Landesanstalt für Medien NRW hat das Online-Lernangebot „Medienbox NRW“ gestartet

26.06.2020 •

Die Landesanstalt für Medien Nordrhein-Westfalen (LfM) hat in ihrem Online-Auftritt das Lernangebot „Medienbox NRW“ gestartet. Mit dem Ende März freigeschalteten Angebot will die LfM „gezielt nicht-professionelle Medienschaffende“ ansprechen, die ihre Meinungen und Themen mit Hilfe von Medien in die Öffentlichkeit bringen möchten, wie die in Düsseldorf ansässige Aufsichtsbehörde mitteilte. Mit der kostenfreien „Medienbox NRW“ sollen „grundlegende Techniken in der Medienproduktion“ vermittelt werden.

Gezeigt wird in kurzen Videos und E-Learning-Einheiten, wie sich Bild-, Ton- und Videobeiträge erstellen lassen. Auch Menschen ohne Vorkenntnisse können nach Darstellung der LfM durch die „Medienbox NRW“ lernen, mediale Beiträge zu erstellen und zu veröffentlichen. Das Lernangebot lässt sich ohne Registrierung nutzen; möglich sei aber auch eine Registrierung, so dass der jeweilige Nutzer dann seinen „Lernfortschritt verfolgen“ könne, hieß es. Teil der „Medienbox NRW“ sind unterschiedliche Module, in denen es beispielsweise um die richtigen Kameraeinstellungen, die Veröffentlichung von Podcasts, das Moderieren und um zusammenfassendes Schreiben geht.

Demokratiesicherung im Netz

In dem Lernangebot werden laut LfM auch „hilfreiche Tipps“ gegeben, wie Bürger mit ihren Beiträgen „nicht gegen wichtige Regeln“ verstoßen. LfM-Direktor Tobias Schmid erklärte anlässlich des Starts des neuen Angebots: „Die ‘Medienbox NRW’ ist die beste Kombination aus dem Spaß, den es machen kann, Medien selber zu gestalten, und echter Demokratiesicherung im Netz. Denn eine demokratische Medienordnung braucht in Zeiten zunehmender Desinformation vor allem drei Dinge: professionellen Journalismus, mündige und eigenverantwortliche Mediennutzer und die Chance, jederzeit selbst Medien nutzen und sich in ihnen ausdrücken zu können.“

Die LfM verweist darauf, dass die Verbreitung von Desinformation „vor allem im Digitalen besorgniserregende Ausmaße angenommen“ habe. Eine solche Desinformation stuft die Medienanstalt, wie es in ihrem Internet-Angebot heißt, als demokratiegefährdend ein. Am 7. Mai veröffentlichte die LfM die Ergebnisse einer von ihr in Auftrag gegebenen zweiten Erhebung beim Meinungsforschungsinstitut Forsa zur Wahrnehmung von Desinformation und politischer Werbung. Im Jahr 2019 hatte es die erste von der LfM bei Forsa zum selben Thema in Auftrag gegebene Erhebung gegeben. Befragt wurden nun 1010 deutschsprachige Internet-Nutzer ab 14 Jahren mittels eines Online-Fragebogens auch zu Falschinformationen in Zusammenhang mit der Coronakrise.

Nach den aktuellen Ergebnissen bleibt die Zahl derjenigen, die im Internet schon einmal politisch motivierte Desinformation wahrgenommen haben, mit über 60 Prozent weiterhin hoch. 81 Prozent der befragten Online-Nutzer gaben an, ihnen persönlich sei schon einmal Desinformation zum Coronavirus im Internet aufgefallen. 83 Prozent der Befragten stimmten ferner der Aussage (voll und ganz bzw. eher) zu, dass politische Desinformation die deutsche Demokratie bedrohe.

Schmid: Desinformation stärker bekämpfen

LfM-Direktor Schmid erklärte angesichts der Befragungsergebnisse, gegen Desinformation sei eine klare Regulierung auf europäischer Ebene nötig. „Eine ausschließliche Selbstregulierung der Plattformen, wie wir sie aktuell haben, ist jedenfalls augenscheinlich nicht ausreichend“, konstatiert Schmid, der auch Vorsitzender der European Regulators Group for Audiovisual Media Services (ERGA) ist. In der ERGA sind die Medienregulierungsbehörden aus den EU-Mitgliedstaaten zusammengeschlossen.

Schmid verwies auf einen am 4. Mai vorgestellten Bericht der ERGA zum Thema Desinformation. Darin wird kritisiert, wie die US-Technologie-Unternehmen Google, Facebook und Twitter bisher auf Basis eines Verhaltenskodex gegen die Verbreitung von Desinformation vorgehen. Diese Art der Selbstregulierung habe „erhebliche Schwächen“, auch weil die Vorgaben im Kodex zu ungenau definiert seien. Um effektiv gegen Desinformation im Internet vorzugehen, plädiert die ERGA dafür, den derzeitigen Selbstregulierungsansatz in eine „stärker strukturierte Koregulierung“ zu verändern.

26.06.2020 – vn/MK