RTL-Gruppe hat mit Voxup neuen Spartenfernsehsender gestartet

12.12.2019 •

Die in Köln ansässige RTL-Gruppe hat am 1. Dezember mit Voxup einen neuen frei empfangbaren Spartenfernsehkanal gestartet. Das Programm ist als Ableger (Spin-off) des Fernsehsenders Vox konzipiert und richtet sich vor allem an Frauen ab 30 Jahren. Zu sehen gibt es bei Voxup größtenteils Wiederholungen von bei Vox bereits ausgestrahlten Eigenformaten (etwa „Das perfekte Dinner“ und „Shopping Queen“) und US-Serien (u.a. „Ally McBeal“, „Rizzoli & Isles“, „Chicago Fire“). In der Primetime des neuen Programms laufen beispielsweise sonntags mehrere Folgen von „Ally McBeal“ nacheinander, montagsabends sind mehrere Episoden von „Rizzoli & Isles“ zu sehen und donnerstagsabends gibt es dann „Chicago Fire“ am Stück.

Hinzu kommen eigenproduzierte neue Sendungen wie die Doku-Soaps „Mein Traumhaus am Meer“ und „Ein Baby zieht um“. Die wiederum werden zuerst bei Voxup gesendet, bevor sie zu einem späteren Zeitpunkt auch bei Vox laufen. Außerdem gibt es bei Voxup künftig Serien, die dann erstmals im frei empfangbaren linearen Fernsehen zu sehen sind. Dazu gehört etwa die US-Thrillerserie „Die Wahrheit über den Fall Harry Quebert“, die auf dem gleichnamigen Bestseller von Joël Dicker basiert. Die zehn Folgen der Serie sind bisher nur kostenpflichtig über TV Now abrufbar, die Videoplattform der RTL-Gruppe.

Zielgruppe: Frauen ab 30 Jahren

Ende 2018 wurde TV Now von der zum Bertelsmann-Konzern gehörenden Unternehmensgruppe deutlich ausgebaut. Neben einem kostenfrei zugänglichen Bereich gibt es seither zwei Bezahlpakete: Das eine umfasst die Livestreams der Programme, die zur RTL-Gruppe gehören (Abo-Preis von „Live only“: monatlich 2,99 Euro), beim anderen handelt es sich um das „Premium“-Angebot, das neben dem Empfang der Programme in hochauflösender Qualität zusätzlich unter anderem Zugang zu Serien-Premieren bietet (4,99 Euro), darunter auch die vom Österreichischen Rundfunk (ORF) und RTL in Auftrag gegebene Eigenproduktion „M – Eine Stadt sucht einen Mörder“ (vgl. MK-Kritik). Am 3. Dezember gab die RTL-Gruppe bekannt, „TV Now mit noch mehr Originals und Exklusiv-Premieren in Kombination mit dem breitgefächerten Portfolio aus neun Free-TV-Sendern der Mediengruppe RTL zum vollumfänglichen Streaming-Dienst“ ausbauen zu wollen. Geleitet wird TV Now nun gemeinsam von Henning Tewes, 47, und Henning Nieslony, 34.

Der neue Sender Voxup ist jetzt nicht nur über die TV-Now-Plattform zu empfangen, sondern auch über das Astra-Satellitensystem und im Kabelnetz von Vodafone und Unitymedia (seit Juli 2019 ist Unitymedia Teil des Vodafone-Konzerns). Zu sehen ist Voxup zudem über Magenta TV, die IPTV-Plattform der Deutschen Telekom. Die rundfunkrechtliche Zulassung des neuen Senders stammt von der in Düsseldorf ansässigen Landesanstalt für Medien Nordrhein-Westfalen (LfM). Am 19. November stimmte die Kommission für Zulassung und Aufsicht der Landesmedienanstalten (ZAK) der Lizenzierung von Voxup zu. Bereits im Oktober hatte die Kommission zur Ermittlung der Konzentration im Medienbereich (KEK) grünes Licht gegeben.

Auch wenn diverse Medienunternehmen gerade ihre Streaming-Aktivitäten massiv ausbauen, ist man sich bei der RTL-Gruppe vom Erfolg eines weiteren linearen Fernsehsenders überzeugt: „Wie innovativ und begeisternd Fernsehen gerade auch für ein jüngeres Publikum sein kann, zeigt Vox wie kein anderer Sender in Deutschland nun schon seit Jahren“, erklärte Stephan Schäfer, der bei der RTL-Gruppe als Geschäftsführer für den Bereich ‘Inhalte & Marken’ zuständig ist. „Diese Erfolgsgeschichte möchten wir“, so Schäfer im Jubelton, „mit Voxup nun erweitern. Wir sind überzeugt: Es ist die richtige Zeit für einen neuen Fernsehsender.“

Neues Modell bei der Werbevermarktung

Die RTL-Gruppe setzt bei Voxup jetzt auf ein neues Werbevermarktungsmodell, das heißt, bei Voxup und bei Vox werden die Reklameblöcke zum selben Zeitpunkt ins Programm genommen, wobei die Blöcke dann auch dieselben Werbespots enthalten. Erstmals im deutschen TV-Markt würden damit, wie die RTL-Gruppe mitteilte, „die Werbeinseln eines linearen Senders mit einem weiteren linearen Sender konsequent gekoppelt“. Umgesetzt wird das neue Werbemodell bei Vox und Voxup von der ‘Ad Alliance’, die vor allem Werbeplätze in zu Bertelsmann gehörenden Medienunternehmen vermarktet. Zur ‘Ad Alliance’ gehören der RTL-Werbevermarkter IP Deutschland, die G+J Electronic Media Sales GmbH, die Vermarktungsunternehmen Smartclip (RTL-Gruppe) und Spiegel Media sowie Media Impact, die gemeinsame Vermarktungsorganisation des Springer-Konzerns und der Funke-Mediengruppe.

Senderchef von Voxup ist Oliver Schablitzki. Der 49-Jährige ist bei der RTL-Gruppe als Executive Vice President bereits für die Spartenkanäle Nitro und RTL plus verantwortlich. Nitro und RTL plus waren die beiden letzten größeren Fernsehkanäle, die die Sendergruppe gestartet hatte. Nitro ging im April 2012, damals noch unter dem Namen RTL Nitro, auf Sendung und richtet sich an eine männliche Zielgruppe. RTL plus startete im Juni 2016 und hat Frauen zwischen 40 und 64 Jahren als Zielgruppe im Blick. Im März 2018 nahm die RTL-Gruppe mit Now US zuletzt einen Sender in Betrieb; das Programm (Sendezeit: 20.15 bis 6.00 Uhr) ist ausschließlich über die TV-Now-Plattform zu empfangen. Im April 2019 erfolgte die Umbenennung in Now!. Der Grund: In dem Programm werden inzwischen nicht mehr nur US-Produktionen, sondern auch europäische bzw. internationale Produktionen gesendet.

Zur deutschen RTL-Gruppe gehören neben dem Hauptprogramm RTL, der TV-Now-Plattform und den Sendern Vox, Voxup, Nitro, RTL plus und Now! noch der Nachrichtenkanal n-tv und die Beteiligungen an den Programmen Super RTL, Toggo plus und RTL 2 sowie die vier Pay-TV-Kanäle RTL Crime, RTL Living, Passion und Geo Television. Chef der Unternehmensgruppe ist seit Januar 2019 Bernd Reichart; der 45-Jährige, der Anke Schäferkordt nachfolgte, war zuvor Vox-Geschäftsführer (vgl. MK-Meldung).

12.12.2019 – vn/MK