Geändertes Telemedienkonzept des ZDF in Kraft getreten

04.12.2020 •

Beim ZDF ist nach Abschluss des Drei-Stufen-Tests das geänderte Telemedienkonzept des öffentlich-rechtlichen Senders in Kraft getreten. Die brandenburgische Staatskanzlei habe am 25. September mitgeteilt, dass rechtsaufsichtlich an dem Prüfverfahren nichts zu bestanden gewesen sei, erklärte das Büro des ZDF-Fernsehrats auf MK-Nachfrage. Somit gilt seit diesem Tag das modifizierte, vom Fernsehrat gebilligte Telemedienkonzept des ZDF, das nun das im Jahr 2010 verabschiedete Konzept in bestimmten Punkten ändert bzw. ergänzt; so kann der Sender nun auch Formate ausschließlich für die Verbreitung im Netz produzieren („Online-Only“).

Im Juli dieses Jahres hatte der ZDF-Fernsehrat das vom Sender vorgelegte modifizierte Telemedien­konzept einstimmig genehmigt (vgl. auch diese MK-Meldung). In das Konzept wurden dabei auch Änderungen aufgenommen, die auf Anregungen des Fernsehrats zurückgingen. Dabei ging es unter anderem um die Barrierefreiheit von ZDF-Angeboten im Netz (Gebärdensprache, Untertitel, Audiodeskription) und um längere Abrufzeiträume für Wissens- und Bildungsinhalte in der Mediathek („Verweildauer“). Mit der Verabschiedung des überarbeiteten ZDF-Telemedienkonzepts wurde der im September 2019 eingeleitete Drei-Stufen-Test abgeschlossen.

Die Mediathek stärken

Als Telemedien werden Internet-Angebote und auch der Videotext von Fernsehsendern bezeichnet. Die Staatskanzlei des Landes Brandenburg hat derzeit die Rechtsaufsicht über das ZDF. Nach Abschluss eines Drei-Stufen-Tests bei einem öffentlich-rechtlichen Sender muss laut Medienstaatsvertrag die zuständige Rechtsaufsicht prüfen, ob das Verfahren ordnungsgemäß abgelaufen ist. Sofern es keine Einwände gibt, kann das genehmigte Tele­medienkonzept gültig werden.

Das ZDF will, wie aus dem modifizierten Telemedienkonzept hervorgeht, das nun auf der Internet-Seite des Fernsehrats abrufbar ist, Online-Only-Inhalte in seiner Mediathek „zu einer neuen, wertvollen Option“ machen. Dabei gehe es aber nicht darum, solche Inhalte zu einem wesentlichen Bestandteil der Angebote auszubauen. Vielmehr will das ZDF bei Online-Only-Inhalten auf einzelne Leuchtturmprojekte setzen, die auch für Aufmerksamkeit auf Drittplattformen wie YouTube sorgen sollen. Beispielhaft verweist das ZDF in seinem geänderten Telemedienkonzept auf Clips für „History 360 Grad“, auf Kultur- und Wissensformate und auf mögliche Web-Serien, die vergleichbar wären mit den (linear ausgestrahlten) Serien „Familie Braun“ oder „Just push Abuba“.

Das ZDF und YouTube

Durch das geänderte Telemedienkonzept will das ZDF vor allem seine eigene Mediathek stärken. Die Ausweitung der Abrufzeiträume für fiktionale Inhalte sei diesbezüglich „von hoher Erfolgsrelevanz für die Entwicklung der ZDF-Mediathek“. Hinzu komme, dass es dadurch auch „eine stärkere Chancengleichheit“ mit US-amerikanischen Streaming-Anbietern gebe. Die ZDF-Mediathek soll aber nicht eine reine Videoabspielplattform sein, sondern für die Nutzer in Abgrenzung zu kommerziellen Wettbewerbern auch auf „Partizipation und Teilhabe“ setzen. Wie dieses Ziel konkret erreicht werden soll, bleibt im Konzept aber eher vage. Verwiesen wird etwa auf Bildungsinhalte, Partnerschaften mit Institutionen, eine engere Verkopplung der Bürgerdialog-Reihe „ZDF in…“ mit der Mediathek und auf die freie Verwendung von bestimmten ZDF-Inhalten aufgrund von Creative-Commons-Lizenz.

Um jüngere Zielgruppen zu erreichen, will das ZDF stärker bei YouTube vertreten sein. Was Informationsinhalte anbelangt, sollen auch „zielgruppengerechte Formate“ entwickelt werden, die sowohl über YouTube als auch auf der ZDF-Website (Rubrik „ZDF Heute“) abrufbar sein sollen. Auf Drittplattformen sollen außerdem auch verstärkt Angebote für Kinder („ZDFtivi“) verbreitet werden. Der ZDF-Fernsehrat war im Juli zu dem Ergebnis gekommen, dass „die verbesserte Erreichbarkeit der Zielgruppen durch die geplante Verbreitung der Telemedienangebote über Drittplattformen aus journalistisch-redaktionellen Gründen geboten und damit als publizistisch sinnvoll zu bewerten ist“.

04.12.2020 – vn/MK

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