Max Conze wird neuer Chef der Pro‑Sieben‑Sat‑1‑Gruppe

19.03.2018 • Neuer Vorstandsvorsitzender der Pro Sieben Sat 1 Media SE wird Max Conze, der frühere Chef des britischen Hausgeräte-Herstellers Dyson. Der 48-jährige Conze, der in Bielefeld geboren wurde, übernimmt die Leitung des börsennotierten Medienkonzerns am 1. Juni 2018. Der Pro-Sieben-Sat-1-Aufsichtsrat berief Conze in seiner Sitzung am 21. Februar zum Nachfolger von Thomas Ebeling, wie das Unternehmen mitteilte. Ebeling, 59, hat am 22. Februar den Vorstandsvorsitz abgegeben und die in Unterföhring bei München ansässige Pro-Sieben-Sat-1-Gruppe verlassen.

Dass Ebeling zu diesem Termin den Chefposten von Pro Sieben Sat 1 niederlegt, hatte der Konzern bereits im November vorigen Jahres mitgeteilt (vgl. MK-Meldung). Bis zum Amtsantritt von Conze hat nun Conrad Albert, der stellvertretende Pro-Sieben-Sat-1-Vorstandsvorsitzende, die Leitung der Unternehmensgruppe inne. Der 50-jährige Jurist, der bei Pro Sieben Sat 1 Vorstand External Affairs & Industry Relations ist, war im November 2017 zusätzlich zum stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden des Konzerns bestellt worden.

Erneut ein Branchenfremder

An die Spitze von Pro Sieben Sat 1 rückt künftig mit Max Conze wiederum ein Branchenfremder. Thomas Ebeling war, bevor er im März 2009 Vorstandschef des Konzerns wurde, für den Pharmariesen Novartis tätig gewesen. Werner Brandt, Aufsichtsratsvorsitzender der Pro Sieben Sat 1 Media SE, begründete die Berufung von Conze zum neuen Chef der Unternehmensgruppe mit dessen „umfangreicher internationaler Managementerfahrung in unterschiedlichen Branchen“.

Brandt verwies darauf, dass Conze bei Dyson die digitale Transformation erfolgreich umgesetzt und das Unternehmen zu einem stark wachsenden globalen Technologie-Konzern ausgebaut habe. Conze werde mit seiner Innovationsstärke und seinem Marketingverständnis Pro Sieben Sat 1 zu neuen Erfolgen führen, erklärte Brandt, der seit Juni 2014 den neunköpfigen Aufsichtsrat der Pro-Sieben-Sat-1-Gruppe leitet. Der 64-jährige Brandt, der früher Finanzvorstand des Software-Herstellers SAP war, würdigte auch die Verdienste von Thomas Ebeling in den vergangenen Jahren für die Geschäftsentwicklung von Pro Sieben Sat 1. Am 22. Februar legte der Konzern Rekordzahlen für das Geschäftsjahr 2017 vor.

Max Conze studierte an der Columbus State University im US-Bundesstaat Georgia Business Administration. Anfang der 1990er Jahre war er als Fallschirmjäger bei der Bundeswehr. Im Jahr 1993 ging Conze dann zum US-Konsumgüterkonzern Procter & Gamble. Dort war er zunächst als Assistant Brand Manager tätig; in den folgenden Jahren stieg er bei Procter & Gamble die Karriereleiter sukzessive nach oben. Er arbeitete in verschiedenen Positionen im Marketing- und Managementbereich nicht nur in den USA, sondern auch in China, Großbritannien und in der Schweiz.

Ab 2007 war Conze General Manager von Procter & Gamble für Deutschland, Österreich und die Schweiz. Von Mai bis August 2010 war er bei dem Konzern General Manager für den Bereich ‘Global Female Beauty Care’. Anfang Oktober 2010 wechselte Conze dann zu Dyson und übernahm bei dem Hausgeräte-Hersteller die Leitung von dessen Nordamerika-Geschäft. Rund ein Jahr später, im November 2011, wurde er Chief Executive Officer (CEO) von Dyson. Im Oktober 2017 schied Conze bei dem Unternehmen aus, das vor allem wegen seiner beutellosen Staubsauger bekannt ist.

Medien statt Staubsauger

Unter der Leitung von Max Conze wuchs Dyson deutlich. Innerhalb seiner sechs Jahre als Chef des Konzerns (der 1993 von James Dyson gegründet wurde) stiegen sowohl Umsatz als auch Gewinn deutlich an. Im Jahr 2016 erzielte Dyson einen Umsatz von 2,5 Mrd britischen Pfund (zirka 2,9 Mrd Euro), im Jahr 2011 waren es 1,06 Mrd Pfund. 2016 erzielte Dyson einen Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) in Höhe von 631 Mio Pfund (2011: 306 Mio Pfund). Neben Staubsaugern stellt Dyson heute beispielsweise auch Föhne, Ventilatoren und Heizlüfter her; im Jahr 2020 will der Konzern in den Markt für Elektroautos einsteigen.

Nachdem Max Conze im Oktober 2017 bei Dyson ausgeschieden war, warf ihm einen Monat später das Unternehmen laut britischen Medienberichten vor, er habe Geschäftsgeheimnisse verraten und seine Position bei Dyson benutzt, um sich persönlich zu bereichern. Der Konzern verklagte seinen ehemaligen Chef vor Gericht. Conze wies die Anschuldigungen entschieden zurück und ging seinerseits juristisch gegen Dyson vor. Im Dezember 2017 legten die Beteiligten, wie damals die „Financial Times“ berichtete, ihre Streitigkeiten bei. Im Zuge der Einigung soll Conze mehrere Millionen Pfund erhalten haben – als Entschädigung dafür, dass ihm infolge seines Ausscheidens bei Dyson langfristige Optionen auf Anteilsprämien entgangen seien.

Als künftiger Chef von Pro Sieben Sat 1 hat sich Max Conze vorgenommen, die bereits von seinem Vorgänger eingeführte Ausrichtung des Konzerns auf die drei Bereiche ‘Entertainment’, ‘Content Production’ und ‘Commerce’ weiter voranzutreiben. „Entertainment hat mich immer schon begeistert. Der digitale Wandel dieser Branche reizt mich besonders und die Kombination mit dem Commerce-Geschäft macht Pro Sieben Sat 1 für mich einzigartig“, ließ sich Conze in der Pressemitteilung des Konzerns zitieren.

19.03.2018 – vn/MK