Klaus Brinkbäumer und Jana Brandt neue MDR‑Programmdirektoren

21.12.2020 •

Beim Mitteldeutschen Rundfunk (MDR) wird der frühere „Spiegel“-Chefredakteur Klaus Brinkbäumer neuer Chef der Programmdirektion, die am Hauptsitz des MDR in Leipzig angesiedelt ist. An die Spitze der weiteren Programmdirektion, die am MDR-Standort in Halle angesiedelt ist, rückt Jana Brandt. Sie leitet bei dem öffentlich-rechtlichen Sender seit vielen Jahren die Hauptredaktion ‘Fernsehfilm, Serie und Kinder’, die Teil der Programmdirektion in Leipzig ist. Den Vorschlägen von MDR-Intendantin Karola Wille, Brinkbäumer und Brandt zu Programmdirektoren zu berufen, stimmte der MDR-Rundfunkrat in seiner Sitzung am 7. Dezember zu, die coronabedingt im Congress Center Leipzig stattfand.

Die beiden Direktorenpositionen bei der Drei-Länder-Anstalt für Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt mussten neu besetzt werden, weil zum einen Ende Juni 2020 Wolf-Dieter Jacobi überraschend erklärt hatte, mit sofortiger Wirkung die Leitung der Programmdirektion in Leipzig niederzulegen und den Sender zu verlassen (vgl. MK-Meldung). Die Programmdirektion wird seit Anfang Juli von Jacobis vorheriger Stellvertreterin Angela Tomschke kommissarisch geleitet. Tomschke ist Chefin der Hauptredaktion ‘Zentrale Programmkoordination und Sendeleitung’. Zum anderen wird die bisherige MDR-Programmdirektorin in Halle, Katja Wildermuth, am 1. Februar 2021 Intendantin beim Bayerischen Rundfunk (BR) in München. Wildermuth war im Oktober in der Nachfolge von Ulrich Wilhelm zur neuen Intendantin des BR gewählt worden (vgl. MK-Meldung).

„Digitale Transformationskompetenz“

Klaus Brinkbäumer und Jana Brandt wurden vom MDR-Rundfunkrat für jeweils fünf Jahre zu Programmdirektoren gewählt. Ihre Amtszeiten beginnen am 15. Januar 2021 und enden somit am 14. Januar 2026. Brinkbäumer, 53, erhielt im Rundfunkrat von den anwesenden 38 Mitgliedern des Gremiums 30 Ja-Stimmen; acht Mitglieder votierten gegen ihn. Brandt, 55, bekam 31 Ja- und sechs Nein-Stimmen (zudem gab es eine Enthaltung). Der MDR-Rundfunkrat hat insgesamt 43 Mitglieder, fünf nahmen nicht an der Sitzung am 7. Dezember teil.

Die MDR-Rundfunkratsvorsitzende Gabriele Schade erklärte, Klaus Brinkbäumer stehe „für Relevanz, Vielfalt und Qualität sowie für digitale Innovation“. Die Liste seiner Publikationen, Preise und Auszeichnungen beweise „seine jahrzehntelange erfolgreiche Tätigkeit als Medienmanager“. Jana Brandts erfolgreiche Arbeit als Hauptredaktionsleiterin ‘Fernsehfilm, Serie und Kinder’ zeige sich nicht zuletzt an zahlreichen Auszeichnungen im In- und Ausland, so Schade weiter.

MDR-Intendantin Karola Wille sagte, mit Klaus Brinkbäumer gewinne der Sender „einen exzellenten Journalisten mit langjähriger Führungserfahrung und digitaler Transformationskompetenz in der Medienbranche“. Jana Brandt habe, so Wille weiter, „eine große Fachkompetenz, Kreativität, kulturpolitische Expertise“. Sie sei „exzellent innerhalb der ARD sowie der Produktionswirtschaft vernetzt“. Und sie gehöre „zu den prägendsten Film- und Serienmacherinnen in Deutschland“.

