Fußball-EM und -WM: Sendergremien stimmen Rechtedeal von ARD und ZDF mit der Telekom zu

10.05.2021 •

Im März hatten ARD und ZDF mit der Deutschen Telekom einen Rechtevertrag abgeschlossen, der den öffentlich-rechtlichen Sendern doch noch ermöglicht, einen großen Teil der Spiele von der Fußball-Europameisterschaft 2024 zu übertragen. Von dem in Deutschland stattfindenden Turnier werden ARD und ZDF zusammen durch eine Sublizenzierung der Telekom insgesamt 34 der 51 EM-Begegnungen live zeigen können. Vom europäischen Fußballverband Uefa hatte die Telekom 2019 den Zuschlag für die Live-Rechte an allen 51 EM-Spielen erhalten und damals ARD und ZDF ausgestochen (vgl. diese MK-Meldung und diese MK-Meldung).

Den Rechtevertrag zwischen den Sendeanstalten und der Telekom haben nun die Aufsichtsgremien in der ARD, die hier zustimmen mussten, gebilligt. Das bestätige die ARD-Pressestelle am 10. Mai auf MK-Nachfrage. Beim ZDF ist es gemäß den Regularien generell so, dass der Verwaltungsrat Sportrechteverträge nicht genehmigen muss. Dem Gremium legt der Intendant solch gewichtige Verträge zur Kenntnisnahme vor. Seitens des ZDF-Verwaltungsrats hat es, wie zu erfahren war, bezüglich des Rechtevertrags mit der Telekom zur EM 2024 keine Bedenken gegeben. Der ZDF-Fernsehrat hat bei Sportrechteverträgen keine Zuständigkeiten.

ARD und ZDF zahlen zusammen 150 Mio Euro

ARD und ZDF zahlen für die Übertragungsrechte an der EM 2024 nach MK-Informationen insgesamt rund 150 Mio Euro an die Deutsche Telekom. Weder ARD und ZDF noch die Telekom wollten sich zu den finanziellen Konditionen äußern und verwiesen auf die vertraglich vereinbarte Vertraulichkeit. Zu den 34 Begegnungen der EM 2024, die im öffentlich-rechtlichen Fernsehen zu sehen sein werden, gehören 22 Gruppenspiele, darunter das Eröffnungsspiel, sowie sechs Achtelfinalpartien, drei Viertelfinalbegegnungen, die beiden Halbfinals und das Endspiel. Alle Begegnungen der deutschen Mannschaft werden bei ARD und ZDF zu sehen sein. Der Rechtevertrag beinhaltet auch, dass ARD und ZDF in Zusammenfassungen über sämtliche 51 EM-Spiele in all ihren Fernsehprogrammen und Online-Angeboten berichten können. Die ARD hat sich zudem eine umfassende Audioberichterstattung von der Fußball-EM 2024 gesichert.

Die Live-Rechte an den übrigen 17 Partien im Free-TV erwarb RTL, ebenfalls über eine Sublizenzierung von der Telekom. Der Privatsender wird 14 Spiele der Gruppenphase, zwei Achtelfinalpartien und ein Viertelfinale übertragen. Hinzu kommt noch ein Highlight-Rechtepaket, das eine sender- und plattformübergreifende zusammenfassende Berichterstattung über alle EM-Spiele erlaubt. Wie viel Geld RTL für diese Rechte an den Telekommunikationskonzern zahlt, ist bisher nicht bekannt. Die Telekom wird alle 51 EM-Partien über ihre kostenpflichtige IPTV-Plattform Magenta TV übertragen.

Der Rechtevertrag zur Fußball-Europameisterschaft 2024 zwischen den öffentlich-rechtlichen Sendern und der Deutschen Telekom ist gewissermaßen ein Paketdeal. Denn quasi im Gegenzug erhielt die Telekom von den öffentlich-rechtlichen Sendern, ebenfalls über eine Sublizenzierung, umfangreiche Live-Rechte an den zwei kommenden großen Fußballturnieren: der bevorstehenden EM, die wegen der Corona-Pandemie vom vorigen auf dieses Jahr verlegt wurde und die am 11. Juni 2021 startet, und an der Weltmeisterschaft 2022 in Katar. Die Übertragungsrechte an der nächsten Europameisterschaft hatten sich ARD und ZDF 2018 gesichert; die WM-Rechte hatten die Anstalten bereits 2014 erworben.

Deutsche Telekom zahlt insgesamt 50 Mio Euro

Von den 51 Spielen der kommenden Fußball-EM, die die Telekom über Magenta TV zeigen kann, sind dort zehn exklusiv zu sehen; dabei handelt es sich um zehn der insgesamt 36 Gruppenspiele. Auch von der WM 2022 in Katar sind über Magenta TV alle 64 Begegnungen zu sehen, davon 16 Spiele exklusiv. ARD und ZDF übertragen also im Sommer von der EM nur 41 Spiele und von der WM 2022 in Katar nur 48 Partien, wobei aber stets alle Spiele der deutschen Mannschaft neben Magenta TV auch im öffentlich-rechtlichen Fernsehen zu sehen sind.

Für die Sublizenzen an der bevorstehenden EM zahlt die Telekom nach MK-Informationen rund 15 Mio Euro an ARD und ZDF. Im Fall der WM 2022 sind es rund 35 Mio Euro, die die öffentlich-rechtlichen Sender von dem Konzern erhalten. Die Telekom zahlt also insgesamt 50 Mio Euro. Auch diese Rechtekosten wollten ARD, ZDF und die Telekom nicht kommentieren. Das gesamte Fußball-Rechtegeschäft zwischen den öffentlich-rechtlichen Sendern und der Telekom bedeutet unter dem Strich, dass ARD und ZDF 100 Mio Euro an die Telekom zahlen. Dafür erhalten sie doch noch Live-Rechte an der EM 2024 in Deutschland, können aber nicht alle Spiele von den drei kommenden großen Fußball-Turnieren übertragen. Sämtliche Partien von der EM in diesem Sommer, der WM 2022 und EM 2024 sind nur auf der Telekom-Plattform Magenta TV zu sehen.

10.05.2021 – Volker Nünning/MK

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