Fußball-Bundesliga-Rechte gehen ab 2021/22 an Sky, DAZN, ARD, ZDF und Sat 1

07.07.2020 •

Die Deutsche Fußball-Liga (DFL) hat aus dem Verkauf der Übertragungsrechte an der Bundes­liga (Fernsehen, Internet, Audio) auch in der neuen Rechteperiode ab August 2021 wieder einen Milliardenbetrag erlöst. In den vier Spielzeiten von 2021/22 bis 2024/25 wird die DFL durchschnittlich 1,1 Mrd Euro pro Saison einnehmen, so dass sich der Gesamterlös in der Rechteperiode auf 4,4 Mrd Euro belaufen wird. Das erklärte DFL-Geschäftsführer Christian Seifert am 22. Juni in Frankfurt am Main im Rahmen einer Online-Pressekonferenz, nachdem er zuvor die Mitgliederversammlung der 36 Profiklubs der ersten und zweiten Bundesliga über die Ergebnisse des Rechteverkaufs informiert hatte.

Daran, welche Sender hierzulande künftig live und in Zusammenfassungen über die erste und zweite Liga berichten können, wird sich ab August 2021 nicht viel ändern. Bei Sky Deutschland und DAZN werden, was den Pay-TV-Bereich angeht, weiterhin die Live-Übertragungen zu sehen sein. Als Interessenten für die Live-Rechte waren vor der Auktion auch Amazon und die Deutsche Telekom gehandelt worden.

Die ARD und das ZDF können auch künftig in Zusammenfassungen über die Spiele berichten. Sport 1 bleibt ebenfalls als Rechteinhaber dabei und sicherte sich zusätzlich Live-Rechte an der zweiten Liga. Sat 1 – das ist die zentrale Neuerung – erhielt die Live-Rechte an mehreren Erstliga-Spielen fürs Free-TV. Dieses Rechtepaket besitzt bis zum Ablauf der Saison 2020/21 noch das ZDF, das hier somit von Sat 1 ausgestochen wurde. Keines der Unternehmen, das von der DFL Rechte erwarb, machte zu deren Kosten Angaben.

Sinkende Rechteerlöse

Die Vergabe der Rechte fand über eine Auktion im Zeitraum vom 8. bis 19. Juni statt. Die Übertragungsrechte für Medienunternehmen im Ausland werden zu einem späteren Zeitpunkt vergeben. Im Vergleich zur aktuellen Rechteperiode (Spielzeiten 2017/18 bis 2020/21) fallen die Einnahmen, die die Klubs ab August 2021 aus der inländischen Rechtevermarktung erzielen werden, etwas geringer aus, wenn man die im Jahr 2016 veröffentlichten Erlöszahlen heranzieht. Damals bezifferte die DFL die Einnahmen aus dem Rechteverkauf auf durchschnittlich 1,159 Mrd Euro pro Saison (vgl. MK-Meldung).

Doch diese Einnahmen wird die DFL voraussichtlich nicht mehr erzielen. Für die kommende Saison 2020/21 war vertraglich vereinbart worden, dass die Vereine von den Rechteinhabern insgesamt 1,35 Mrd Euro aus der inländischen TV-Vermarktung bekommen. DFL-Chef Seifert erklärte nun in Frankfurt, dass sich „aufgrund einiger Entwicklungen im Markt“ dieser Geldbetrag mit „sehr großer Wahrscheinlichkeit“ nicht mehr erzielen lasse. Ob die Einnahmen um 150 Mio auf 1,2 Mrd Euro sinken werden – womit intern die DFL infolge der Coronakrise laut einem Bericht des Magazins „Kicker“ kalkuliert –, dazu wollte sich Seifert öffentlich nicht abschließend äußern. „Wir arbeiten daran“, sagte er, „dass es mehr sind als 1,2 Mrd Euro.“ Dieser Sondereffekt der Erlösminderung für die Saison 2020/21 ist bei einem Vergleich der Einnahmen zwischen der aktuellen und der künftigen Rechteperiode zu berücksichtigen.