In ihrer neuen Funktion als Programmdirektorin in Halle wird Jana Brandt beim MDR nicht mehr für die Produktion von Filmen und Serien zuständig sein; dies fällt dann in den Aufgabenbereich von Klaus Brinkbäumer. Die Programmdirektion in Halle verantwortet die crossmedial aufgestellten Bereiche ‘Kultur’ und ‘Wissen’ sowie außerdem die ‘Jungen Angebote’ des MDR, die Radiosender MDR Jump und MDR Klassik und die Klangkörper der Rundfunkanstalt.

Zuständigkeiten der Programmdirektionen

Die Programmdirektion in Leipzig ist zuständig für das Dritte Programm MDR Fernsehen, in dem auch Sendungen zu sehen sind, die von der Programmdirektion Halle verantwortet werden (etwa aus der Redaktion ‘Wissen und Bildung’). Zudem ist die Programmdirektion in Leipzig für die Online-Angebote von MDR-Fernsehsendungen, die Internet-Seite mdr.de und das Radioprogramm MDR aktuell verantwortlich. In die Zuständigkeit der Leipziger Direktion fallen noch Zulieferungen von Fernsehsendungen des MDR für das Erste Programm der ARD, für die von ARD und ZDF gemeinsam betriebenen Programme Kinderkanal (Kika) und Phoenix sowie für 3sat und Arte. Für den in Erfurt ansässigen Kika ist der MDR federführend zuständig.

Klaus Brinkbäumer, geboren am 27. Januar 1967 in Münster, volontierte beim Weltbild-Verlag und absolvierte Kurse am Institut zur Förderung publizistischen Nachwuchses (ifp), der Journalistenschule der katholischen Kirche. Bei Weltbild war er anschließend als Redakteur tätig, bevor er ein Studium aufnahm, das er aber nicht abschloss, weil er bei der Münchner „Abendzeitung“ als Sportreporter anfing. Später wurde Brinkbäumer Chefreporter des „Berliner Kuriers“ und dann Mitglied der „Focus“-Entwicklungsredaktion. Im Jahr 1993 wechselte Brinkbäumer als Redakteur zum „Spiegel“ nach Hamburg. Dort war er in verschiedenen Ressorts als Redakteur bzw. Reporter tätig und wurde in der Folge unter anderem mit dem Egon-Erwin-Kisch-Preis, dem Henri-Nannen-Preis und dem Deutschen Reporterpreis ausgezeichnet.

Vier Jahre lang berichtete Brinkbäumer für den „Spiegel“ auch aus New York, bevor er im Januar 2011 bei dem Nachrichtenmagazin Textchef und im September desselben Jahres stellvertretender Chefredakteur wurde. Von Januar 2015 bis August 2018 war Brinkbäumer „Spiegel“-Chefredakteur und Herausgeber von „Spiegel online“. Seit 2019 ist er unter anderem für die Wochenzeitung „Die Zeit“ als Autor, für den „Tagesspiegel“ als Kolumnist und als Buchautor tätig. Zusammen mit dem Dokumentarfilmer Stephan Lamby war Brinkbäumer zuletzt Autor der ARD-Dokumentation „Im Wahn – Donald Trump und die amerikanische Katastrophe“ (vgl. MK-Kritik).

Jana Brandt, geboren am 24. Januar 1965 in Potsdam, arbeitete ab 1983 beim Fernsehen des DDR in Berlin-Adlershof, bevor sie von 1984 bis 1988 in Leipzig Journalistik studierte. Brandt, Tochter des DEFA-Regisseurs Horst E. Brandt, wurde dann nach ihrem Studium Redakteurin in der Spielfilm-Abteilung des Fernsehens der DDR. Im Jahr 1991 kam Brandt als Redakteurin zur ARD-Filmgesellschaft Degeto in Frankfurt am Main. Im Juli 1999 wechselte sie zum MDR und übernahm dort die Leitung der Hauptredaktion ‘Fernsehfilm, Serie und Kinder’. Unter ihrer Verantwortung entstanden seitdem preisgekrönte ARD-Produktionen, darunter Filme wie „Nackt unter Wölfen“ und „Bornholmer Straße“, Mehrteiler wie „Der Turm“ und die Serie „Weissensee“.

21.12.2020 – vn/MK

Print-Ausgabe 1/2021

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