Sport-Streaming-Anbieter DAZN setzt auf weltweite Expansion

30.03.2020 •

Der Streaming-Anbieter DAZN hat angekündigt, im Lauf dieses Jahres sein Angebot mit Sportübertragungen weltweit verfügbar machen zu wollen. DAZN werde dann „in über 200 und damit einem Großteil aller Länder und Regionen auf der Welt“ präsent sein, teilte das Unternehmen am 2. März mit. DAZN startete im August 2016 mit einem auf Deutschland ausgerichteten Angebot, das seitdem auch in Österreich und der Schweiz vermarktet wird (vgl. MK-Meldung). Außerdem erfolgte damals der Start in Japan. Es folgten Kanada (2017), Italien und die USA (beide 2018) sowie Spanien und Brasilien (beide 2019), so dass DAZN aktuell in insgesamt neun Ländern verfügbar ist.

Der Sportstreaming-Anbieter wird von der in London ansässigen DAZN Group betrieben, die mehrheitlich im Besitz der Investmentgesellschaft Access Industries ist. Hinter Access Industries – wozu aus dem Medien- und Unterhaltungssektor unter anderem die Warner Music Group und der Musikstreaming-Anbieter Deezer gehören – steht der russischstämmige US-Milliardär Leonard Blavatnik. Im Jahr 2018 stieg der japanische Werbekonzern Dentsu bei der DAZN Group mit einem kleineren Anteil ein und brachte dem Unternehmen zusätzliches Kapital, um die Expansion in weitere Märkte und den Kauf von Sportübertragungsrechten zu finanzieren.

In den vergangenen Jahren dürfte DAZN jährlich dreistellige Millionenbeträge in den Auf- und Ausbau seines Streaming-Angebots investiert haben. Konkrete Zahlen dazu wie auch die Anzahl seiner Abonnenten gibt das Unternehmen nicht bekannt. Medienberichten zufolge hat DAZN aktuell infolge der Coronakrise mit hohen Abo-Kündigungen zu kämpfen. Davon machen demnach Kunden aufgrund ihrer monatlichen Kündigungsmöglichkeit verstärkt Gebrauch, da aktuell kaum noch Sportveranstaltungen stattfinden, die DAZN übertragen kann.

Boxen als Zugpferd

Ursprünglich war geplant, dass DAZN den für den 2. Mai geplanten nächsten Kampf des mexikanischen Box-Superstars Saúl „Canelo“ Álvarez weltweit über seine Plattform überträgt. Wegen der sich ausbreitenden Corona-Pandemie soll US-Medienberichten zufolge der Kampf, der eigentlich im Mai in Las Vegas hätten stattfinden sollen, nun aber in den Sommer verschoben werden. Als Gegner von Álvarez wurde der britische Boxer Billy Joe Saunders auserkoren. Der 29-jährige Álvarez ist der bestbezahlte Boxer der Welt, er ist aktueller WBA-Weltmeister im Supermittelgewicht und WBO-Weltmeister im Halbschwergewicht. Der 30-jährige Saunders ist aktueller WBO-Weltmeister im Supermittelgewicht.

Im Jahr 2018 hat DAZN mit dem in Los Angeles ansässigen Unternehmen Golden Boy Promotions, das Álvarez vermarktet, einen über fünf Jahre laufenden Vertrag abgeschlossen, der unter anderem vorsieht, dass DAZN die nächsten elf Boxkämpfe des Mexikaners exklusiv überträgt. Damaligen Medienberichten zufolge soll dieser Vertrag mit insgesamt 365 Mio Dollar dotiert sein; DAZN sprach seinerzeit davon, die Vereinbarung mit Álvarez sei „der höchstdotierte Vertrag für einen Sportler in der Sportgeschichte“ (das US-Wirtschaftsmagazin „Forbes“ schätzt indes, dass der für den FC Barcelona spielende argentinische Fußballer Lionel Messi der bestbezahlte Sportler der Welt ist).