Den nun erzielten Erlös aus der Rechtevergabe für die nächste Periode ab August 2021 nannte DFL-Chef Seifert vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie ein „ordentliches Ergebnis“. Man nehme nun finanziell „einen kleinen Rücksetzer“ hin, doch die Vereine erhielten Planungssicherheit bis zum Jahr 2025. Die Rechtevergabe bedeute aber auch, „dass einige den Gürtel enger schnallen müssen, nicht nur die Klubs, sondern auch die Spieler und Berater“, sagte Seifert. Vor der DFL-Auktion war – und das lag nicht allein an der Coronakrise – ohnehin nicht erwartet worden, dass die Rechteeinnahmen noch einmal ansteigen würden. Im aktuellen Vierjahreszeitraum hatte die DFL die Rechteerlöse gegenüber der Vorperiode deutlich erhöhen können.

Überlebenswichtig für Sky

Ab der Saison 2021/22 wird Sky Deutschland 200 der 306 Erstliga-Spiele live und exklusiv übertragen. Dabei handelt es sich um alle Begegnungen am Samstagnachmittag und das Topspiel am Samstagabend (Anstoß: 18.30 Uhr). Die Begegnungen am Samstagnachmittag zeigt Sky weiterhin auch in einer Konferenz. Übertragen werden von dem Pay-TV-Sender außerdem die vier Relegationsspiele zur ersten und zweiten Liga sowie die Super-Cup-Begegnung zwischen dem Deutschen Meister und dem DFB-Pokalsieger (diese fünf Spiele sind auch im Free-TV bei Sat 1 zu sehen).

Für Sky war es gewissermaßen überlebenswichtig, jetzt wieder den Zuschlag zu erhalten, nachdem der Sender ab der Saison 2021/22 keine Spiele der Champions League mehr übertragen kann – diese Rechte holten sich für vier Spielzeiten DAZN und Amazon. Die Rechte an der Europa League und dem neuen Klubwettbewerb Europa Conference League besitzt fürs Free-TV wie fürs Pay-TV ab der Saison 2021/22 die RTL-Gruppe (vgl. MK-Meldung). Inhaber der Pay-TV-Rechte an der Europa League ist aktuell noch DAZN, über die Free-TV-Rechte dafür verfügt bereits die RTL-Gruppe.

Die übrigen 106 Erstliga-Partien, die in der neuen DFL-Rechteperiode freitags und sonntags stattfinden (montags wird es dann keine Begegnungen mehr geben), sind bei DAZN zu sehen – davon 103 exklusiv (drei Freitagsspiele sind auch im Free-TV bei Sat 1 zu sehen). DAZN zeigt seit der gerade beendeten Saison 2019/20 die 30 Erstliga-Spiele am Freitagabend und die jeweils fünf Partien, die am Sonntagmittag und Montagabend stattfinden. Diese Übertragungsrechte übernahm der Streaming-Anbieter im Juli 2019 vom TV-Spartensender Eurosport über eine Sublizenzierung (vgl. MK-Meldung). DAZN kann somit ab der Saison 2021/22 seinen Rechteumfang deutlich ausweiten.

In der neuen Rechteperiode sind bei Sky außerdem pro Saison alle 306 Begegnungen der zweiten Liga live zu sehen, davon 272 exklusiv. Das Topspiel der zweiten Liga – das künftig nicht mehr montags-, sondern samstagsabends ab 20.30 Uhr angepfiffen wird – überträgt ebenfalls Sport 1 im Free-TV. Neben diesem Live-Paket, das insgesamt 33 Spiele pro Saison umfasst, erhielt Sport 1 von der DFL erneut den Zuschlag für Bundesliga-Zusammenfassungen (Ausstrahlungszeit am Sonntag zwischen 6.00 und 15.00 Uhr). Außerdem erwarb Sport 1 noch das Recht, online Highlight-Clips über den abgelaufenen Bundesliga-Spieltag zu zeigen (ab der Nacht von Sonntag auf Montag).

