Leonine-Gruppe verkauft Fernsehsender Tele 5 an Discovery-Konzern

31.07.2020 •

Die vom US-Finanzinvestor KKR kontrollierte Mediengruppe Leonine hat den Fernsehsen­sender Tele 5 an das TV-Unternehmen Discovery Deutschland verkauft. Mit der Übernahme des Serien- und Filmkanals wolle Discovery „seine Position im deutschen Free-TV-Markt“ ausbauen und „neue Zielgruppen und Vermarktungspotenziale“ erschließen, teilte das Unternehmen am 3. Juli mit. „Tele 5 mit seinen Filmen und Serien ergänzt unser Multi-Plattform-Angebot aus Factual-Entertainment- und Sport-Inhalten um eine neue fiktionale Komponente“, erklärte Susanne Aigner, Geschäftsführerin von Discovery Deutschland. Zur Höhe des Kaufpreises machten weder Discovery noch Leonine nähere Angaben. Beide Unternehmen haben ihren Sitz in München.

In der Discovery Communications Deutschland GmbH & Co. KG hat der US-amerikanische Discovery-Konzern sein Deutschlandgeschäft gebündelt. Dazu gehören bisher die vier Free-TV-Sender Eurosport, DMAX, TLC und Home & Garden TV und die drei Pay-TV-Programme Discovery Channel, Animal Planet und Eurosport 2. Außerdem betreibt Discovery noch die On-Demand-Plattform Eurosport-Player und ist mit 50 Prozent an der Streaming-Plattform Joyn beteiligt (die anderen 50 Prozent an Joyn gehören der Pro-Sieben-Sat-1-Gruppe).

Nicht mehr zum Geschäftsmodell passend

Discovery Deutschland hat mit Leonine außerdem noch „einen langfristigen Programmliefervertrag“ abgeschlossen, wie beide Unternehmen mitteilten. Dadurch könne Discovery, „auf das umfangreiche Lizenzangebot von Leonine im Bereich fiktionaler Content“ zugreifen, hieß es. Zu den finanziellen Konditionen dieser Vereinbarung machten beide Unternehmen ebenfalls keine Angaben. Der Kauf von Tele 5 durch Discovery muss noch von der Medienaufsicht und dem Bundeskartellamt genehmigt werden. Doch es werden weder medien- noch kartellrechtliche Probleme erwartet.

Im Fernsehbereich erzielte Discovery hierzulande im Jahr 2019 mit seinen Free-TV-Programmen einen Marktanteil von insgesamt 2,2 Prozent. Der Sender Tele 5, der vor allem ältere Serien und Filme zeigt, kam 2019 auf 1,0 Prozent. Geschäftsführer ist Kai Blasberg, 55. Er leitet Tele 5 seit Januar 2008 und ist in der Branche für provokante Sprüche bekannt, um den Kleinstsender in die Öffentlichkeit zu bringen. In der Pressemitteilung zum Verkauf von Tele 5 an Discovery kommt Blasberg mit einem kurzen Zitat zu Wort: „Tele 5 ist erfolgreich und begehrt. Die Zukunft im Verbund der starken Programmmarken von Discovery Deutschland kann kommen.“ Ob Blasberg auch künftig unter dem Dach des Discovery-Konzerns weiter die Geschäfte des Spartenkanals führen wird, bleibt abzuwarten.

Zur Mediengruppe Leonine – die im vergangenen Jahr aus dem Zusammenschluss der von KKR übernommenen Tele-München-Gruppe (TMG) mit weiteren TV-Produktionsfirmen entstand (vgl. MK-Meldung) – passte der Sender Tele 5, der ab 2002 zur TMG gehörte, nun offensichtlich nicht mehr. Leonine kauft und produziert Spielfilme, Serien und TV-Shows und betreibt die Rechteverwertung dieser Inhalte in Kinos, bei Fernsehsendern, Streaming-Anbietern und im Bereich ‘Home Entertainment’. Zur Firmengruppe gehören unter anderem die Produktionsunternehmen I&U TV, Odeon Film, Wiedemann & Berg Film und W&B TV. Leonine ist somit mit seinen Kerngeschäften nicht darauf ausgerichtet, Fernsehsender zu veranstalten. Leonine betreibt allerdings die drei Streaming-Kanäle „Filmtastic“, „Home of Horror“ und „Arthouse CNMA“. Bei der Firmengruppe, an deren Spitze Fred Kogel als Chief Executive Officer (CEO) steht, gibt es drei Geschäftsbereiche: Produktion, Distribution und Lizenzhandel. Mit dem Abschluss eines langfristigen Programmliefervertrags mit Discovery kann Leonine nun sein Lizenzhandelsgeschäft entsprechend ausbauen.

RTL-2-Beteiligung steht nicht zum Verkauf

Nach dem Verkauf von Tele 5 bleibt Leonine aber weiterhin Gesellschafter des privaten Fernsehsenders RTL 2 (mit einem durchgerechneten Anteil von 15,75 Prozent). RTL 2 ist seit 1993 auf Sendung. Zu den Gründungsgesellschaftern gehörte die Tele-München-Gruppe, die 2019 in Leonine aufging, so dass seitdem die RTL-2-Beteiligung Teil des neuen Konzerns ist. Hintergrund dafür, dass Leonine die Anteile an RTL 2 behalten will, dürfte sein, dass der Sender entsprechend profitabel ist. Dadurch kann Leonine auch in den nächsten Jahren mit regelmäßigen Ausschüttungen planen. Zuletzt hat RTL 2 jährlich einen Gewinn im mittleren zweistelligen Millionenbereich erzielt. Von diesem Betrag erhält die Leonine-Gruppe dann entsprechend ihrer Beteiligung an RTL 2 einen Teil.

Dass Tele 5 kein so profitabler Sender ist wie RTL 2, dürfte die Entscheidung des Leonine-Managements, den Serien- und Spielfilmkanal zu verkaufen, bestärkt haben. Laut dem im Bundesanzeiger veröffentlichten Jahresabschluss erzielte die Tele-5-Betreibergesellschaft TM-TV im Jahr 2018 einen Gewinn von 3,5 Mio Euro. Der Umsatz belief sich auf 42 Mio Euro. Nicht zum Verkauf für Leonine stehen neben der RTL-2-Beteiligung auch die Streaming-Kanäle „Filmtastic“, „Home of Horror“ und „Arthouse CNMA“.

31.07.2020 – vn/MK