Radiomarkt Hamburg: Energy verliert UKW‑Frequenz an Flux FM

03.12.2019 •

Im Jahr 1995 nahm in Hamburg das Radioprogramm Energy seinen Sendebetrieb auf. Seitdem ist das Programm, dessen Zielgruppe die 14- bis 29-Jährigen sind, in der Großstadt über UKW zu hören. Doch Ende Juli 2020 und damit nach rund 25 Jahren ist damit Schluss. Dann kann Energy in Hamburg nicht mehr über UKW senden. Das hat nun die Medienanstalt Hamburg-Schleswig-Holstein (MA-HSH) entschieden. Der Medienrat der MA-HSH vergab am 6. November die bislang von Energy Hamburg genutzte UKW-Frequenz 97,1 MHz ab Anfang August 2020 an Flux FM, wie die Aufsichtsbehörde bekannt gab.

Der Beschluss zu Flux FM ist eine von insgesamt fünf aktuellen Frequenzentscheidungen der MA-HSH (Sitz: Norderstedt). Im Februar 2019 hatte die Medienanstalt einen großen Teil des UKW-Spektrums in Hamburg neu ausgeschrieben. Dabei handelte es sich um die Versorgungsgebiete, in denen neben Energy Hamburg noch Radio Hamburg, Rock Antenne Hamburg, 917xFM und Hamburg 2 verbreitet werden. Mit einem Teil der Frequenzen werden auch Gebiete von Niedersachsen und Schleswig-Holstein erreicht. Die bestehenden UKW-Frequenzen für die genannten privaten Hörfunkprogramme konnten nicht ein weiteres Mal verlängert werden, sondern mussten aufgrund der Vorgaben des Medienstaatsvertrags zwischen Hamburg und Schleswig-Holstein neu ausgeschrieben werden.

Vergabeverfahren der MA-HSH

Flux FM mit Sitz in Berlin erhielt vom MA-HSH-Medienrat den Zuschlag, ab August 2020 sein Programm in Hamburg über UKW zehn Jahre lang ausstrahlen zu können. Der Sender, entstanden 2011 aus dem Vorläuferprogramm Motor FM, will nach eigener Darstellung mit Musik und Themen wie Popkultur, Netzkultur und urbanes Leben vor allem „Kreative, Macher, Meinungsführer und Multiplikatoren“ erreichen. Empfangbar ist das Programm online und via App. In Berlin und Teilen Brandenburgs gibt es auch eine UKW-Verbreitung. Eine Zeitlang war Flux FM in Bremen (bis Februar 2015) und in Stuttgart (bis Dezember 2015) auch über UKW zu hören.

Flux FM wird von der Plattform für regionale Musikwirtschaft GmbH betrieben, die vollständig der M2M Verwaltungsgesellschaft gehört. An dieser Firma sind die beiden Flux-FM-Geschäftsführer Mona Rübsamen und Markus Kühn mit je 16 Prozent beteiligt. Mehrheitsgesellschafter ist Udo-Ernst Grossmann. Der Unternehmer aus dem Rhein-Main-Gebiet hält direkt und indirekt (zusammen mit weiteren Familienangehörigen) insgesamt 61 Prozent der Anteile an M2M.

Die Entscheidung der MA-HSH, die UKW-Frequenz 97,1 an Flux FM zu vergeben und Energy Hamburg nicht mehr zu berücksichtigen, ist eine Überraschung – und zugleich ein herber Schlag für das Energy-Programm, dessen Hörerzahlen zuletzt bereits deutlich gesunken waren. Laut der Media-Analyse Radio (MA 2019/II) erreicht Energy Hamburg in der Stadt aktuell 13.000 Hörer pro durchschnittliche Werbestunde, die für werbefinanzierte Hörfunksender relevante Bezugsgröße. Gegenüber der vorangegangenen Erhebung (MA 2019/I) belief sich der Verlust auf 5000 Hörer (minus 27,8 Prozent). In Norddeutschland insgesamt hat Energy Hamburg zur Zeit pro Werbestunde 25.000 Hörer (minus 9000).

Energy Hamburg ist eine von insgesamt sechs lokalen Energy-Stationen in Deutschland (außerdem in Berlin, Bremen, München, Nürnberg und Stuttgart). Hinzu kommen noch das Regionalprogramm Energy Sachsen und das bundesweite, über DAB plus verbreitete Energy-Programm. Die Energy-Sender gehören zur börsennotierten NRJ Group, die ihren Sitz in Paris hat. Mehrheitsaktionär ist der französische Unternehmer Jean-Paul Baudecroux, der im Jahr 1981 NRJ (= Nouvelle Radio Jeunesse, übersetzt: Neues Jugendradio) gegründet hatte. Heute ist NRJ in insgesamt 18 Ländern aktiv (inklusive Frankreich).

