RBB startet im Herbst 2021 crossmediales News‑Center

30.05.2021 •

Der Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB) will im Herbst ein crossmediales News-Center in Betrieb nehmen. „Das ist ein wichtiger Zwischenschritt, mit dem wir den RBB schon kurzfristig im Digitalen stärken“, erklärte RBB-Intendantin Patricia Schlesinger am 19. April auf der Jahrespressekonferenz des öffentlich-rechtlichen Senders. Ziel sei es, so Schlesinger weiter, „den crossmedialen Austausch zwischen allen Gewerken zu perfektionieren“. In dem News-Center sollen Mitarbeiter aus Redaktion, Produktion und Herstellung gemeinsam an Nachrichten und Beiträgen fürs Netz, Radio und Fernsehen arbeiten. Bisher räumlich getrennt arbeitende Bereiche werden künftig im News-Center zusammengefasst sein.

Angesiedelt wird das crossmediale News-Center auf dem RBB-Gelände in Berlin, und zwar in dessen Fernsehzentrum auf den Etagen 6 und 7. Die beiden Etagen mit insgesamt rund 2400 Quadratmetern werden dafür komplett umgebaut. Laut RBB-Mitteilung wird es im News-Center bis zu 170 Arbeitsplätze geben. Neben Besprechungsräumen und sogenannten Lounges sind auch „sechs Produktionskabinen, mehrere multifunktionale Schnitt- und Grafikarbeitsplätze sowie ein ‘Smartes Studio’ vorgesehen. Unterschiedliche Nachrichtenformate ließen sich dadurch, so der RBB, „hoch automatisiert für alle Verbreitungswege produzieren, von linear über non-linear bis hin zu Inhalten für Social-Media-Plattformen“.

Neubau eines „Digitalen Medienhauses“

Neben dem neuen crossmedialen News-Center wird der RBB auf seinem Sendergelände in Berlin außerdem ein neues Gebäude errichten, das sogenannte „Digitale Medienhaus“. Im August 2020 hatte die RBB-Geschäftsleitung beschlossen, den Neubau mit vier Stockwerken auf Basis der Pläne des Büros ‘Baumschlager Eberle Architekten’ umzusetzen (vgl. MK-Meldung). Das Gebäude wird crossmediale Arbeits- und Produktionsprozesse unter einem Dach auf einer Fläche von rund 13.000 Quadratmetern ermöglichen. Bestandteil ist auch ein großer Newsroom, den Intendantin Schlesinger als „journalistisches Herzstück“ des Medienhauses bezeichnet. Angestrebt wird, das digitale Medienhaus im Jahr 2025 in Betrieb zu nehmen. Die Baukosten, die der RBB durch Rücklagen und Kredite finanzieren will, dürften im mittleren zweistelligen Millionenbereich liegen.

RBB-Programmdirektor Jan Schulte-Kellinghaus verwies bei der Pressekonferenz auf Änderungen beim Dritten Programm RBB Fernsehen. Eines der zentralen Projekte sei hier die Erneuerung des Vorabendprogramms für die Sendestrecke von 18.00 bis 19.30 Uhr zum 1. Januar 2022: „Wir werden den neuen Vorabend komplett live aus Potsdam senden. Die inhaltlichen Vorarbeiten haben begonnen, wir freuen uns auf einen Dreiklang aus Nachrichten mit Sport, einer Ratgebersendung und einem Talk.“ Im Anschluss daran beginnen dann um 19.30 Uhr die beiden halbstündigen Regionalmagazine „Brandenburg aktuell“ aus Potsdam und „Abendschau“ aus Berlin.

Ab Januar 2022 wird es werktags im RBB Fernsehen um 18.00 Uhr zunächst eine 15-minütige Nachrichtenausgabe von „RBB 24“ mit einem festen Sportblock geben. Anschließend folgt „ein neu konzipiertes, crossmediales Ratgeber-Format“ mit einer Länge von 30 Minuten. Dabei geht es an den Tagen von Montag bis Donnerstag um die Themen „Verbraucher“, „Tiere“, „Gesundheit“ und „Garten“. Freitags besteht die neue Sendung aus „Wochenend- und Ausflugstipps für die Region“. Die einzelnen Sendungen werden von der neu errichteten Einheit ‘Service im RBB’ erstellt; eingebunden werden dabei unter anderem die Redaktionen der Radioprogramme RBB 88.8 (Berlin) und Antenne Brandenburg. In der Zeit von 18.45 bis 19.30 Uhr schließt sich ein „ebenfalls live produzierter, regionaler Talk“ an. Hier sollen, wie es hieß, „prominente und interessante Menschen aus Berlin und Branden­burg“ Rede und Antwort stehen.

Vorabend-Reform beim RBB Fernsehen

Mit der Neukonzeption des Vorabendprogramms beim RBB Fernsehen soll das lineare TV-Programm auch mit digitalen Formaten und dem Hörfunk verzahnt werden. Zunutze machen will sich der RBB dabei die neue Organisation in sogenannten Contentboxen. Insgesamt vier solcher Contentboxen hat der Sender eingerichtet (für die Bereiche Information, Gesellschaft, Sport und Kultur), in denen medienübergreifend Inhalte erstellt werden. In den Contentboxen arbeiten laut Schulte-Kellinghaus „redaktionelle Experten, Mediengestalter, Zielgruppen- und Distributionsmanager“ Hand in Hand. Das neue Vorabendprogramm im RBB Fernsehen werde, wie der Programmdirektor bereits im Februar erklärt hatte, „fachlich fundierter“ sein und es lasse sich „deutlich günstiger produzieren“.

Die Reform beim Vorabendprogramm führt dazu, dass die beiden bisher zwischen 18.00 und 19.30 Uhr im RBB Fernsehen ausgestrahlten Sendungen „RBB um 6 – Das Ländermagazin“ und „Zuhause in Berlin & Brandenburg“ (ZIBB) Ende 2021 eingestellt werden. Von der Einstellung der beiden Sendungen sind 75 freie Mitarbeiter betroffen, deren Verträge gekündigt wurden. Den Großteil dieser Mitarbeiter wird der RBB nach eigenen Angaben an anderer Stelle einsetzen. Lediglich für weniger als zehn Mitarbeiter gebe es bisher noch keine Perspektive beim RBB, hieß es weiter.

Im Rahmen des Pressegesprächs ging der neue RBB-Chefredakteur David Biesinger auch auf den Ausbau der Regionalkorrespondenten in Brandenburg ein. Zusätzlich zum RBB-Standort in Potsdam und den Studios in Frankfurt an der Oder und in Cottbus wird die Rundfunkanstalt in Brandenburg künftig mit weiteren 14 Regionalkorrespondenten vertreten sein. Es wurden insgesamt sieben Berichterstattungsgebiete definiert, in denen jeweils zwei Reporter tätig sein werden. Biesinger dazu: „Sie arbeiten mobil und können ihre Bilder, Töne, Stücke und Schalten von vor Ort in die Redaktionen überspielen. Der RBB profitiert doppelt: Wir gewinnen zusätzliche regionale Kompetenz und sind näher am Alltag der Menschen im Land.“ Der 46-jährige Biesinger hat am 1. April 2021 in der Nachfolge von Christoph Singelnstein, der in den Ruhestand ging, die Chefredakteursposition beim RBB übernommen, auf die er Ende November 2020 berufen wurde (vgl. MK-Meldung). Biesinger ist als Chefredakteur auch Leiter der Contentbox für den Bereich Information. Singelnstein ist für den RBB weiterhin als Berater tätig.

30.05.2021 – vn/MK

Print-Ausgabe 19-20/2021

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