Im WDR-Verwaltungsrat muss ein Platz nachbesetzt werden

12.11.2020 •

Für den Verwaltungsrat des Westdeutschen Rundfunks (WDR) wird ein neues Mitglied gesucht. Dazu hat der WDR-Rundfunkrat auf seiner Internet-Seite Anfang November eine öffentliche Ausschreibung veröffentlicht. Darin heißt es, „eine engagierte Persönlichkeit mit Bezug zu Nordrhein-Westfalen“ werde gesucht, „die sich als ehrenamtliches Mitglied des WDR-Verwaltungsrats für den WDR und seine Entwicklung einsetzen möchte“. Zuständig für die Vergabe des frei gewordenen Verwaltungsratsplatzes ist der Rundfunkrat des öffentlich-rechtlichen Senders. Der Verwaltungsrat überwacht beim WDR die wirtschaftlichen Belange der Geschäftsführung, dem Rundfunkrat obliegt die Programmkontrolle.

Alle fünf Jahre wählt beim in Köln ansässigen WDR der 60-köpfige Rundfunkrat insgesamt sieben sachverständige Mitglieder in den Verwaltungsrat. Scheidet ein Mitglied vorzeitig aus, ist der Rundfunkrat für eine Nachwahl zuständig. Die Mitglieder des Verwaltungsrats müssen, wie es im WDR-Gesetz heißt, „insgesamt Erfahrungen auf dem Gebiet der Medienwirtschaft, der Wirtschaftswissenschaften, der Wirtschaftsprüfung, der Personalwirtschaft, der Informations- oder Rundfunktechnologie sowie des Rechts aufweisen“.

Rückzug nach Übernahme von Landratsamt

Neben den sieben sachverständigen Mitgliedern gehören dem Verwaltungsrat noch zwei vom WDR-Personalrat entsandte Personen an. In dem insgesamt neunköpfigen Gremium ist nun der Platz nachzubesetzen, den bisher die Rechtsanwältin und CDU-Kommunalpolitikerin Silke Gorißen innehatte. Die 48-Jährige ist seit dem 1. November neue Landrätin des Kreises Kleve (Niederrhein). Ende September hatte sie sich in einer Stichwahl gegen den parteilosen Mitbewerber Peter Driessen durchgesetzt (der bisherige Landrat Wolfgang Spreen von der CDU hatte nicht wieder kandidiert und trat Ende Oktober in den Ruhestand).

Da sie das Amt der Landrätin übernommen hat, musste Gorißen ihre Mitgliedschaft im WDR-Verwaltungsrat niederlegen. Das WDR-Gesetz schreibt vor, dass unter anderem Wahlbeamte – wozu Bürgermeister und Landräte zählen – nicht dem Verwaltungsrat angehören dürfen. Im Oktober 2019 war Gorißen, die damals stellvertretende WDR-Rundfunkratsvorsitzende war, neben sechs weiteren sachverständigen Personen vom Rundfunkrat in den Verwaltungsrat gewählt worden, und zwar für dessen neue fünfjährige Amtsperiode. Für die sieben zu besetzenden Plätze hatte es zuvor erstmals eine öffentliche Ausschreibung gegeben, die damals online veröffentlicht wurde.

Mitte Dezember 2019 kam der neu zusammengesetzte WDR-Verwaltungsrat zu seiner konstituierenden Sitzung zusammen. Vorsitzende des Gremiums ist seitdem Claudia Schare, die Mitglied der SPD ist und früher Wissenschaftsjournalistin und stellvertretende Bezirksbürgermeisterin in Dortmund-Aplerbeck war. Stellvertretende Verwaltungsratsvorsitzende ist Roswitha Müller-Piepenkötter (CDU), die von 2005 bis 2010 nordrhein-westfälische Justizministerin war. (Vgl. zur Neukonstituierung des WDR-Verwaltungsrats diese MK-Meldung, diesen MK-Artikel und diese MK-Meldung.)

Für den nun nachzubesetzenden Verwaltungsratssitz können sich Interessenten bis zum 29. November beim WDR-Rundfunkrat bewerben. Sie müssen Kenntnisse aus mindestens einem der genannten fachlichen Bereiche nachweisen. Zudem müssen sie in einem Motivationsschreiben erläutern, warum sie sich bewerben. Nach dem derzeitigen Stand der Dinge will der Rundfunkrat in seiner Sitzung am 26. Januar 2021 die Wahl durchzuführen, um den freien Verwaltungsratssitz nachzubesetzen. Die Person, die ihn übernimmt, wird den Posten bis Dezember 2024 innehaben, wenn die derzeitige Amtszeit des Gremiums endet. Wahrscheinlich muss das neu zu wählende Verwaltungsratsmitglied dem konservativen Lager zuzurechnen sein, damit die Besetzung des Gremiums auch künftig den Absprachen zwischen den Freundeskreisen des Rundfunkrats entspricht, die bei der Neuwahl im Oktober 2019 getroffen worden waren.

12.11.2020 – vn/MK

Print-Ausgabe 24/2020

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