Springer will Anfang August „Bild“‑Fernsehsender starten

26.04.2021 •

Der Axel-Springer-Konzern will unter der Marke „Bild“ einen linearen Fernsehsender starten. „Kern soll ein am Vormittag beginnendes Live-Programm von täglich bis zu sechs Stunden sein“, teilte Springer am 12. April mit. Das frei empfangbare Programm solle außerdem „mit Dokumentationen, Reportagen und weiteren Formaten“ ergänzt werden. Im Mittelpunkt stünden vor allem Themen aus den Bereichen Politik, Sport, Crime, VIP und Service. Bei „aktuellen Themenlagen“ solle das laufende Programm „jederzeit für eine Live-Berichterstattung unterbrochen werden“, hieß es weiter. Das neue „Bild“-Programm will Springer noch vor der am 26. September stattfindenden Bundestagswahl in Betrieb nehmen. Nach MK-Informationen ist der Sendestart für Anfang August geplant.

Beim Aufbau des „neuen Fernsehprogramms wird der Springer-Konzern insbesondere auf sein bereits länger bestehendes Streaming-Angebot „Bild live“ zurückgreifen, das unter der Verantwortung von „Bild“-Chefredakteur Julian Reichelt produziert wird. Reichelt sagte zu dem geplanten neuen Programm: „Wir wollen Fernsehen machen, das Menschen nicht belehrt, sondern zeigt, was ist. Das Menschen eine Stimme gibt und ihnen aus der Seele spricht. 500 ‘Bild’-Reporter im ganzen Land werden unsere Zuschauer mitnehmen, ihnen live zeigen und erzählen, was geschieht, aber ihnen auch zuhören und sie zu Wort kommen lassen, wo immer sie betroffen sind.“ Der 40-jährige Reichelt war im März wegen eines Compliance-Verfahrens zwei Wochen lang von seiner Arbeit freigestellt gewesen (vgl. MK-Meldung).

Claus Strunz als Programmchef vorgesehen

Auf Sendung gehen kann das neue „Bild“-Fernsehen aber erst, wenn der Springer-Konzern dafür von der Medienaufsicht eine rundfunkrechtliche Lizenz erhalten hat. Die Zulassung soll bei der Medienanstalt Berlin-Brandenburg (MABB) beantragt werden. Ein Lizenzantrag sei noch nicht eingegangen, erklärte die MABB auf MK-Nachfrage. Das entsprechende Verfahren, in das die Kommission für Zulassung und Aufsicht der Landesmedienanstalten (ZAK) und die Kommission zur Ermittlung der Konzentration im Medienbereich (KEK) einzubeziehen sind, dauert zwei bis drei Monate. Die Lizenz, die der Springer-Konzern im Frühjahr 2020 von der MABB für sein Streaming-Angebot „Bild live“ erhalten hat (vgl. MK-Meldung), reicht für das neue Projekt nicht aus.

Das „Bild“-Fernsehprogramm soll über Kabel, Satellit, IPTV und via Internet (OTT) verbreitet werden. Mit der Werbevermarktung wurde nach Angaben von Springer die in Düsseldorf ansässige Firma Visoon beauftragt, die bereits die beiden von Springer veranstalteten Fernsehprogramme „Welt“ und N24 Doku vermarktet. Visoon ist ein Gemeinschaftsunternehmen von Springer (51 Prozent) und des US-Medienkonzerns Viacom CBS (49 Prozent), das hierzulande auch für die Werbevermarktung etwa von MTV, Comedy Central und Nickelodeon zuständig ist.

Produziert wird das künftige „Bild“-Fernsehen aus einer neuen sogenannten TV-Unit in der Welt N24 GmbH, in der der Springer-Konzern seine Fernsehaktivitäten für die drei Programme „Welt“, „Bild“ und N24 Doku bündeln will. Diese neue Einheit ist unter anderem zuständig für den technischen Sendebetrieb und die Sendeplanung, die Distribution und den Einkauf von Lizenzformaten. Die Inhalte für die Live-Berichterstattung des „Bild“-Fernsehprogramms werden von der „Bild“-Redaktion erstellt. Die vormittägliche Live-Sendestrecke bei „Bild“ soll außerdem von N24 Doku übernommen und dort dann anstelle von Dokumentationen, die dort derzeit zu sehen sind, ausgestrahlt werden.

Verantwortliche Geschäftsführer der Welt N24 GmbH sind Frank Hoffmann als Vorsitzender für die TV-Unit und Claus Strunz. Hoffmann, 55, wurde Anfang September 2020 Geschäftsführer der Welt N24 GmbH; er war zuvor von 2013 bis 2019 Programmgeschäftsführer von RTL. Strunz, 54, übernimmt die Position des Programmchefs des neuen „Bild“-Fernsehens. Er ist außerdem bei Springer Geschäftsführer TV/Video, Mitglied der „Bild“-Chefredaktion und Geschäftsführer der Produktionsfirma Maz & More, die das Sat-1-Frühstücksfernsehen herstellt.

26.04.2021 – Volker Nünning/MK

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