Rundfunkrat des Saarländischen Rundfunks startet Verfahren zur Intendantenwahl

28.10.2020 •

Beim Saarländischen Rundfunk (SR) in Saarbrücken ist das Verfahren zur Intendantenwahl gestartet worden. Zu deren Vorbereitung hat der SR-Rundfunkrat einen Wahlvorbereitungsausschuss eingesetzt. Ein solches Gremium einzusetzen, hatte der 39-köpfige Rundfunkrat in seiner Sitzung am 5. Oktober beschlossen, wie der SR mitteilte.

Dem Wahlvorbereitungsausschuss gehören insgesamt sieben Mitglieder an. Dabei handelt es sich um folgende Personen: Gisela Rink (CDU, Rundfunkratsvorsitzende), Thorsten Schmidt (stellvertretender Rundfunkratsvorsitzender), Michael Burkert (SPD, Vorsitzender des SR-Verwaltungsrats), Karl Rauber (CDU, stellvertretender Verwaltungsratsvorsitzender), Armin Lang (Vorsitzender des Finanzausschusses des Rundfunkrats), Wolfgang Bach (Vorsitzender des Rechtsausschusses des Rundfunkrats) und Jule Mole (Vorsitzende des Telemedienausschusses des Rundfunkrats).

Das Intendantenamt beim Saarländischen Rundfunk muss neu besetzt werden, dafür ist der Rundfunkrat zuständig. Das Gremium, dem Vertreter aus Politik, Wirtschaft, Gesellschaft, Kultur und dem Kirchenbereich angehören, wählt den Intendanten für die Dauer von sechs Jahren. Der seit Juli 2011 amtierende SR-Intendant Thomas Kleist hatte im September angekündigt, auf eigenen Wunsch vorzeitig die Leitung des Senders abzugeben (vgl. MK-Meldung). Er wolle Ende April 2021 aus dem Amt scheiden, erklärte Kleist. Im Juli 2016 war er vom SR-Rundfunkrat für eine zweite sechsjährige Amtsperiode wiedergewählt worden, die Anfang Juli 2017 begann (vgl. MK-Meldung). Kleist, der im Dezember 65 Jahre alt wird, verkürzt seine zweite Amtszeit, die noch bis Ende Juni 2023 gelaufen wäre, also um rund zwei Jahre.

Gibt es eine öffentliche Ausschreibung?

Der nun vom Rundfunkrat eingesetzte Wahlvorbereitungsausschuss hat vier Aufgaben, wie es in der Pressemitteilung des SR heißt. Zunächst muss der Ausschuss klären, „ob und in welcher Form zur Bewerbung aufgefordert wird“. Sprich: Soll es eine öffentliche Ausschreibung der Stelle geben oder nicht. Denkbar wäre auch, darauf abzustellen, dass die Rundfunkratsmitglieder Kandidaten für das Intendantenamt vorschlagen können. Im saarländischen Mediengesetz, das die Rechtsgrundlage für den SR ist, gibt es keine Vorgaben für das Procedere zur Suche nach Kandidaten für das Intendantenamt.

Der Wahlvorbereitungsausschuss soll zweitens einen zeitlichen Rahmen für die Intendantenwahl vorlegen. In der nächsten Sitzung des SR-Rundfunkrats, die für den 7. Dezember angesetzt ist, dürfte dann entschieden werden, wie nach Kandidaten für das Intendantenamt gesucht wird und wie sich der Zeitplan für das Wahlverfahren gestaltet Die weiteren Aufgaben des Wahlvorbereitungsausschusses sind dann drittens, „vorbereitende Gespräche mit den sich bewerbenden Personen“ zu führen, und schließlich viertens, „im Rahmen einer Vorauswahl einen Vorschlag für die im Rundfunkrat durchzuführende Intendantenwahl“ zu machen.

Um zum Intendanten des Saarländischen Rundfunks gewählt zu werden, ist im Rundfunkrat eine Zwei-Drittel-Mehrheit der abgegebenen Stimmen nötig. Wird diese in sechs Wahlgängen nicht erreicht, ist anschließend in einem siebten Wahlgang die einfache Mehrheit ausreichend. Im Jahr 2011 war Thomas Kleist erst im siebten Wahlgang zum SR-Intendanten gewählt worden. Mit einer Stimme Vorsprung konnte sich Kleist damals gegen den weiteren Kandidaten, den damaligen Arte-Programmdirektor Christoph Hauser, durchsetzen (vgl. FK-Heft Nr. 15‑16/11).

Wer hausinterne Kandidaten sein könnten

Bisher sind noch keinen Namen bekannt, die für das Intendantenamt beim SR gehandelt werden. Für die Position kämen sicherlich auch Führungskräfte aus dem Sender selbst in Frage, darunter beispielsweise Armgard Müller-Adams und Martin Grasmück. Müller-Adams, 47, ist seit Oktober 2019 Chefredakteurin des Saarländischen Rundfunks (vgl. MK-Meldung). Sie volontierte beim SR und war anschließend zehn Jahre lang für verschiedene Redaktionen des Senders journalistisch tätig, bevor sie Referentin von Intendant Thomas Kleist wurde. Ab Mai 2015 war sie dann Leiterin der Intendanz der zweitkleinsten ARD-Landesrundfunkanstalt.

Grasmück, 50, ist seit Mai 2015 beim Sender Hörfunkdirektor und Programmbereichsleiter ‘SR 1 und Junge Angebote’. Außerdem ist er stellvertretender SR-Programmdirektor. Grasmück hat ebenfalls beim Saarländischen Rundfunk volontiert, arbeitete in der Folge für den Sender journalistisch und wurde später Referent des damaligen SR-Intendanten Fritz Raff, der ihn dann zum Leiter der Intendanz ernannte. Das Amt übernahm Grasmück im Januar 2008. Auch unter Intendant Kleist hatte Grasmück diese Position inne, bis er im Jahr 2014 zum künftigen Hörfunkdirektor berufen wurde (vgl. FK-Heft Nr. 49/14).

Beim Saarländischen Rundfunk muss nicht nur das Intendantenamt neu besetzt werden, sondern auch die Nachfolge für die ausscheidende Verwaltungs- und Betriebsdirektorin Stephanie Weber geregelt werden. Sie hat diesen Posten seit Januar 2017 inne. Die 48-jährige Juristin wechselt zum 1. Januar 2021 zum Hessischen Rundfunk (HR) nach Frankfurt. Dort wird sie Betriebsdirektorin und folgt Berthold Tritschler nach, der Ende 2020 in den Ruhestand geht. Dem Vorschlag von HR-Intendant Manfred Krupp, Weber zur neuen Betriebsdirektorin des Senders zu berufen, stimmte der HR-Verwaltungsrat in seiner Sitzung am 25. September zu.

Nach jetzigem Stand der Dinge wird beim SR der scheidende Intendant Kleist dem Verwaltungsrat keinen Vorschlag mehr für eine reguläre Nachbesetzung der Verwaltungs- und Betriebsdirektorenposition unterbreiten. Das erklärte die SR-Pressestelle auf MK-Nachfrage. Gemäß der Satzung der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalt benötigt der Intendant für die Berufung der Direktoren und weiterer Führungskräfte die Zustimmung des SR-Verwaltungsrats. Vorgesehen sei aktuell, dass Kleist die Leitung der Betriebs- und Verwaltungsdirektion zum 1. Januar 2021 mit einer kommissarischen Besetzung interimsweise regele, hieß es weiter. Hierüber wolle Kleist mit dem Verwaltungsrat in dessen nächster Sitzung am 3. November beraten.

28.10.2020 – Volker Nünning/MK

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