Pro Sieben Sat 1 und Discovery gewinnen ZDF für Streaming-Plattform 7TV

03.12.2018 •

03.12.2018 • Die Pro-Sieben-Sat-1-Gruppe und der Discovery-Konzern haben für ihre gemeinsame Online-Plattform 7TV das ZDF als weiteren externen Partner gewonnen. Max Conze, Vorstandsvorsitzender der Pro Sieben Sat 1 Media SE, erklärte am 14. November, künftig würden auch das ZDF-Hauptprogramm und die beiden Sender ZDFneo und ZDFinfo über die Streaming-Plattform als Livestreams abrufbar sein. 

Conze äußerte sich diesbezüglich im Rahmen des „Capital Markets Day“, den der Medienkonzern am 14. November in seiner Unternehmenszentrale in Unterföhring bei München veranstaltete. Seit August dieses Jahres sind über 7TV – neben den Free-TV-Programmen von Pro Sieben Sat 1 und Discovery – bereits die beiden Spartenprogramme Welt und N24 Doku, die von der Axel Springer SE betrieben werden, als Livestreams nutzbar. Ebenfalls seit August wird auch der zu Constantin Medien gehörende Sender Sport 1 über die Plattform verbreitet. Außerdem ist seit September über 7TV der Kindersender Ric TV der Your Family Entertainment AG zu empfangen.

Verbreitung von ZDF-Livestreams

Im Oktober 2017 starteten die Pro-Sieben-Sat-1-Gruppe und der Discovery-Konzern ihre 7TV-Plattform, die seither von der in München ansässigen 7TV Joint Venture GmbH betrieben wird. An dem Unternehmen sind Pro Sieben Sat 1 und Discovery mit je 50 Prozent beteiligt. Das Bundeskartellamt hatte die Streaming-Kooperation der beiden Unternehmen im August 2017 genehmigt. In der Folge ermöglichten die beiden Partner die kostenfreie Nutzung ihrer Free-TV-Programme Pro Sieben, Pro Sieben Maxx, Sat 1, Sat 1 Gold, Kabel 1, Kabel 1 Doku und Sixx (jeweils Pro Sieben Sat 1) sowie DMAX, TLC und Eurosport (jeweils Discovery) über die 7TV-Plattform. Außerdem können bestimmte Sendungen dieser Programme individuell abgerufen werden.

Zum Ende des ersten Halbjahres 2019 wollen die beiden Konzerne eine deutlich ausgebaute 7TV-Plattform an den Start bringen, in die dann zusätzlich die kostenpflichtigen Streaming-Angebote Maxdome (Pro Sieben Sat 1) und Eurosport-Player (Discovery) integriert sind. Die Plattform soll dann auch einen neuen Namen erhalten. Die Erweiterung der Kooperation um Maxdome und den Eurosport-Player genehmigte das Bundeskartellamt im Juli 2018. Die Wettbewerbshüter kamen zu dem Schluss, dass auch nach der Einbindung der beiden Streaming-Angebote nicht zu erwarten sei, dass dadurch die 7TV Joint Venture GmbH eine dominante Marktposition erhalte (vgl. MK-Meldung). Die ausgebaute Plattform soll ein werbefinanziertes Basisangebot enthalten, über das die Livestreams der beteiligten Programme angeboten werden und der zeitversetzte Abruf von Sendungen möglich ist. Über kostenpflichtige Pakete sollen Filme und Serien abrufbar sein oder auch exklusive TV-Inhalte und Sportübertragungen, darunter Spiele der Fußball-Bundesliga, die bereits heute über den Eurosport-Player zu sehen sind. Das TV-Unternehmen Eurosport sicherte sich die Rechte, die ermöglichen, in den Spielzeiten 2017/18 bis 2020/21 pro Bundesliga-Saison 40 Erstliga-Spiele zu übertragen (vgl. MK-Meldung).

Ab welchem Zeitpunkt die drei ZDF-Programme über die 7TV-Plattform verfügbar sein werden, ist noch unklar. Pro-Sieben-Sat-1-Vorstandschef Conze sagte dazu in Unterföhring, dass dies sehr schnell passieren solle. Er denke, dass die Programme innerhalb eines Monats über die Plattform abrufbar sein würden. Das wäre dann spätestens ab Mitte Dezember. Das ZDF bestätigte auf Nachfrage die Kooperation mit 7TV: „Mit der Verfügbarkeit unserer Angebote bei 7TV erschließt sich für die Zuschauer eine weitere Möglichkeit, unsere Programme nutzen zu können. Das ZDF stellt seine linearen Programmangebote nach Lizenzierung der erforderlichen Rechte über Verwertungsgesellschaften grundsätzlich allen geeigneten TV-Plattformen in Deutschland zur Verfügung.“ Weitergehende Kooperationen seien bisher nicht vereinbart worden, so das ZDF.

Bisher 2,5 Mio Nutzer

In dem Umstand, dass künftig drei ZDF-Programme über die 7TV-Plattform verfügbar sind, sieht das Bundeskartellamt derzeit offenbar kein Problem: „Rechtlich ist es so, dass die Unternehmen zunächst einmal selbst einschätzen müssen, ob die Erweiterung der Plattform um Inhalte oder weitere Sender in Ordnung ist. Wir haben bislang keine erneute Prüfung vorgenommen“, erklärte das Kartellamt auf MK-Nachfrage. Im Juni hatte Pro-Sieben-Sat-1-Vorstandschef Conze den privaten Konkurrenten RTL wie auch die öffentlich-rechtlichen Sender ARD und ZDF eingeladen, sich am Aufbau der Streaming-Plattform 7TV zu beteiligen, um „gemeinsam einen deutschen Champion zu schaffen“ – nicht zuletzt auch deshalb, um so auf diesem Feld den US-amerikanischen Konzernen Netflix, Amazon (Prime Video) und Google (YouTube) Paroli bieten zu können.

Mit 7TV wolle man „die führende Streaming-Plattform für Deutschland“ werden, erklärte Conze im Juni. Ziel sei es, „in den ersten zwei Jahren zehn Millionen Nutzer zu gewinnen“. Aktuell hat 7TV insgesamt 2,5 Mio monatliche Nutzer. Den Aufbau der neuen Online-Plattform verantwortet Alexandar Vassilev. Er ist seit Anfang Februar 2018 Chief Executive Officer (CEO) und Geschäftsführer der 7TV Joint Venture GmbH. Der 34-Jährige leitet ein Team von rund 200 Experten, die für den Aufbau der neuen Plattform aus den beiden Konzernen Pro Sieben  Sat 1 undDiscovery zusammengezogen wurden.

Doch zuletzt verlor die 7TV Joint Venture GmbH eine Führungskraft. Chief Content Officer (CCO) und Mitgeschäftsführer Alexander von Woikowsky verließ das Unternehmen. Der 41-Jährige war im Jahr 2012 zur Pro-Sieben-Sat-1-Gruppe gekommen und dort in der Folge unter anderem für Maxdome zuständig. Woikowskys Aufgaben bei 7TV hat nun bis auf weiteres Alexandar Vassilev übernommen. Die COO-Position bei dem Unternehmen soll nachbesetzt werden.

03.12.2018 – vn/MK