NDR ab Anfang 2022 mit multimedialer Programmdirektion

13.05.2021 •

Auch beim Norddeutschen Rundfunk (NDR) werden die klassischen beiden Programmdirektionen für Fernsehen und für Hörfunk aufgelöst. Ab dem 1. Januar 2022 wird es beim NDR nur noch eine Programmdirektion geben, die übergeordnet für die Inhalteproduktion für Radio, Fernsehen und Internet zuständig ist. „Die bisherige organisatorische Trennung der Programmdirektionen nach den Ausspielwegen Hörfunk und Fernsehen wird der veränderten Mediennutzung des Publikums nicht länger gerecht“, teilte der NDR dazu auf MK-Nachfrage mit.

Ziel der Neuordnung sei es, „im gesamten linearen und non-linearen Programmangebot des NDR cross- und multimediales Arbeiten zu ermöglichen“, so der NDR weiter. Es gehe auch darum, Kräfte zu bündeln, „um Stärken besser und effizienter zu nutzen – unabhängig vom Ausspielweg oder Sendeplatz eines Programmthemas“. Die beiden Aufsichtsgremien des öffentlich-rechtlichen Senders, der Verwaltungsrat und der Rundfunkrat, unterstützen den Umbau; die endgültige formelle Zustimmung steht allerdings noch aus.

Frank Beckmann und Katja Marx bleiben Direktoren

Die neue NDR-Programmdirektion wird aus zwei Geschäftsbereichen bestehen. An der Spitze der neuen Direktion stehen künftig Frank Beckmann und Katja Marx. Die beiden werden als Direktoren jeweils einen der zwei Geschäftsbereiche leiten. Beckmann, 55, ist seit 2008 Fernsehdirektor des NDR. Marx, 56, wurde im Januar 2020 Hörfunkdirektorin der drittgrößten ARD-Landesrundfunkanstalt; zuvor war sie beim Hessischen Rundfunk (HR) Hörfunkchefredakteurin. Katja Marx folgte Joachim Knuth in der Leitung der Hörfunkdirektion nach. Knuth wiederum hatte im Januar 2020 beim NDR das Intendantenamt als Nachfolger von Lutz Marmor übernommen.

Ab Januar 2022 werden beim NDR die Inhalte in Programmbereichen entstehen, die dann allesamt crossmedial ausgerichtet sind. Marx und Beckmann sollen aber auch künftig aufgrund ihrer Expertise für Hörfunk bzw. Fernsehen die „Produktverantwortung“ für den jeweiligen Ausspielweg haben. Der Geschäftsbereich I in der neuen NDR-Programmdirektion wird künftig von Katja Marx geleitet. Sie ist dann zuständig für die vier Programmbereiche ‘Information’, ‘Kultur’, ‘NDR 2’ und ‘Audio-Strategie’. Zum letztgenannten Programmbereich gehört auch das auf ein junges Publikum ausgerichtete Radioprogramm N-Joy. Außerdem verantwortet Marx noch den Bereich ‘Orchester, Chor und Konzerte’.

Der von Frank Beckmann geleitete Geschäftsbereich II untergliedere sich, wie der NDR der MK mitteilte, in die drei Programmbereiche ‘Gesellschaft’ (Arbeitstitel), ‘Fiktion und Unterhaltung’ und ‘Sport’. Hinzu kämen noch die Zuständigkeit für die Gemeinschaftseinrichtung ARD-aktuell (u.a. „Tagesschau“, „Tagesthemen“) und die neue Hauptabteilung ‘Programm- und Portfolio-Management’ (Arbeitstitel). Was diese Hauptabteilung künftig konkret machen soll, dazu wollte sich der NDR noch nicht näher äußern.

Zentrales Innovationsmanagement

In einem Dokument des NDR-Verwaltungsrats heißt es zu den Aufgaben dieser neuen Hauptabteilung: „Darüber hinaus etabliert der NDR ein zentrales Portfolio- und Innovationsmanagement, das einen klaren Kompass für die gesamte Flotte geben und für mehr Beratung und Vernetzung der Redaktionen mit den Innovationseinheiten im NDR sorgen soll“. Das Dokument listet die Beratungsergebnisse der März-Sitzung des Verwaltungsrats auf und wurde im April im Internet-Angebot des NDR veröffentlicht.

Von den neun ARD-Landesrundfunkanstalten ist der NDR nun die letzte, die die Organisationsstruktur im Programmbereich ändert. Vorreiter war hier der Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB), der schon 2009 seine Hörfunk- und seine Fernsehdirektion zu einer multimedialen Programmdirektion zusammengelegt hatte. Es folgten ab November 2016 der Mitteldeutsche Rundfunk (MDR), ab Januar 2017 der Südwestrundfunk (SWR), ab Juli 2019 der Westdeutsche Rundfunk (WDR) und ab Juli 2020 der Bayerische Rundfunk (BR). Diese vier Anstalten beschlossen jeweils, weiterhin mit zwei Programmdirektionen zu arbeiten, deren Zuständigkeiten nach Themenbereichen aufgeteilt wurden, die jeweils die Ausspielwege Radio, Fernsehen und Internet abdecken.

Der HR entschied, seine beiden Programmdirektionen (Hörfunk und Fernsehen) in einer multimediale Programmdirektion zusammenzulegen, was Anfang August 2020 geschah. Beim Saarländischen Rundfunk (SR) und bei Radio Bremen, den beiden kleinsten ARD-Anstalten, gibt es schon seit rund 20 Jahren nur noch eine Programmdirektion (die dann später jeweils auch crossmedial ausgerichtet wurden). Dass SR und Radio Bremen damals entsprechende Strukturänderungen umsetzten, ging allerdings auf massive Sparzwänge zurück. Die Bundesländer hatten im Jahr 1999 beschlossen, den ARD-Finanzausgleich bis 2006 um rund die Hälfte zu reduzieren. SR und Radio Bremen mussten darauf mit einschneidenden Maßnahmen reagieren, weil sie in den kommenden Jahren aus dem ARD-Finanzausgleich deutlich weniger Geld zu erwarten hatten. Aus diesem Ausgleichstopf werden nur Radio Bremen und der SR finanziell unterstützt.

13.05.2021 – Volker Nünning/MK

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