MDR baut übergreifendes Qualitätsmanagement auf

15.11.2020 •

Der Mitteldeutsche Rundfunk (MDR) baut derzeit ein Qualitätsmanagement für seine verschiedenen inhaltlichen Angebote auf. Ziel sei es, „übergreifende Qualitätssicherungsprozesse und eine Fortentwicklung der Qualitätsmaßstäbe für alle MDR-Inhalte zu gewährleisten – sowohl im Linearen als auch im Digitalen“. Wie der MDR gegenüber der MK weiter erklärte, wolle der Sender mit dem übergreifenden Qualitätsmanagement auch die Innovationskultur in den Redaktionen fördern.

Ein übergreifendes Qualitätsmanagement anstelle der bisherigen verschiedenen Ansätze hält der MDR angesichts der Dynamik der Digitalisierung für erforderlich. Damit wolle man auch künftig, so der Sender, „den hohen Ansprüchen an die Qualität unserer Angebote und unseren Gemeinwohlauftrag für die Gesellschaft gerecht werden“. Es gehe darum, weiterhin die Menschen „mit glaubwürdigen, verlässlichen und regional verankerten Qualitätsinhalten zu erreichen“. Der MDR produziere heute beispielsweise viel mehr Nachrichten auf unterschiedlichen Ausspielwegen und Plattformen in immer engerer Taktung als früher. Hinzu komme eine Vielzahl neuer Angebotsformen, wie etwa Instagram-Storys, Podcasts oder Event-Livestreams. Ein übergreifendes Qualitätsmanagement zu etablieren, gehöre daher zu den Unternehmenszielen des MDR.

Die neue Position eines Qualitätsmanagers

Beim Mitteldeutschen Rundfunk gibt es nach eigener Darstellung in den Redaktionen bisher bereits verschiedene Instrumente zur Qualitätskontrolle. Dazu gehörten unter anderem „Feedbacks, Airchecks, Programmanalysen, Best-Practice-Beispiele“ genauso wie Erkenntnisse aus der eigenen Markt- und Medienforschung und dem bevölkerungsrepräsentativen „MDR-Nutzungsmonitor“. Mit dem Instrument des Nutzungsmonitors befragt der öffentlich-rechtliche Sender jährlich die Bevölkerung in seinem Sendegebiet unter anderem dazu, wie bestimmte Qualitätskriterien erfüllt werden. Diese Auswertungen sind dem Sender zufolge seit 2014/15 Teil der redaktionellen Qualitätssicherung.

Als ‘Qualitätsmanager im MDR’ fungiert nun seit dem 12. Oktober Dietz Schwiesau. 2021 wird es bei der Drei-Länder-Anstalt für Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt dann noch einen zweiten Qualitätsmanager geben. Der 59-jährige Schwiesau arbeitet seit 1992 beim MDR; er war unter anderem Nachrichtenchef des Hörfunkprogramms MDR Info (seit Mai 2016: MDR aktuell) und zuletzt ab 2012 Wortchef des Radioprogramms MDR Sachsen-Anhalt. Im August 2018 übernahm er zusätzlich die Leitung des damals eingerichteten ‘Projektteams Qualitätsmanagement’, das sich, so der Sender, „intensiv mit den bereits bestehenden Qualitätsmechanismen in den Redaktionen des MDR und mit Best Practices aus anderen Medienhäusern beschäftigt hat“. Und zwar mit dem Ziel, beim MDR vergleichbare Qualitätsprozesse in den Redaktionen und ein übergreifendes Qualitätsmanagement zu entwickeln.

Rückmeldungen des Publikums mehr beachten

Aufgabe von Dietz Schwiesau (und seines künftigen Kollegen) ist es, im Sender nun das übergreifende Qualitätsmanagement zu etablieren und hierfür mit den verschiedenen Redaktionen zusammenzuarbeiten. Laut MDR lautet der Grundsatz dabei: „Qualitätsmanagement ist Redaktionsmanagement.“ Es sollen keine parallelen Strukturen aufgebaut werden, um die Qualität zu sichern und auszubauen, so der MDR: „Das ist und bleibt Aufgabe aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, vor allem der Redaktionsleiterinnen und -leiter.“ Die Journalisten in den Programmdirektionen des MDR sollen demnach „künftig auch als Qualitätsbeauftragte vor Ort tätig sein“.

Der MDR will bei aller Unterschiedlichkeit der Redaktionen über das übergreifende Qualitätsmanagement einheitliche Kriterien „für vergleichbare Angebote definieren“. Diese Kriterien seien regelmäßig zu evaluieren und weiterzuentwickeln, um die Qualität zu sichern. Auf diese Weise solle zum Beispiel das professionelle Feedback in der täglichen Redaktionsarbeit noch besser verankert werden. Mit den Redaktionen sollen ferner Haupt­instrumente zur Qualitätssicherung festgelegt und dokumentiert werden – etwa für die Bereiche Planung, Beauftragung, Recherche und Abnahme. Hier spiele unter anderem eine Rolle, wie bei redaktionellen Schlüsselpositionen (etwa Planungsredakteure oder Chefs vom Dienst) die Aufgaben konkret gestaltet sein müssen. Darüber hinaus sollen in den Redaktionen Rückmeldungen des Publikums noch stärker als bisher berücksichtigt werden.

Ziel dieser Maßnahmen sei es, so der MDR, „dass jede Redaktion auf ihre Bedürfnisse hin das Qualitätsmanagement zuschneiden kann“, die mit Blick auf die Arbeitssituation im Nachrichtenbereich bekanntlich andere seien als bei einer fiktionalen Produktion oder bei der Herstellung einer Unterhaltungsshow. Um auf diesem Weg eines übergreifenden Qualitätsmanagements voranzukommen, hat der MDR sich einen Zeitraum von drei Jahren gesetzt. Für diese Zeitspanne sind die beiden Qualitätsmanager des MDR zunächst im Amt. Wie anschließend das Qualitätsmanagement ausgestaltet sein wird, hängt nach Angaben des Senders unter anderem davon ab, welche (neuen) medialen Angebote dann existieren und wie sich das Mediennutzungsverhalten des Publikums verändert.

15.11.2020 – Volker Nünning/MK

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