Konflikte in der Arabisch-Redaktion: Deutsche Welle will Probleme aufarbeiten

08.06.2020 •

Die Auslandsrundfunkanstalt Deutsche Welle (DW) will seit längerem andauernde Konflikte in ihrer Arabisch-Redaktion aufarbeiten. „Es gab Vorwürfe von Mitarbeitenden nicht nur gegen Vorgesetzte, sondern auch gegen Kolleginnen und Kollegen, die sich grenzüberschreitend oder respektlos anderen gegenüber verhalten würden“, heißt es, wie die Katholische Nachrichten-Agentur (KNA) berichtete, in einer am 2. Juni verschickten E-Mail von Programmdirektorin Gerda Meuer an die Mitarbeiter der Redaktion.

Zwar habe die Deutsche Welle bereits zahlreiche Maßnahmen ergriffen, die zu einer Verbesserung der Situation geführt hätten, so Meuer weiter, doch scheine das nicht auszureichen. „Weiterhin ist die Situation angespannt, diverse Vorwürfe sind im Raum. Darunter leiden viele Kollegen und Kolleginnen und das Ansehen der Redaktion.“ DW-Intendant Peter Limbourg habe deswegen Ulrike Hiller und Frank Thewes gebeten, „eine unabhängige Betrachtung der Situation in der Arabischen Redaktion in Berlin und Bonn“ durchzuführen. Die SPD-Politikerin Hiller, zuletzt Staatsrätin in Bremen, und Thewes, Leiter des Bereichs Kommunikation des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), sind beide Mitglied im Rundfunkrat der Deutschen Welle.

Neue Basis für die erfolgreiche Arbeit

Die Arabisch-Redaktion zählt mit ihren insgesamt mehr als 200 Mitarbeitern laut DW-Angaben zu den erfolgreichsten Abteilungen des Senders. Online und auf den Social-Media-Kanälen verzeichnet die Statistik pro Monat jeweils über 400 Mio Abrufe. Die Fernsehsendung „Jaafar Talk“, ein von Jaafar Abdul Karim moderiertes Diskussionsformat für die Jugend in der arabischen Welt, verfolgen im Schnitt rund 7 Mio Zuschauer pro Folge.

Im Frühjahr 2018 hatte die Leitung des Senders eine Aufklärungskampagne gegen jegliche Form von Machtmissbrauch in allen Abteilungen und Redaktionen der Deutschen Welle gestartet und dazu aufgerufen, Verfehlungen oder Übergriffe zu melden. Daraufhin wurden unter anderem auch Vorwürfe gegen einen Moderator des Arabisch-Programms laut. Eine ägyptische Bloggerin berichtete in sozialen Medien, sie sei von ihm in seiner Wohnung belästigt worden. Die von DW-Intendant Peter Limbourg eingeleitete Untersuchung von Ulrike Hiller und Frank Thewes soll nun „eine neue Basis für die erfolgreiche Arbeit der Arabischen Redaktion“ schaffen, wie es hieß. Eine zeitliche Vorgabe für die Fertigstellung der Untersuchung gibt es der KNA-Meldung zufolge nicht.

08.06.2020 – MK

Print-Ausgabe 13-14/2020

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