Fußball-EM 2024: ARD und ZDF an Sublizenzen interessiert

12.11.2019 •

Nachdem die Deutsche Telekom den Kauf der Übertragungsrechte an der Fußball-Europameisterschaft 2024 in Deutschland bestätigt hat, haben ARD und ZDF sich interessiert an Sublizenzrechten gezeigt. Die ARD sei „weiterhin bereit, zu wirtschaftlich und programmlich akzeptablen Bedingungen Übertragungsrechte am Turnier zu erwerben, um der EM 2024 ihrer gesellschaftlichen Bedeutung entsprechend die größtmögliche Verbreitung in Deutschland zu geben“, erklärte der ARD-Vorsitzende Ulrich Wilhelm (BR-Intendant).

ZDF-Intendant Thomas Bellut verwies auf das weiterhin bestehende Interesse seines Senders, „die EM 2024 in irgendeiner Form im Programm zu haben“. Man bleibe für „Gespräche mit den neuen Rechteinhabern offen“. Um den Erwerb der Übertragungsrechte an der Europameisterschaft 2024 hatten auch ARD und ZDF über ihre gemeinsame Rechteagentur SportA mitgeboten; sie kamen aber nicht zum Zuge.

Die RTL-Gruppe will zunächst erst einmal abwarten, „welche Lizenzierungspläne die Telekom überhaupt verfolgt“, erklärte ein Unternehmenssprecher. Er verwies ferner darauf, die Sendergruppe sehe sich mit ihren Übertragungsrechten von WM- und EM-Qualifikationsspielen der deutschen Fußball-Nationalmannschaft, von Partien der Europa League und von den Rennen der Formel 1 sowie mit Berichterstattungsrechten von der Fußball-Bundesliga „so gut aufgestellt wie nie zuvor“. Der Discovery-Konzern, zu dem der Spartenkanal Eurosport gehört, wollte sich auf Nachfrage nicht konkret zur Fußball-EM 2024 äußern. Allgemein erklärte ein Sprecher der Discovery Communications Deutschland GmbH, Discovery prüfe fortlaufend Sportrechte, „die für das Unternehmen attraktiv sind und für unsere Zuschauer einen Mehrwert darstellen“.

EM-Rechte an Deutsche Telekom vergeben

Die Deutsche Telekom hatte am 23. Oktober mitgeteilt, vom europäischen Fußballverband Uefa die exklusiven Übertragungsrechte an den 51 Spielen der Europameisterschaft erworben zu haben. Das Turnier wird im Sommer 2024 in zehn deutschen Städten ausgetragen. Bereits im September war durchgesickert, dass die Telekom vor dem Abschluss des Rechtedeals stehe (vgl. MK-Meldung). „Wir sind stolz, die EM im eigenen Land als der Partner der Uefa bei Magenta TV und Magenta Sport zeigen zu können“, erklärte Michael Hagspihl, bei der Telekom Geschäftsführer für den Privatkunden-Bereich. „Wir werden unser technisches Know-how nutzen, um allen Zuschauern ein einmaliges und innovatives Fußballerlebnis zu bieten“, so Hagspihl. Laurent Epstein, Marketing-Direktor der Uefa, zeigte sich davon überzeugt, dass die Tele­kom, wie er in deren Mitteilung zitiert wurde, „ihren großen Beitrag“ leisten werde, die EM „zu einem bleibenden Erlebnis für alle Fans in Deutschland zu machen“.

Die Deutsche Telekom betreibt die kostenpflichtige Streaming-Plattform Magenta TV, über die auch das Zusatzangebot Magenta Sport buchbar ist. Bei Magenta Sport sind bereits Übertragungen von Partien der dritten Fußball-Liga, der Basketball-Bundesliga und der Deutschen Eishockey Liga (DEL) zu sehen. Über Magenta TV sind auch die öffentlich-rechtlichen und private Programme zu empfangen. Außerdem können über die Plattform Inhalte aus der ZDF-Mediathek sowie von den öffentlich-rechtlichen Sendern produzierte Serien und Filme direkt abgerufen werden. Seit dem 15. Oktober können Magenta-Kunden über ein Kombi-Paket auch den Streaming-Anbieter Netflix abonnieren.

Medienrechtliche Vorgaben

Aktuell hat die Telekom nach eigenen Angaben 3,5 Mio Magenta-Kunden. Der börsennotierte Konzern, an dem der Bund direkt und indirekt insgesamt rund 32 Prozent der Aktien hält, hat sich zum Ziel gesetzt, die Kundenzahl für sein Magenta-Angebot signifikant zu erhöhen. Innerhalb von zwei bis drei Jahren wolle man 5 Mio Kunden haben, also 1,5 Mio mehr als heute, erklärte Dirk Wössner, der im Telekom-Vorstand das Deutschlandgeschäft verantwortet, gegenüber der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ (Ausgabe vom 28. Oktober). Der Manager verwies darauf, dass für die Telekom „auch die Bundesliga-Rechte generell interessant“ seien. Es bleibt indes abzuwarten, ob die Telekom bei der Vergabe der TV-Rechte an der Fußball-Bundesliga wirklich mitbieten wird. Die Deutsche Fußball-Liga (DFL) wird voraussichtlich im Frühjahr oder Frühsommer 2020 die Rechte für die neue Periode (ab der Saison 2021/22) vergeben.

Was die Fußball-EM 2024 angeht, kann die Deutsche Telekom nach eigener Darstellung alle Begegnungen des Turniers „über ihre TV- und Streaming-Plattformen anbieten“. Die EM-Spiele würden „in Deutschland flächendeckend für die gesamte Gesellschaft zugänglich sein“. Die Partien der deutschen Nationalmannschaft sowie weitere Spiele würden frei empfangbar sein. Das gelte auch für die Halbfinalspiele und das Finale, so der Konzern weiter. Geprüft werde zudem „eine mögliche Sublizenzierung an einen Free-TV-Partner“. Wie viel Geld die Telekom für die EM-Rechte 2024 an die Uefa zahlt, gab der Konzern nicht bekannt. Hierüber sei Stillschweigen vereinbart worden.

Laut dem Rundfunkstaatsvertrag müssen von einer Fußball-Europameisterschaft bestimmte Spiele „in einem frei empfangbaren und allgemein zugänglichen Fernsehprogramm“ übertragen werden. Dazu gehören sämtliche Partien der deutschen Elf sowie das Eröffnungsspiel, die Halbfinalbegegnungen und das Finale. Als allgemein zugängliches Fernsehprogramm wird im Staatsvertrag ein Programm definiert, „das in mehr als zwei Drittel der Haushalte tatsächlich empfangbar ist“.

12.11.2019 – vn/MK

Print-Ausgabe 24/2019

Inhalt

Abonnement

Jetzt abonnieren