Neuer Arte-Präsident wird ab Januar 2021 Bruno Patino

11.11.2020 •

Neuer Präsident des deutsch-französischen Kulturkanals Arte wird am 1. Januar 2021 Bruno Patino. Der 55-jährige Franzose, der seit Juli 2020 Präsident von Arte France ist, übernimmt das Arte-Präsidentenamt dann in der Nachfolge von Peter Boudgoust. Die Arte-Mitgliederversammlung, die am 21. Oktober in Form einer Videokonferenz zusammenkam, wählte Patino gemäß den Statuten für vier Jahre zum neuen Arte-Präsidenten. Das gab der Sender in einer Pressemitteilung bekannt. Patinos Amtszeit als Präsident des in Straßburg angesiedelten deutsch-französischen Senders läuft somit vom 1. Januar 2021 bis zum 31. Dezember 2024. Bevor Patino Präsident von Arte France wurde, war er dort ab November 2015 redaktioneller Direktor („Editorial Director“). Zuvor war er bei der öffentlich-rechtlichen Fernsehanstalt France Télévisions ab 2010 in leitenden Funktionen tätig.

Der 65-jährige Boudgoust ist seit Januar 2016 Präsident von Arte. Im Oktober 2015 war er von der Arte-Mitgliederversammlung für vier Jahre plus eine Verlängerung um ein weiteres Jahr in das Amt gewählt worden. Er übernahm die Aufgabe damals zusätzlich zu seinem Amt als Intendant des Südwestrundfunks (SWR). Den Chefposten beim SWR legte Boudgoust Ende August 2019 vorzeitig nieder. Kai Gniffke, früherer Chefredakteur der Gemeinschaftseinrichtung ARD-aktuell („Tagesschau“, „Tagesthemen“), folgte Boudgoust Anfang September 2019 als SWR-Intendant nach (vgl. MK-Meldung) Wenn Boudgoust zum Jahresende 2020 das Arte-Präsidentenamt abgibt, tritt er in den Ruhestand.

In der Nachfolge von Peter Boudgoust

Das Präsidentenamt bei Arte wechselt regelmäßig zwischen einem deutschen und einem französischen Sendervertreter. Zuständig für die Wahl ist die Arte-Mitgliederversammlung, der zwölf Personen angehören. Sechs deutsche und sechs französische Abgesandte repräsentieren die beiden Mitgliedsorganisationen der Arte-Dachgesellschaft (Arte G.E.I.E.), die in Baden-Baden ansässige Arte Deutschland TV GmbH und Arte France mit Sitz in Paris. Hinter der Arte Deutschland TV GmbH stehen wiederum ARD und ZDF.

Die deutschen Vertreter in der Arte-Mitgliederversammlung sind WDR-Intendant Tom Buhrow, SR-Intendant Thomas Kleist, der frühere NDR-Intendant Lutz Marmor, ZDF-Intendant Thomas Bellut, ZDF-Justitiar Peter Weber sowie Frank Freiling, der beim ZDF die Hauptabteilung Internationale Angelegenheiten leitet. Präsident der Arte-Mitgliederversammlung ist noch bis Ende 2020 Nicolas Seydoux, der Vorsitzende des Aufsichtsrats des französischen Filmkonzerns Gaumont. Vizepräsident der Arte-Mitgliederversammlung ist bis Ende Dezember noch Thomas Bellut. Anfang 2021 gibt es auch im Vorsitz dieses Gremiums einen turnusmäßigen Wechsel: Die Präsidentschaft der Arte-Mitgliederversammlung übernimmt dann WDR-Intendant Tom Buhrow für vier Jahre, neuer Vizepräsident der Mitgliederversammlung wird Nicolas Seydoux.

Personelle Änderungen bei Arte France

Neben Seydoux und dem Arte-France-Präsidenten Bruno Patino gehören derzeit noch die folgenden vier weiteren französischen Vertreter der Arte-Mitgliederversammlung an: Jean-Baptiste Gourdin (Generaldirektor für Medien und Kulturwirtschaft im französischen Kulturministerium), Charles Sarrazin (Leiter Portfoliomanagement bei APE, der französischen Agentur für Staatsbeteiligungen), Jean-Dominique Giuliani (Präsident der Robert-Schuman-Stiftung, Präsident der Hochschule ILERI) und Thomas Serval (Internet-Unternehmer).

Die bisherige Arte-Vizepräsidentin und Arte-France-Generaldirektorin Régine Hatchondo hat im Oktober Arte und Arte France verlassen. Als im Juni 2020 das Präsidentenamt von Arte France neu besetzt werden musste, war die 57-jährige Hatchondo nicht zum Zug gekommen, sondern Bruno Patino. Er wurde mit Wirkung zum 5. Juli zum Nachfolger der 70-jährigen Véronique Cayla gewählt, die Arte France ab 2011 als Präsidentin geleitet hatte (und von 2011 bis 2015 Arte-Präsidentin war).

16 Männer, die die Geschicke des Senders bestimmen

Am 13. Oktober machte Arte France Hatchondos Ausscheiden im Rahmen einer Änderung der Managementstruktur bekannt: Ihre bisherige Position als Generaldirektorin und Vorstandsmitglied werde abgeschafft, hieß es. Zudem wurde mitgeteilt, dass Hatchondo am 21. Oktober das Arte-Vizepräsidentenamt niederlege. Anfang August 2018 war Hatchondo zu Arte France gewechselt; im November 2018 wurde sie zusätzlich Arte-Vizepräsidentin (in der Nachfolge von Anne Durupty). Zuvor hatte Hatchondo ab 2014 als Kultur- und Medienberaterin des damaligen französischen Premierministers Manuel Valls und ab 2016 als Generaldirektorin des Kulturministeriums in Paris gearbeitet.

Das Vizepräsidentenamt bei Arte hat nach dem Abgang von Régine Hatchondo am 22. Oktober Bruno Patino übernommen, der neue Chef von Arte France, und zwar bis Ende 2020. Anschließend rückt er dann zum Arte-Präsidenten auf. Neuer Arte-Vizepräsident wird ab Januar 2021 ZDF-Justitiar Peter Weber, 60. Dem Vorstand von Arte G.E.I.E. gehören insgesamt vier Personen an: Neben dem Präsidenten und dem Vizepräsidenten gibt es noch zwei hauptamtliche Arte-Direktoren: Programmdirektor Bernd Mütter und Verwaltungsdirektor Emmanuel Suard. Auffällig ist, dass nun dem vierköpfigen Vorstand von Arte wie auch der Arte-Mitgliederversammlung keine Frau angehört. Für die Beschlüsse zu grundlegenden Fragen des Senders sind somit aktuell 16 Männer zuständig, sie bestimmen die Geschicke von Arte.

11.11.2020 – Volker Nünning/MK

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