Energy prüft Rechtsmittel

Dass sich die MA-HSH gegen Energy Hamburg ausgesprochen hat, stößt bei Olaf Hopp, Geschäftsführer von Energy Deutschland, auf deutliche Kritik: „Diese Entscheidung nimmt dem Hamburger Hörfunkmarkt nicht nur sein einziges privates Hit-Jugendradio, sondern schwächt auch den Medienstandort Hamburg und stellt seine Investitionssicherheit in Frage“, erklärte Hopp laut einer Pressemitteilung des Unternehmens. Der Beschluss sei „umso unverständlicher, da wir sämtliche von der Medienanstalt Hamburg/Schleswig-Holstein gestellten Anforderungen in vollem Umfang erfüllen. Wir werden nun die Begründung abwarten und danach entscheiden, ob wir Rechtsmittel einlegen.“

Flux FM ist nicht das einzige Programm das künftig neu in Hamburg über UKW zu hören sein wird. Auch Byte FM erhielt dort UKW-Kapazitäten, und zwar ab April 2022 ebenfalls für die Dauer von zehn Jahren. Der Sender konnte sich gegen fünf Mitbewerber durchsetzen, darunter 917xFM, Ego FM, Radio Teddy und das geplante Programm Hamburg FM der Klambt-Mediengruppe. 917xFM ist aktuell in Hamburg über UKW zu hören. Der Sender ist das Schwesterprogramm von Rock Antenne Hamburg. Laut dem „Hamburger Abendblatt“ kann 917xFM den Beschluss der MA-HSH nicht nachvollziehen. Nach Prüfung der Begründung will der Sender über weitere Schritte entscheiden. 917xFM und Rock Antenne Hamburg werden vom Unternehmen Rock Antenne Hamburg veranstaltet, das seit Juni 2019 der in Oldenburg ansässigen NWZ-Mediengruppe und dem bayerischen Sender Rock Antenne zu jeweils 49 Prozent gehört. Rock Antenne ist eine Tochtergesellschaft von Antenne Bayern. Die übrigen 2 Prozent hält der Medienunternehmer Frank Otto.

Byte FM wurde im Januar 2008 gestartet und ist seitdem über das Internet zu empfangen. Das Webradio, dessen Redaktion in Hamburg und in Berlin angesiedelt ist, setzt auf ein „moderiertes Musikradio“ und versteht sich als „ein unabhängiges Programm fernab vom Mainstream“. Bei Byte FM gibt es keine Werbespots; die Finanzierung läuft über Mitgliedsbeiträge des Fördervereins „Freunde von Byte FM“. Gründer und Geschäftsführer von Byte FM ist Ruben Jonas Schnell (vgl. auch MK-Meldung).

Meinungsvielfalt und Angebotsvielfalt

Bei den drei übrigen Vergabeverfahren wurden vom Medienrat der MA-HSH jeweils die Programme erneut ausgewählt, die bereits aktuell die UKW-Frequenzen nutzen. Das heißt, Radio Hamburg, der Hörfunk-Marktführer in der Hansestadt, an dem der Springer-Konzern, die RTL-Gruppe und der Bauer-Verlag beteiligt sind, sowie Hamburg 2 (früher Oldie 95) und Rock Antenne Hamburg (hervorgegangen aus Alsterradio) bleiben auch künftig über UKW empfangbar. Die neuen Zuweisungen gelten jeweils für zehn Jahre und beginnen im Jahr 2022. Während Radio Hamburg und Rock Antenne Hamburg keine Mitbewerber hatten, konnte sich Hamburg 2 gegen die Konkurrenten Metropol FM und Radio Paradiso durchsetzen. Hamburg 2 ist seit 1988 in der Stadt auf Sendung (damals wurde das Programm unter dem Namen OK Radio gestartet) und gehört heute mehrheitlich Frank Otto.

Bei den drei Vergabeverfahren, in denen der Medienrat der MA-HSH eine Auswahl treffen musste, teilte die Medienanstalt nicht mit, warum genau das jeweilige Programm den Zuschlag erhielt. Allgemein verwies die Medienanstalt in ihrer Pressemitteilung darauf, in den Auswahlverfahren habe der Sender die UKW-Kapazitäten erhalten, „der am ehesten erwarten ließ, dass sein Angebot die Meinungsvielfalt und Angebotsvielfalt fördert, das öffentliche Geschehen, die politischen Ereignisse sowie das kulturelle Leben in Hamburg darstellt und auch bedeutsame politische, weltanschauliche und gesellschaftliche Gruppen zu Wort kommen lässt“.

Der MA-HSH-Medienratsvorsitzende Lothar Hay erklärte ergänzend, der Medienrat habe sich die Entscheidung nicht leichtgemacht. Es seien „mit sehr großer Mehrheit Entscheidungen getroffen“ worden, „die ein vielfältiges Programmangebot für die Hamburger Hörerinnen und Hörer erwarten lassen“. Dem Medienrat der MA-HSH gehören insgesamt 14 Mitglieder an. Die beiden Landesparlamente in Hamburg und Schleswig-Holstein wählen jeweils sieben Personen in das Gremium. Vorsitzender des Medienrats ist seit 2012 der frühere schleswig-holsteinische SPD-Landespolitiker Lothar Hay, 69.

03.12.2019 – vn/MK

Print-Ausgabe 24/2019

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