Katholischer Medienpreis für TV‑Dokumentation des RBB

31.08.2021 •

Mit dem Katholischen Medienpreis werden in diesem Jahr Journalisten der ARD, des Deutschlandradios und der „Süddeutschen Zeitung“ ausgezeichnet. Den nun erstmals vergebenen und mit 5000 Euro dotierten Hauptpreis erhalten die Filmautoren Carl Gierstorfer und Mareike Müller in der Kategorie „Fernsehen“ für ihre Dokumentation „Charité Intensiv: Station 43 – Glauben“, die vom Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB) produziert wurde. In der Kategorie „Radio“ geht der mit 2500 Euro dotierte Preis an Sebastian Friedrich für sein Feature „Der letzte Tag: Das Attentat von Hanau“, das gemeinsam von Deutschlandfunk Kultur, dem Westdeutschen Rundfunk (WDR) und dem Norddeutschen Rundfunk (NDR) realisiert wurde.

In der Kategorie „Printmedien“ wird Amonte Schröder-Jürss für ihre Reportage „Alle für einen“ ausgezeichnet, die im „Süddeutsche Zeitung Magazin“ veröffentlicht wurde. Das Preisgeld beträgt hier ebenfalls 2500 Euro. In der Kategorie „Internet“ wurde kein Preis verliehen. Mit dem undotierten Sonderpreis der Jury wird Christiane Lutz für ihren Beitrag „Wer’s glaubt“ ausgezeichnet, der ebenfalls im „Süddeutsche Zeitung Magazin“ erschienen ist. Die Deutsche Bischofskonferenz gab die Preisträger des Katholischen Medienpreises 2021 am 16. August bekannt. Die Verleihung der Auszeichnungen soll am 18. November im Museum für Kommunikation in Frankfurt am Main als sogenannte Hybrid-Veranstaltung stattfinden. Überreicht werden die Preise vom Vorsitzenden der Publizistischen Kommission der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Gebhard Fürst (Rottenburg-Stuttgart).

Geändertes Preisstatut

Laut einer Statutenänderung hat der Katholische Medienpreis seit diesem Jahr die vier Kategorien „Fernsehen“, „Radio“, „Internet“ und „Printmedien“. Zuvor gab es mit „Elektronische Medien“ (Fernsehen, Radio, Internet) und „Printmedien“ zwei Preiskategorien. Von den in den jeweiligen Kategorien benannten Preisträgern wird von der Jury nun auch ein Hauptpreisträger bestimmt. Der Katholische Medienpreis ist mit insgesamt maximal 12.000 Euro dotiert. Die Preissumme wird auf die einzelnen Kategorien aufgeteilt. Außerdem kann die Jury noch einen (undotierten) Sonderpreis vergeben. Insgesamt wurden für den diesjährigen Wettbewerb 214 Beiträge eingereicht (Fernsehen: 45; Radio: 45; Internet: 51; Printmedien: 73).

Mit dem Katholischen Medienpreis werden Beiträge prämiert, die auf das christliche Werteverständnis verweisen, das Verständnis für Menschen fördern und die das humanitäre und soziale Verantwortungsbewusstsein stärken. Der Preis wird von der Deutschen Bischofskonferenz zusammen mit der Gesellschaft Katholischer Publizisten Deutschlands (GKP) und dem Katholischen Medienverband (KM) vergeben. Der Katholische Medienpreis wird seit 2003 in der Nachfolge des Katholischen Journalistenpreises vergeben, der ab 1974 verliehen wurde.

