Springer startet am 22. August 2021 „Bild“‑Fernsehprogramm

19.07.2021 •

Der vom Springer-Konzern geplante lineare Fernsehsender mit dem Namen „Bild“ startet am 22. August (Sonntag). Das Programm werde frei empfangbar über Kabel, Satellit, IPTV und via Internet (OTT) verbreitet, teilte Springer am 5. Juli mit. Ziel sei es, zum Start von „Bild“ eine technische Reichweite von rund 85 Prozent der deutschen TV-Haushalte zu erreichen. Der Konzern, an dem der US-amerikanische Finanzinvestor KKR (Kohlberg Kravis Roberts & Co.) mit 48,5 Prozent beteiligt ist, betreibt bereits die Fernsehprogramme „Welt“ und N24 Doku.

Die Finanzierung des neuen „Bild“-Senders erfolgt über Werbung und Sponsoring. Für die Werbevermarktung ist die Firma Visoon (Sitz: Düsseldorf) zuständig, die bereits die Programme „Welt“ und N24 Doku vermarktet. Visoon gehört zu 51 Prozent Springer; die übrigen 49 Prozent hält der US-Medienkonzern Viacom CBS. Visoon vermarktet auch mehrere hierzulande von Viacom CBS veranstaltete Programme, darunter MTV, Comedy Central und Nickelodeon.

Im Zentrum des neuen „Bild“-Fernsehprogramms steht die von Springer als „News-Show“ bezeichnete Sendung „Bild live“. Sie wird von montags bis freitags in der Zeit von 9.00 bis 14.00 Uhr zu sehen sein und in Berlin produziert, dem Sitz des Springer-Konzerns. Das Format „Bild live“ gibt es als Streaming-Angebot bereits seit 2018. Beim neuen „Bild“-Fernsehprogramm sollen in der fünfstündigen Sendung die Moderatoren im Studio und „Bild“-Reporter vor Ort „jede Stunde ein aktuell laufendes Top-Thema“ verfolgen. Dabei solle das jeweilige Thema „mit Experten und Zuschauern meinungsstark debattiert“ und „so live zur exklusiven Schlagzeile“ werden, heißt es vollmundig in der Pressemitteilung von Springer. Samstags gibt es keine „Bild-live“-Sendestrecke, aber sonntags in der Zeit von 9.00 bis 13.00 Uhr: An diesem Wochentag soll es bei „Bild live“ vor allem um die Fußball-Bundesliga gehen.

„Meinungsstark debattieren“

Die Inhalte für die Sendung „Bild live“ werden von der „Bild“-Redaktion erstellt. Gesamtverantwortlich für „Bild live“ ist nach Angaben von Springer Julian Reichelt, Chefredakteur der „Bild“-Zeitung. Die vormittägliche Live-Sendestrecke bei „Bild“ wird außerdem vom Schwesterprogramm N24 Doku übernommen und dann anstelle von Dokumentationen, die dort derzeit noch zu sehen sind, ausgestrahlt. Bestandteil des „Bild“-Fernsehprogramms sind darüber hinaus Live-Sendungen unter anderem zu den Themenbereichen Politik, Sport, Show und Service, darunter der Polittalk „Die richtigen Fragen“ und das Format „Reif ist live“, bei dem der Sportjournalist Marcel Reif gemeinsam mit einem „Bild“-Journalisten das aktuelle Fußballgeschehen kommentiert (diese beiden Formate gibt es bereits seit längerem als Streaming-Angebote auf bild.de).

Beim neuen „Bild“-Sender, der fünf Wochen vor der am 26. September stattfindenden Bundestagswahl startet, wird es ferner noch Reportagen und Dokumentationen geben. Wenn sich Breaking-News-Lagen jenseits der regulären Sendezeiten von „Bild live“ entwickeln würden, so Springer, könne „jederzeit in das ‘Bild-live’-Studio geschaltet werden“, um dann entsprechend zu berichten. Betrieben wird das „Bild“-Fernsehen von der Welt N24 GmbH, die bereits die Programme „Welt“ und N24 Doku veranstaltet. Das Unternehmen ist eine Tochterfirma des Konzerns und hat eine sogenannte TV-Unit geschaffen, die nun für die Programme „Welt“, „Bild“ und N24 Doku zuständig ist.

Rundfunkrechtliche Zulassung erhalten

Verantwortliche Geschäftsführer der Welt N24 GmbH sind Frank Hoffmann als Vorsitzender für die TV-Unit und Claus Strunz, der zugleich die Position des Programmchefs des neuen Senders übernimmt. Strunz ist bei Springer außerdem Geschäftsführer TV/Video, Mitglied der „Bild“-Chefredaktion und neben Frank Hoffmann weiterer Geschäftsführer der Produktionsfirma Maz & More, die das Sat-1-Frühstücksfernsehen herstellt. Hoffmann wechselte Anfang September 2020 zum Springer-Konzern; zuvor war er von 2013 bis 2019 Programmgeschäftsführer von RTL.

Die rundfunkrechtliche Lizenz für das „Bild“-Fernsehprogramm erteilte die Kommission für Zulassung und Aufsicht der Landesmedienanstalten (ZAK) am 23. Juni vorbehaltlich der Zustimmung durch Kommission zur Ermittlung der Konzentration im Medienbereich (KEK). Am 13. Juli gab auch die KEK grünes Licht, so dass nun die Medienanstalt Berlin-Brandenburg (MABB) in Kürze den Zulassungsbescheid an Springer übermitteln kann. Bei der MABB hatte der Konzern im Ende April einen Lizenzantrag für sein „Bild“-Fernsehen gestellt (vgl. MK-Meldung).

Von der MABB hatte Springer bereits im Frühjahr 2020 eine Zulassung für das Streaming-Angebot „Bild live“ erhalten. Zunächst hatte das Unternehmen gegen eine Lizenzierungspflicht für seine Streaming-Aktivitäten geklagt, dann aber, nachdem im September 2019 das Verwaltungsgericht Berlin festgestellt hatte, dass eine Zulassung nötig sei, auf weitere Rechtsmittel verzichtet und bei der MABB einen Lizenzantrag eingereicht (vgl. diese MK-Meldung und diese MK-Meldung). Diese Zulassung reichte aber nicht aus, um einen 24-Stunden-Fernsehsender starten zu können, weshalb eine weitere Lizenz beantragt werden musste

19.07.2021 – vn/MK

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