Laut DAZN wird in der ersten Phase der globalen Expansion das Angebot in den neu hinzukommenden Märkten als englischsprachiger Dienst nutzbar sein, der sich auf das Boxen als primäre Sportart konzentriere. Boxen soll also gewissermaßen das Zugpferd sein. Neben dem Vertrag mit Golden Boy Promotions hat DAZN in den vergangenen Jahren Rechteverträge mit weiteren hochkarätigen Boxsport-Vermarktern abgeschlossen, darunter Matchroom Boxing USA und GGG Promotions. „Die bei uns kämpfenden Boxer gehören zu den beliebtesten der Welt. Wir werden gemeinsam mit ihnen in den kommenden Jahren zahlreiche spektakuläre Events für alle Boxfans weltweit gestalten“, erklärte John Skipper, der Vorstandsvorsitzende der DAZN Group. Abzuwarten bleibt nun, wie sich die Coronakrise auf die Expansionspläne von DAZN auswirkt.

Fußball-Bundesliga im Blick

Zuständig für die angekündigte weltweite Expansion von DAZN ist Joseph Markowski, der bei dem Unternehmen als Executive Vice President das Nordamerika-Geschäft verantwortet. Das DAZN-Angebot wird auch in den Ländern, in denen es künftig verfügbar sein wird, via App über zahlreiche Geräte mit Internet-Anschluss abrufbar sein, darunter alle gängigen Smartphones, Tablets, Laptops, Computer, Smart-TV-Geräte, Streaming-Sticks und Spielekonsolen. Wie teuer DAZN in den einzelnen hinzukommenden Ländern sein wird, will das Unternehmen in den nächsten Wochen bekannt geben.

In Deutschland kostet ein DAZN-Abonnement pro Monat 11,99 Euro (bei monatlicher Kündigungsmöglichkeit). Der Abopreis war im August 2019 von zuvor 9,99 auf 11,99 Euro deutlich erhöht worden, nicht zuletzt weil DAZN damals – also zur Saison 2019/20 – von Eurosport Übertragungsrechte an der Fußball-Bundesliga übernahm (vgl. MK-Meldung). Seither zeigt DAZN jeweils die 30 Erstliga-Begegnungen am Freitagabend und die jeweils fünf Partien, die am Sonntagmittag und Montagabend stattfinden (noch bis zum Ende der Spielzeit 2020/21). Im Zuge des Rechtedeals zwischen DAZN und Eurosport (über eine Sublizenzierung) führte der Streaming-Anbieter auch ein Jahresabonnent ein, das 111,99 Euro kostet, umgerechnet also 10 Euro monatlich. Bei der bevorstehenden Vergabe der Bundesliga-Rechte für den neuen Rechtezeitraum ab August 2021 wird DAZN – dies gilt als sicher – mit zu den Bietern gehören. Das Unternehmen dürfte im Blick haben, dass mindestens der bisherige Rechteumfang auch künftig erhalten bleibt (vgl. zum Thema diese MK-Meldung).

Im Fußball überträgt DAZN beispielsweise bis zum Ende der Spielzeit 2020/21 auch ausgewählte Begegnungen der Champions League und alle Partien der Europa League. Ab der Saison 2021/22 werden es dann nur noch Begegnungen der Champions League sein; die Live-Übertragungen an der Europa League sicherte sich für die neue Rechteperiode die RTL-Gruppe (vgl. MK-Meldung). Zu sehen gibt es bei DAZN außerdem Spiele der Fußball-Ligen in Italien, Spanien und Frankreich, des weiteren Begegnungen der amerikanischen Football-Liga NFL und der Basketball-Liga NBA. Überdies hat DAZN Übertragungen von Sportarten wie Radrennen, Tennis, Handball und Darts im Angebot.

30.03.2020 – vn/MK

Print-Ausgabe 10/2020

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