Marlehn Thieme als Vorsitzende des ZDF‑Fernsehrats bestätigt

03.08.2020 •

Marlehn Thieme ist als Vorsitzende des ZDF-Fernsehrats wiedergewählt worden. Die 63-Jährige wurde am 10. Juli in Mainz in der konstituierenden Sitzung des Gremiums für die neue vierjährige Amtsperiode in geheimer Wahl mit großer Mehrheit im Amt bestätigt. Die Juristin aus Bad Soden (Taunus) – die im Fernsehrat die evangelische Kirche vertritt und seit 2003 Mitglied des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) ist – erhielt 48 Ja-Stimmen. Drei Mitglieder stimmten mit Nein und weitere fünf enthielten sich. An der öffentlichen Sitzung des Fernsehrats, die coronabedingt in der Mainzer Rheingoldhalle stattfand, nahmen 56 Mitglieder teil. Insgesamt hat das Gremium 60 Mitglieder; vier fehlten bei der Sitzung.

Die wiedergewählte Fernsehratsvorsitzende Thieme gehört seit 2004 dem Gremium an, das auch mehrere Ausschüsse hat. 2012 wurde Thieme Vorsitzende des Telemedienausschusses und stellvertretende Vorsitzende des Ausschusses für Finanzen, Investitionen und Technik. Zuvor war sie stellvertretende Vorsitzende des Ausschusses Programmdirektion gewesen. Thieme arbeitete von 1986 bis Ende 2013 bei der Deutschen Bank, zuletzt als Direktorin für den Bereich ‘Corporate Social Responsibility und Corporate Citizenship’. Von 2012 bis 2019 war sie Vorsitzende des von der Bundesregierung berufenen ‘Rates für Nachhaltige Entwicklung’. Seit 2018 ist Thieme Präsidentin der Deutschen Welthungerhilfe.

Gesellschaftlichen Zusammenhalt fördern

Nach ihrer Wiederwahl erklärte Thieme laut einer Mitteilung des Senders, in ihrer neuen Amtszeit als Vorsitzende müsse es „vor allem darum gehen, die Strategien für das ZDF weiterzuentwickeln, um den öffentlich-rechtlichen Auftrag in einem digitalen Medienmarkt kraftvoll zu erfüllen“. Dazu gehörten „messbare Kriterien für den Vergleich mit nationalen und internationalen Playern“. Außerdem bleibe es wesentlich, „gesellschaftlichen Zusammenhalt in Deutschland zu fördern“.

In der Sitzung des Fernsehrats am 10. Juli wurde darüber hinaus Wilhelm Schmidt als erster stellvertretender Vorsitzender des Gremiums im Amt bestätigt. Er ist in den Fernsehrat von der Deutschen Arbeiterwohlfahrt entsandt. Die beiden weiteren stellvertretenden Fernsehrats­vorsitzenden sind Achim Dercks (Deutscher Industrie- und Handelskammertag) und Katrin Kroemer (Deutscher Journalisten-Verband). Dercks wurde wiedergewählt, Kroemer wurde erstmals zur stellvertretenden Vorsitzenden gewählt und folgte in dieser Funktion auf Cornelia Füllkrug-Weitzel (Diakonie Deutschland), die aus dem Fernsehrat ausgeschieden ist.

Die drei stellvertretenden Vorsitzenden bilden zusammen mit der Vorsitzenden Thieme das vierköpfige Fernsehratspräsidium, dessen Amtszeit zwei Jahre beträgt und somit bis Juli 2022 läuft. Zur Hälfte der vierjährigen Amtsperiode des Fernsehrats findet stets die Wahl der vier Präsidiumsmitglieder für die nächsten zwei Jahre statt. In seiner konstituierenden Sitzung am 10. Juli beschloss der Fernsehrat außerdem, dass von nun an unter bestimmten Voraussetzungen Bild- und Tonübertragungen von Sitzungen des Gremiums zulässig sind, worunter auch ein Livestream fällt.

Mehrere Länder tauschen Vertreter aus

Dem ZDF-Fernsehrat gehören in der neuen Amtsperiode 48 Personen an, die bereits zuvor Mitglied des Gremiums waren. Zwölf Mitglieder sind neu in den Fernsehrat eingezogen. Änderungen gab es unter anderem bei den Plätzen, die den Bundesländern zustehen. Jedes Land entsendet durch die jeweilige Regierung einen Vertreter in den Fernsehrat. Fünf der 16 Länder nahmen Neuberufungen in den Fernsehrat vor. Hatte Brandenburg ab 2016 Susanne Stürmer, Präsidentin der Hochschule für Film und Fernsehen „Konrad Wolf“ (HFF) in Potsdam-Babelsberg und frühere Ufa-Geschäftsführerin, in den Fernsehrat entsandt, berief das Bundesland nun einen Politiker. Neuer Vertreter Brandenburgs in dem ZDF-Gremium ist Staatssekretär Benjamin Grimm (SPD), der seit Ende 2019 in der Potsdamer Staatskanzlei Beauftragter für Medien und Digitalisierung ist.

Wechsel gab es ferner bei den Ländern Berlin, Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern. Neue Vertreterin Berlins im ZDF-Fernsehrat ist Melanie Reinsch, die Sprecherin des Regierenden Bürgermeisters. Sie folgte auf den früheren Berliner Regierungssprecher Richard Meng. Für Hamburg gehört jetzt Jana Schiedek (SPD), Staatsrätin für Kultur und Medien, dem Sendergremium an. Sie löste ihren Parteikollegen Carsten Brosda ab, den Hamburger Senator für Kultur und Medien. Mecklenburg-Vorpommern wird im Fernsehrat nun vom Schweriner Staatskanzleichef Heiko Geue (SPD) vertreten. Er folgte auf Bettina Martin (SPD), Bildungsministerin von Mecklenburg-Vorpommern. Außerdem ist der Fernsehratssitz von Sachsen wieder besetzt. Dieser Platz war vakant, nachdem im Dezember 2019 der frühere sächsische Staatskanzleichef Fritz Jaeckel (CDU) aus dem Fernsehrat ausgeschieden war. Neues vom Land Sachsen entsandtes Mitglied ist Christiane Schenderlein (CDU), die seit Oktober 2019 Abgeordnete des sächsischen Landtags ist.

Die beiden Vertreter der katholischen Kirche im ZDF-Fernsehrat bleiben Beate Bäumer und Pater Hans Langendörfer. Bäumer, die das Katholische Büro Schleswig-Holstein in Kiel leitet, hat jetzt den Vorsitz des Fernsehratsausschusses Telemedien übernommen. Mitglied des Fernsehrats ist sie seit 2012. Langendörfer ist der Sekretär der in Bonn angesiedelten Deutschen Bischofskonferenz; er gehört dem Fernsehrat seit 2004 an. Die evangelische Kirche wird nun im Fernsehrat neben Marlehn Thieme noch von Hans Ulrich Anke vertreten, Präsident des Kirchenamts der EKD. Für den Zentralrat der Juden in Deutschland gehört weiterhin dessen Vizepräsident Salomon Korn dem ZDF-Fernsehrat an.

03.08.2020 – vn/MK

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