Katholischer Medienpreis für den Dokumentarfilm „Land der Einzelkinder“

25.07.2020 •

Der Katholische Medienpreis geht in der Kategorie „Elektronische Medien“ (Fernsehen, Radio, Internet) in diesem Jahr an die beiden Filmautorinnen Nanfu Wang und Jialing Zhang. Die Auszeichnung erhalten sie für ihren Dokumentarfilm „Land der Einzelkinder“, eine internationale Koproduktion, an der auf deutscher Seite der WDR sowie der deutsch-französische Kultursender Arte beteiligt waren. In der Kategorie „Printmedien“ werden die beiden Journalisten Amrai Coen und Malte Henk ausgezeichnet für ihren Beitrag „Wenn sie euch nicht in den Jemen lassen, berichtet trotzdem!“. Darin geht es um den Krieg im Jemen. Der Artikel wurde in der Wochenzeitung „Die Zeit“ veröffentlicht. Den Sonderpreis der Jury erhält die Journalistin Veronika Wawatschek für ihren im Radio des Bayerischen Rundfunks (BR) gesendeten Beitrag „Kirche, was tust du? 10 Jahre Missbrauchsskandal und kein Ende“.

Die Deutsche Bischofskonferenz gab die Preisträger des Katholischen Medienpreises 2020 am 15. Juli bekannt. Die Preisverleihung ist am 12. November im Rheinischen Landesmuseum in Bonn. Überreicht werden die Preise vom Vorsitzenden der Publizistischen Kommission der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Gebhard Fürst (Rottenburg-Stuttgart). Die Auszeichnungen in den beiden Kategorien sind mit jeweils 5000 Euro dotiert, für den Sonderpreis gibt es 2000 Euro. Mit dem Katholischen Medienpreis werden laut Statut Beiträge prämiert, die auf das christliche Werteverständnis verweisen, das Verständnis für Menschen fördern und die das humanitäre und soziale Verantwortungsbewusstsein stärken. Der Preis wird von der Deutschen Bischofskonferenz zusammen mit der Gesellschaft Katholischer Publizisten Deutschlands (GKP) und dem Katholischen Medienverband (KM) vergeben.

Humanitäres Verantwortungsbewusstsein

In dem 85-minütigen Film „Land der Einzelkinder“ (englischer Originaltitel: „One Child Nation“) geht es um Chinas „Ein-Kind-Politik“, die 1979 eingeführt und 2015 beendet wurde. Die Autorinnen Nanfu Wang und Jialing Zhang, die beide Mitte der 1980er Jahre in China geboren wurden und heute zum Teil auch in den USA leben, zeigen in ihrem Film, wie rigoros die Ein-Kind-Politik in ihrem kommunistischen Heimatland durchgesetzt wurde. Sie befragten unter anderem eine Hebamme, die Tausende Frauen zwangssterilisiert und zigtausende Ungeborene bis zum siebten und achten Schwangerschaftsmonat abgetrieben oder Neugeborene getötet hat.

Laut Jury fördert der Film „in einer tiefgreifenden, außergewöhnlichen Recherche […] Nachtseiten des Menschen zutage: einfache Dorfbewohner als Marionetten ohne Moral“. Wang und Zhang zeigten in ihrem Film das kommunistische System, das „skrupelfrei fixiert auf sein Ein-Kind-Ziel“ gewesen sei. Zugleich thematisierten sie „die Mitverantwortung des Einzelnen“. Der Film, der „journalistisch, inhaltlich und ästhetisch auf höchstem Niveau“ sei, werbe „für humanitäres und soziales Verantwortungsbewusstsein als Grundlage und Voraussetzung für menschenwürdiges Zusammenleben“. Bei Arte wurde „Land der Einzelkinder“ am 22. Oktober 2019 ausgestrahlt. Beim Sundance Film Festival 2019 wurde der Film mit dem Hauptpreis ausgezeichnet.

Amrai Coen und Malte Henk, die Preisträger in der Kategorie „Printmedien“, konnten für ihren Beitrag über den Krieg im Jemen nicht vor Ort recherchieren, da ihnen die Einreise in das Land von den Behörden verweigert wurde. Mit Anrufen, via Internet und der Hilfe von Kollegen vor Ort ist Coen und Henk der Jury zufolge „eine Collage aus vielen Stimmen“ gelungen: „Es kommen nicht nur Vertreter beider Kriegsparteien zu Wort, sondern viele Menschen, die auf unterschiedliche Weise vom Krieg betroffen sind. Damit geben die Autoren Einblick in eine verschlossene Welt und tragen so dazu bei, dass die Menschen im Jemen nicht in Vergessenheit geraten.“ Mit dem Beitrag „Wenn sie euch nicht in den Jemen lassen, berichtet trotzdem!“ – veröffentlicht in der „Zeit“-Ausgabe vom 22. August 2019 – sei die humanitäre Katastrophe in dem Land offengelegt worden.

Eine nichts verschweigende Darstellungsweise

Bei dem mit dem Sonderpreis ausgezeichneten Beitrag „Kirche, was tust du? 10 Jahre Missbrauchsskandal und kein Ende“ handelt es sich um ein 53-minütiges Radiofeature, in dem die Autorin Veronika Wawatschek den Umgang der katholischen Kirche mit dem Missbrauchsskandal (ab Anfang 2010) aufarbeitet und dabei unter anderem der Frage nachgeht, wie hier zukünftig Prävention geleistet werden kann. Das Feature sei, so die Jury, „aufgrund der sachlich-fairen, akribisch recherchierten und nichts verschweigenden Darstellungsweise journalistisch herausragend“. Die Sendung wurde am 3. Januar 2020 im BR-Hörfunkprogramm Bayern 2 ausgestrahlt.

Für den Katholischen Medienpreis 2020 waren insgesamt 185 Beiträge eingereicht worden (2019: 239). In der Kategorie „Elektronische Medien“ gab es 102 Einsendungen, darunter 40 Fernseh-, 36 Radio- und 26 Internetbeiträge. Im Segment „Printmedien“ lagen 83 Texte vor.

Der Jury gehörten neben ihrem Vorsitzenden Bischof Gebhard Fürst acht weitere Mitglieder an. Dabei handelte es sich um Katja Auer (Teamleiterin der Bayern-Redaktion der „Süddeutschen Zeitung“, München), Andrea Groß-Schulte (Chefredakteurin der Liborius-Verlagsgruppe, Hamm), Albert Herchenbach (früherer Chefredakteur der Familienzeitschrift „Stadtgottes“, Nettetal), Wolfgang Küpper (ehemaliger Leiter der BR-Redaktion ‘Religion und Orientierung’, München), Andreas Kuschbert (Chefredakteur beim „Heinrichsblatt“, Bamberg), Michaela Pilters (frühere Leiterin der ZDF-Redaktion „Kirche und Leben katholisch“, Mainz), Dagmar Reim (ehemalige Intendantin des Rundfunks Berlin-Brandenburg/RBB) und Katharina Zeckau (freie Journalistin, unter anderem für den BR-Hörfunk und die „Medienkorrespondenz“).

25.07.2020 – vn/MK

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