Hanns-Joachim-Friedrichs-Preis für Katrin Eigendorf, Carl Gierstorfer und das „ZDF Magazin Royale“

16.09.2021 •

Mit dem Hanns-Joachim-Friedrichs-Preis werden in diesem Jahr die ZDF-Journalistin Katrin Eigendorf und der Dokumentarfilm-Regisseur Carl Gierstorfer ausgezeichnet. Einen Sonderpreis erhält das „ZDF Magazin Royale“ mit Jan Böhmermann. Das gab das in Hamburg ansässige Sekretariat des Hanns-Joachim-Friedrichs-Preises am 15. September bekannt. Eigendorf und Gierstorfer erhalten die Auszeichnung für herausragende Reporter- bzw. Dokumentarfilmer-Leistungen in Brennpunkten aktuellen Geschehens.

Die ZDF-Reporterin und Filmemacherin Katrin Eigendorf sei, wie es zur Begründung der Preisvergabe heißt, „eine tragende Säule öffentlich-rechtlicher Krisenberichterstattung“. In den vergangenen Monaten habe sie „an der Front des Desasters in Afghanistan erneut ihren Mut, ihr Können und ihre authentische Empathie für die Opfer eines historischen Versagens“ bewiesen. Ihre nur wenige Wochen alte Reportage „Die Rückkehr der Taliban – Wohin steuert Afghanistan“, ausgestrahlt am 21. Juli im ZDF (Koautor: Nesar Fayzi), habe erneut gezeigt, dass sie „ein feines Gespür dafür“ habe, „was dem Land am Hindukusch, seinen Menschen und der westlichen Allianz damals bevorstand und mittlerweile seinen elenden Lauf nimmt“. Weiter heißt es in der Begründung: „Eigendorfs kenntnisreiche, ruhige Analysen live am Ort des Geschehens oder im Studio liefern zuverlässige Einordnungen des dramatischen Geschehens.“ Der Preis gehe an eine engagierte, mutige Journalistin mit dem Talent, in Geschichten und Begegnungen großes Geschehen erfahrbar zu machen.

Katrin Eigendorf, 59, ist seit 2018 internationale Reporterin des ZDF mit Schwerpunkten ihrer Berichterstattung in Afghanistan, Russland, der Ukraine und der Türkei sowie im Libanon und Irak. Bevor sie zum ZDF ging, arbeitete sie für den WDR, für RTL und Radio France. Neben ständiger aktueller Berichterstattung für die ZDF-Nachrichtensendungen „Heute“ und „Heute-Journal“ sowie für das ZDF-„Auslandsjournal“ entstanden immer wieder Filme von ihr für ZDF und Arte. (Der Film „Die Rückkehr der Taliban“ ist noch bis Oktober 2022 in der ZDF-Mediathek abrufbar.)

Die Pandemie und ihre Folgen

Carl Gierstorfer erhält den Hanns-Joachim-Friedrichs-Preis für seine Dokumentarproduktion „Charité intensiv: Station 43“. In der Hochzeit der Corona-Pandemie, zwischen Weihnachten 2020 und März 2021 hatte Gierstorfer auf der Corona-Intensivstation 43 der Berliner Charité gedreht. Es entstanden im Auftrag des Rundfunks Berlin-Brandenburg (RBB) parallel eine 45-minütige Dokumentation für die Reihe „Die Story im Ersten“ und eine vierteilige Reihe für die ARD-Mediathek. Zur Begründung für die Auszeichnung schreibt die Jury: „Beide Formate ragen heraus aus der fast flächendeckenden Corona-Berichterstattung. Der konsequent zurückhaltende, beobachtende, ‘dranbleibende’ Stil des Dokumentarfilmers entfaltet seine volle, überzeugende Wirkung. Gierstorfer war dafür drei Monate lang rund um die Uhr verfügbar, ging an seine physischen und psychischen Grenzen. So entsteht auch für Zuschauer ein bis an die Grenzen des Auszuhaltenden authentisches Bild der Pandemie und ihrer Folgen.“ (Die halbstündigen Folgen der vierteiligen Reihe „Charité intensiv“ stehen noch bis zum 1. April 2022 in der ARD-Mediathek zum Anschauen bereit.)

Carl Gierstorfer, Jg. 1975, ist seit 2006 freier Journalist und Dokumentarfilmer in Berlin. Er studierte Biologie am University College London und wurde danach zunächst Redakteur beim ZDF in der Redaktion ‘Naturwissenschaft und Technik’. Auf Dauer wollte er ohne Einbindung in eine Redaktion als freier Autor und Regisseur seine Filmideen verwirklichen. Dabei dreht er fast immer selbst und allein, um seinen Protagonisten nahe zu sein. Für seine jüngste Dokumentation über das Schicksal eines unkontaktierten Volkes drehte er über mehrere Jahre im peruanischen Amazonas (Veröffentlichung 2021/22).

„Ein einzigartiges Format“

Das Team vom „ZDF Magazin Royale“, so die Jury des Hanns-Joachim-Friedrichs-Preises, liefere „jede Woche eine fundiert recherchierte Sendung, die ein überraschendes Schwerpunktthema von vielen Seiten spiegelt und durch seine vielseitige Präsentation ein wichtiges Anliegen besonders jüngeren Zuschauerinnen und Zuschauern näher bringt“. Die Redaktion schaffe es, genaue Recherche mit ungewöhnlichen, oft satirischen Darstellungsformen zu verbinden und habe so „ein in der deutschen Medienszene einzigartiges Format geschaffen“. Mit dem Sonderpreis für das „ZDF Magazin Royale“ möchte die Jury, wie sie betonte, „die Fernsehverantwortlichen ausdrücklich ermuntern, neue Formate zu entwickeln, zu fördern und zuzulassen, um – neben den wichtigen klassischen Sendeformen – mit neuen Angeboten jüngere Zuschauerinnen und Zuschauer anzusprechen, die für das Fernsehen schon verloren schienen“.

Der Hanns-Joachim-Friedrichs-Preis ist mit insgesamt 7500 Euro dotiert (dreimal 2500 Euro). Er wird seit 1995 jährlich vom Verein zur Verleihung des Hanns-Joachim-Friedrichs-Preises für Fernsehjournalismus verliehen. Im vorigen Jahr musste die Preisverleihungsveranstaltung aufgrund der Corona-Beschränkungen ausfallen. In diesem Jahr ist geplant, dass die Verleihung am 4. November beim WDR in Köln stattfindet.

16.09.2021 – da/MK

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