Hanns-Joachim-Friedrichs-Preis für BBC‑Journalistin Emily Maitlis und ZDF‑Korrespondent Ulf Röller

13.11.2020 •

Der Hanns-Joachim-Friedrichs-Preis geht in diesem Jahr an die BBC-Journalistin Emily Maitlis und den ZDF-Korrespondenten Ulf Röller. Ein Sonderpreis wird an die NDR-Reporter Nadia Kailouli und Jonas Schreijäg verliehen. Das gab das in Hamburg ansässige Sekretariat des Hanns-Joachim-Friedrichs-Preises am 11. November bekannt.

Emily Maitlis, 50, moderiert seit 2012 beim Fernsehprogramm BBC 2 das Nachrichtenformat „Newsnight“. Mit ihr werde eine BBC-Journalistin ausgezeichnet, schrieb die Jury, „die durch ihre Profession und durch ihre persönliche Haltung in herausragender und beeindruckender Weise die Werte einer Institution verkörpert, die den deutschen Rundfunk der Nachkriegszeit und seine Journalisten tief geprägt haben: Unabhängigkeit, kritische Distanz zu Staat und Parteien, Überparteilichkeit.“ Diese hohen Standards der British Broadcasting Corporation (BBC) seien auch Hanns Joachim Friedrichs, der bei der BBC sein journalistisches Handwerk erlernt hat, zur Richtschnur für seine journalistischen Überzeugungen geworden, hieß es in der Jury-Begründung weiter. Emily Maitlis leiste mit ihrer einordnenden Art der Moderation wichtige Aufklärung und werde so „dem Anspruch an einen unabhängigen Journalismus in besonderem Maße gerecht“.

Rundfunkanstalten unter politischem Druck

Die Jury schrieb auch: „Unter politischem Druck neigen öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalten, so auch die BBC, zur Anpassung.“ Umso wichtiger seien Journalisten, „die sich weder durch Politiker noch durch eine instrumentalisierte Öffentlichkeit von ihren journalistischen Standards abbringen“ ließen. Emily Maitlis sei „ein vorbildliches Beispiel dafür“.

Den ZDF-Korrespondenten Ulf Röller, 56, und sein Team zeichnete die Jury „für deren höchst präzise, umsichtige und unter schwierigsten Umständen erarbeiteten Filme und Analysen aus China und Hongkong“ aus. Röller habe als einer der ersten ausländischen Fernsehjournalisten aus der wegen der Corona-Pandemie kaum zugänglichen chinesischen Stadt Wuhan berichtet. Seine Beobachtungen und die Bilder seines Teams hätten „abseits der offiziellen Informationspolitik der chinesischen Regierung erste realitätsnahe Einschätzungen über die Auswirkungen der Pandemie auf das Leben der Bevölkerung“ gegeben. Röller sei ein „Korrespondent, der der verantwortungsvollen Abwägung den Vorzug gibt“ und nicht das schnelle Urteil suche. Seine große Erfahrung gebe „seinen Analysen der Rolle Chinas als herausfordernde Weltmacht eine besondere Qualität“.

Filmische Dokumentation über die Preisträger

Die beiden NDR-Reporter Nadia Kailouli und Jonas Schreijäg erhalten den Sonderpreis für ihre außergewöhnlichen und eindrücklichen Dokumentarfilmaufnahmen vom Flüchtlingsrettungsschiff „Sea-Watch 3“. Ihr Film sei eine „große Dokumentation selbst-beherrschter, sich immer wieder selbst überprüfender Journalisten“ geworden, so die Jury: „In seiner klugen Unaufdringlichkeit und seiner deswegen so wirkungsvollen Komposition öffnet der Film die Sinne zum Verständnis.“ Der 45‑minütige Film „Die Reise der Sea-Watch“ war am 5. August vorigen Jahres im Dritten Programm NDR Fernsehen im Rahmen der Reihe „Panorama – Die Reporter“ ausgestrahlt worden (vgl. MK-Kritik).

Der Hanns-Joachim-Friedrichs-Preis ist mit insgesamt 7500 Euro dotiert. Er wird seit 1995 jährlich vom Verein zur Verleihung des Hanns-Joachim-Friedrichs-Preises für Fernsehjournalismus verliehen. In diesem Jahr, dem 25. Jahr des Bestehens der Auszeichnung, muss die Preisverleihungsveranstaltung aufgrund der Corona-Beschränkungen entfallen. Stattdessen sendet das NDR Fernsehen am 20. November (Freitag) um 0.00 Uhr eine 45‑minütige filmische Dokumentation über die Preisträger. Anschließend wird noch einmal der Film über die „Sea-Watch 3“ gezeigt.

13.11.2020 – da/MK

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