL+ den Angaben zufolge rund 50.000 Programmstunden aus allen Bereichen zur Verfügung. RTL hat zum Start von RTL+ außerdem drei Event-Serien produziert. Bereits seit dem 4. November per Stream verfügbar ist die Serie „Ferdinand von Schirach: Glauben“, zu der der Schriftsteller selbst das Drehbuch verfasst hat. Ab dem 30. November ist „Faking Hitler“ abrufbar. Die sechsteilige Serie mit Lars Eidinger, Moritz Bleibtreu und Ulrich Tukur wurde von der Bertelsmann-Tochter Ufa produziert und basiert auf dem gleichnamigen Doku-Podcast des „Stern“ über die gefälschten Hitler-Tagebücher, die 1983 das Magazin an den Rand des Abgrunds geführt hatten. Pünktlich zur Weihnachtszeit geht dann ab dem 12. Dezember die sechsteilige Neuverfilmung „Sisi“ über die Kaiserin Elisabeth von Österreich mit Dominique Devenport, Jannik Schümann und Désirée Nosbusch an den Start. Alle drei Event-Formate werden zu einem späteren Zeitpunkt auch im Free-TV bei RTL bzw. Vox ausgestrahlt. Bereits vor dem Rebranding habe TV Now eine neue Originalproduktion pro Woche über alle Genres präsentiert, so Schäfer. Diese Eigenproduktion soll mit RTL+ noch massiv ausgebaut werden.

„Das ist ein Angriffsszenario“

Mit RTL+ stellt sich der Bertelsmann-Konzern für den Wettbewerb mit den großen US-amerikanischen Streaming-Anbietern wie Netflix oder Amazon Prime Video auf. Anders als diese habe man den Vorteil, gleich mehrere Mediengattungen zu bündeln. „Dass wir aus einem lokalen Markt für einen lokalen Markt da sind, unterscheidet uns von den Global Playern“, heißt es seitens RTL. „Das ist absolute Pionierarbeit, wir bauen hier die Blaupause aus Content, Tech und Data“, so Matthias Dang, denn die „Inhalte müssen die Menschen finden, nicht die Menschen die Inhalte“. Daher werde man besonderen Wert auf die Technologie-Entwicklung legen. „Wir müssen die Adresse für Spezialisten werden, die Lust haben, das mit uns weiter aufzubauen“, so Stephan Schäfer.

Nach RTL-Angaben zählte TV Now zuletzt rund 2,4 Mio Abos in Deutschland, die nun auf RTL+ übergehen. Dazu kommen noch einmal eine Million von einem niederländischen Ableger. Bis 2026, so der ehrgeizige Plan, sollen es in Deutschland und den Niederlanden zusammen 10 Mio Abonnements sein. „Das ist ein Angriffsszenario und kein Rückzugsszenario“, heißt es bei RTL. Bertelsmann wolle dafür in den kommenden zehn Jahren jährlich rund 60 Mio Euro investieren. „Unsere Ziele sind extrem ambitioniert, das funktioniert nicht, wenn man ein Sparprogramm auflegt“, so formulierte es das Unternehmen. (Der vorherige lineare Spartenfernsehsender RTL plus wurde wegen der Umbenennung der Streaming-Plattform in RTL up umbenannt.)

25.11.2021 – gri/MK

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