Papst Franziskus über digitale Medien: Vernetzung vereint nicht

20.11.2020 •

Papst Franziskus hat vor schädlichen Auswirkungen der weltweiten digitalen Vernetzung gewarnt. Diese „genügt nicht, um Brücken zu bauen“, schreibt der Papst in seiner am 4. Oktober veröffentlichten Enzyklika „Fratelli tutti“. Die virtuelle Vernetzung sei „nicht in der Lage, die Menschheit zu vereinen“, konstatiert Franziskus. Das Kirchenoberhaupt widmet den neuen Medien in seinem gut 150 Seiten umfassenden Schreiben „über die Geschwisterlichkeit und die soziale Freundschaft“ einen mehrseitigen Abschnitt, wie die Katholische Nachrichten-Agentur (KNA) berichtet.

Unter der Überschrift „Die Täuschung der Kommunikation“ kritisiert der Papst, dass in der digitalen Welt „alles zu einem Schauspiel“ werde. „Das Leben wird einer ständigen Kontrolle ausgesetzt“, so Franziskus, dabei bröckele die Achtung vor den Mitmenschen, Schamgrenzen fielen, soziale Aggressivität breite sich aus. „Dies geschieht mit einer Hemmungslosigkeit, die bei einem Zusammentreffen von Angesicht zu Angesicht nicht vorkommen könnte, weil wir uns sonst am Ende gegenseitig zerfleischen würden“, schreibt der Papst in seiner Enzyklika. Zudem bestehe die Gefahr, dass Internet-Nutzer bei der Entwicklung echter zwischenmenschlicher Beziehungen behindert würden. Denn die virtuelle Nähe im Netz sei nur eine scheinbare: „Es bedarf der körperlichen Gesten, des Mienenspiels, der Momente des Schweigens, der Körpersprache und sogar des Geruchs, der zitternden Hände, des Errötens und des Schwitzens, denn all dies spricht und gehört zur menschlichen Kommunikation.“

Stattdessen, so Papst Franziskus weiter, führe die Vernetzung nicht selten zu „konsumistischer Abschottung“ und zur Bildung „zerstörerischer Hassgruppen“. Es handele sich bei den Angeboten im Internet nicht, wie manche glauben machen wollten, um Plattformen gegenseitiger Hilfe, sondern um „reine Vereinigungen gegen einen Feind“. So würden „Menschen oder Situationen, die unsere Empfindsamkeit verletzt haben oder uns unangenehm waren, heute einfach in den virtuellen Netzen eliminiert“, gibt Franziskus zu bedenken: „Auf diese Weise bilden wir einen virtuellen Kreis, der uns von der Umgebung, in der wir leben, isoliert.“ Die Enzyklika „Fratelli tutti“ – der Titel geht auf ein Zitat von Franz von Assisi zurück – wird von Papst Franziskus selbst als „Sozialenzyklika“ bezeichnet.

20.11.2020 – MK

Print-Ausgabe 17/2021

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