In ihrer Dokumentation „Charité Intensiv: Station 43 – Glauben“ zeigen Carl Gierstorfer und Mareike Müller das Arbeiten, Leben und Sterben auf einer Corona-Intensivstation in der Berliner Charité. Der Film lenke, so die Jury, „den Blick ganz ohne Voyeurismus und reißerische Effekte auf die Menschen und Schicksale hinter den Corona-Zahlen“. Die halbstündige Dokumentation, die ohne Off-Kommentar auskommt, gebe „einen tiefen Einblick in den unendlich kräftezehrenden Seuchen-Alltag auf einer Intensivstation“. Der Film ist die letzte Folge der vierteiligen Dokumentarreihe „Charité Intensiv: Station 43“. Diese Folge wurde stellvertretend für die ganze Reihe mit dem Katholischen Medienpreis ausgezeichnet; Carl Gierstorfer und Mareike Müller sind auch die Autoren der weiteren, ebenfalls 30 Minuten langen Folgen. Ab Ende März waren die Filme zuerst in der ARD-Mediathek zu sehen; im April wurden sie auch im Dritten Programm RBB Fernsehen ausgestrahlt.

Beeindruckende O-Ton-Reportage

Sebastian Friedrich rekonstruiert in seinem Radiofeature „Der letzte Tag: Das Attentat von Hanau“ akribisch das Attentat vom 19. Februar 2020, als ein Neonazi aus rassistischen und ausländerfeindlichen Motiven mehrere Menschen in der hessischen Stadt tötete und weitere verletzte. Der sehr ruhige Erzählduktus der Reportage, die nur aus O-Tönen unmittelbar Betroffener und Angehöriger besteht, sei zutiefst beeindruckend, so die Jury: Das Feature sei „eine Mahnung zu einem friedlichen Miteinander aller Menschen, gleich welcher Herkunft, Nation oder Religion“. Der 55-minütige Beitrag wurde im Februar 2021 in den Programmen Deutschlandfunk Kultur, NDR Info und WDR 5 gesendet.

Amonte Schröder-Jürss erzählt in ihrer Reportage „Alle für einen“ die Geschichte des 61-jährigen, in Schwaben lebenden Hans Daiber, der mit einer kognitiven Behinderung geboren wurde. Als sein Vater starb, hätte er eigentlich in eine Einrichtung für behinderte Senioren umziehen müssen. Doch das wurde nicht nötig, weil sich ein ganzes Dorf um ihn kümmert. Schröder-Jürss zeichnet laut Jury „ein einfühlsames, zärtliches Bild einer Dorfgemeinschaft“ – ihr Text sei eine Reportage, „die Mut macht und eindrücklich darstellt, wie gelebte Nächstenliebe aussieht“. Erschienen ist der Beitrag am 15. Januar 2021 im „Süddeutsche Zeitung Magazin“. Dort wurde am 1. April 2021 auch der Beitrag „Wer’s glaubt“ von Christiane Lutz veröffentlicht, der den Sonderpreis der Jury erhielt. Lutz stellt in ihrem Text die Frage, warum es als modern gilt, Spiritualität beim Yoga zu finden, aber als albern, ein Vaterunser zu beten. Ihren Text würdigte die Jury als „ein herausragendes Beispiel dafür, wie in unserer Zeit eine ernsthafte Diskussion auch bei Kirchenfernen über Glauben und Religiosität angestoßen werden kann“.

Der Jury des Katholischen Medienpreises gehörten neben ihrem Vorsitzenden Bischof Gebhard Fürst acht weitere Mitglieder an. Dabei handelte es sich um folgende Personen: Katja Auer (Teamleiterin der Bayern-Redaktion der „Süddeutschen Zeitung“, München), Andrea Groß-Schulte (Chefredakteurin der Liborius-Verlagsgruppe, Hamm), Albert Herchenbach (früherer Chefredakteur der Familienzeitschrift „Stadtgottes“, Nettetal), Wolfgang Küpper (ehemaliger Leiter des BR-Programmbereichs ‘Religion und Orientierung’, München), Andreas Kuschbert (Chefredakteur beim „Heinrichsblatt“, Bamberg), Michaela Pilters (frühere Leiterin der ZDF-Redaktion „Kirche und Leben katholisch“, Mainz), Dagmar Reim (ehemalige Intendantin des RBB) und Katharina Zeckau (freie Journalistin unter anderem für den BR-Hörfunk und die „Medienkorrespondenz“).

31.08.2021 – vn/MK

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