Neue Streaming-Plattform Joyn am 18. Juni gestartet

29.06.2019 •

Die Pro-Sieben-Sat-1-Gruppe und der Discovery-Konzern haben ihre gemeinsame Streaming-Plattform unter dem Namen Joyn neu gestartet. Seit dem 18. Juni ist das werbefinanzierte Angebot abrufbar, und zwar auch ohne Registrierung auf iOS- und Android-fähigen mobilen Geräten, Computern und Smart-Fernsehern. Joyn hat nun die bisherige Plattform 7TV ersetzt, die von Pro Sieben Sat 1 im Jahr 2014 in Betrieb genommen worden war. 2017 kam Discovery als Partner hinzu, was in der Folge vom Bundeskartellamt genehmigt wurde. Gemeinsam machten sich dann Pro Sieben Sat 1 und Discovery daran, die Plattform in einer erweiterten Form neu zu starten (vgl. diese MK-Meldung und diese MK-Meldung).

Über Joyn gibt es nun, wie Pro Sieben Sat 1 mitteilte, das „größte kostenfreie Free-TV-Angebot“ in Deutschland. Insgesamt seien „55 Sender im Livestream gebündelt und gratis“ verfügbar. Dabei handelt es sich zum einen um die sieben Free-TV-Programme der Pro-Sieben-Sat-1-Gruppe, darunter Pro Sieben, Sat 1 und Kabel 1, und die vier frei empfangbaren Sender des Discovery-Konzerns (Eurosport, DMAX, TLC und der am 6. Juni gestartete Spartenkanal Home & Garden TV). Hinzu kommen die Sender Welt und N24 Doku (beide Springer), die Programme MTV, Comedy Central und Nick (jeweils Viacom) sowie die Spartenkanäle Sport 1, Deluxe Music und RiC. Die kommerziellen Programme sind über Joyn zunächst nur in der digitalen Standardauflösung (SD/Standard Definition) zu sehen.

Werbefinanziertes Angebot

Im Livestream abrufbar ist über Joyn jetzt außerdem fast das komplette Programmangebot von ARD und ZDF. Es fehlen derzeit noch die Programme 3sat und Arte, die aber in Kürze ebenfalls auf die Plattform aufgeschaltet werden sollen. Die öffentlich-rechtlichen Sender werden in hochauflösender Qualität (HD/High Definition) angeboten. Das Erste Programm der ARD und das ZDF-Hauptprogramm stehen in der Joyn-Senderliste an den beiden ersten Positionen. Die Plätze drei bis fünf belegen dann Pro Sieben, Sat 1 und Kabel 1, gefolgt von ZDFneo und DMAX.

Auf die Anzahl von aktuell 55 Sendern im Livestream kommen die Joyn-Betreiber aber nur, wenn man alle regional bzw. lokal gesplitteten Ausgaben der Dritten Programme der ARD mitzählt. Rechnet man diese herunter, verbleiben aktuell 37 Programme, die man über Joyn sehen kann. Angekündigt hatten Pro Sieben Sat 1 und Discovery auch, dass ausländische Programme wie BBC World, TV 5 Monde und Bloomberg TV über Joyn zu sehen sein würden. Diese Programme werden in der näheren Zukunft aber ebenfalls über die Plattform verfügbar sein. Nicht verbreitet über Joyn werden die Programme der RTL-Gruppe, die Ende 2018 ihr eigenes zentrales Videoportal TV Now ausgebaut hat. Über TV Now sind die Livestreams der RTL-Programme gegen eine Gebühr von monatlich 2,99 Euro zu sehen (in HD).

Die privaten Programme, die über die Joyn-Plattform aktuell nur in der digitalen Standardauflösung verfügbar sind, lassen sich voraussichtlich ab Winter auch in HD-Qualität nutzen – allerdings nur gegen eine monatliche Gebühr. Die HD-Livestreams werden Teil des kostenpflichtigen Premium-Bereichs sein, um den die neue Streaming-Plattform bis Winter erweitert werden soll. Dann sollen auch die kostenpflichtigen Angebote Maxdome (Pro Sieben Sat 1) und Eurosport-Player (Discovery) in das Joyn-Portal integriert werden. Wie viel die Nutzung des Premium-Bereichs kosten wird, ist noch nicht bekannt.

Über die neue Streaming-Plattform von Pro Sieben Sat 1 und Discovery lassen sich nun außerdem bestimmte Sendungen bereits vor der TV-Ausstrahlung online sehen. Dazu zählen etwa die dritte Staffel der Serie „Jerks“ mit Christian Ulmen und Fahri Yardim, die bislang zuerst bei Maxdome angeboten wurde, bevor sie dann auch von Pro Sieben ausgestrahlt wurde, sowie die demnächst auch im Sat-1-Programm laufende neue Sitcom „Die Läusemutter“ mit Pina Kühr und Michael Kessler.

Anlaufverlust von 100 Mio Euro erwartet

Zudem lassen sich über Joyn Sendungen nach ihrer Ausstrahlung im Fernsehen 30 Tage lang abrufen. In diesem Mediathek-Bereich sind bislang aber nur Sendungen verfügbar, die für die Programme von Pro Sieben Sat 1 und Discovery produziert wurden. Außerdem gibt es noch „kuratierte Themenkanäle“, darunter die Kanäle „Crime Time“, „Comedy Corner“, „Motor Trend“ und „Food Network“.

Max Conze, der Vorstandsvorsitzende von Pro Sieben Sat 1, sieht in der Joyn-Plattform das zentrale Projekt im Rahmen des Umbaus der Konzerngruppe, sich unabhängiger vom schwächelnden Werbegeschäft beim linearen Fernsehen zu machen. Als Ziel hat Conze ausgegeben, dass Joyn innerhalb von zwei Jahren insgesamt 10 Mio Nutzer hat. Die Erlöse der Joyn GmbH, die zu jeweils 50 Prozent im Besitz von Pro Sieben Sat 1 und Discovery ist, sollen die Rückgänge bei den TV-Werbeeinnahmen ausgleichen. Inwieweit das gelingen wird, bleibt abzuwarten. Aufgrund der hohen Investitionen in die neue Plattform erwartet Conze bei Joyn für das Jahr 2019 einen Anlaufverlust von 100 Mio Euro, den je zur Hälfte Pro Sieben Sat 1 und Discovery zu schultern haben.

29.06.2019 – vn/MK

Print-Ausgabe 19/2019

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