Das Saisonauftaktspiel der zweiten Liga wird künftig nicht nur von Sky im Pay-TV, sondern auch von Sat 1 im Free-TV gezeigt. Dieses Spiel ist Teil des Rechtepakets, das sich Sat 1 nun gesichert hat. Es enthält noch acht weitere Begegnungen. Dabei handelt es sich neben dem freitäglichen Eröffnungsspiel, der Freitagspartie am letzten Spieltag der Hinrunde und dem freitäglichen Rückrundenauftakt der ersten Liga noch – wie schon erwähnt – um die vier Relegationsspiele zur ersten und zweiten Liga sowie die Super-Cup-Begegnung. Nachdem sich Sat 1 2003 aus der Bundesliga-Berichterstattung („ran“) verabschiedet hatte, kehrt der Sender im Sommer 2021 mit Live-Übertragungen zurück.

Auch Sport 1 und Springer dabei

Das ZDF, das dieses Live-Paket an Sat 1 verliert, kann auch künftig im „Aktuellen Sportstudio“ am späteren Samstagabend über die Bundesliga berichten, inklusive der ersten zusammenfassenden Berichterstattung im Free-TV über das Topspiel der ersten Liga am Samstagabend, das um 18.30 Uhr angepfiffen wird. Wie Sport 1 erwarb auch das ZDF noch Highlight-Rechte an den Bundesliga-Spielen für den Online-Bereich (die Clips dürfen in der Nacht von Sonntag auf Montag online gestellt werden). Auch die ARD kaufte dieses Paket, das somit von der DFL an insgesamt drei Sender vergeben wurde.

Ein weiteres Rechtepaket für den Online-Bereich zu den Spielen der ersten und zweiten Liga sicherte sich der Springer-Konzern. Dabei geht es um Highlight-Clips, die im Netz als Bezahlangebote direkt nach dem Abpfiff der Partien verbreitet werden können. An Springer ging außerdem das erstmals ausgeschriebene „Digital-out-of-Home“-Paket zur Nutzung von Bewegtbildern der Spiele auf digitalen Außenwerbeflächen, die etwa in Bahnhöfen aufgestellt sind. Zu den Rechteinhabern für die Bundesliga-Berichterstattung in der neuen Periode gehört nicht mehr die RTL-Gruppe, die bislang noch am Montagabend in ihrem Free-TV-Sender Nitro über die Spieltage der ersten und zweiten Liga berichtet. Dieses Paket hatte die DFL für den neuen Rechtezeitraum nicht erneut ausgeschrieben.

Die ARD kann auch ab der Saison 2021/22 in der „Sportschau“ am Samstagabend im Ersten über die Bundesliga und die zweite Liga berichten, vor allem über die Erstliga-Spiele am Samstagnachmittag und das Freitagsspiel. Zusammenfassungen der Erstliga-Partien am Sonntag kann die ARD ebenfalls weiter zeigen (sie laufen aktuell in der „Sportschau“ am Sonntag, die ab 21.45 Uhr in den Dritten Programmen der ARD ausgestrahlt wird). Zusätzlich erwarb die ARD erstmals das Paket zur zusammenfassenden Berichterstattung von Zweitliga-Begegnungen, die am Freitag und Sonntag stattfinden. Über die Sonntagsspiele kann die ARD gemäß den DFL-Regularien an diesem Tag im Zeitfenster von 18.45 bis 21.15 Uhr berichten. Sonntags sendet die ARD im Ersten von 18.30 bis 19.20 Uhr die „Sportschau“.

ARD kauft komplette Audio-Rechte

Die ARD sicherte sich darüber hinaus beide von der DFL im Audio-Bereich ausgeschriebenen Rechtepakete. Neben dem UKW-Paket, das traditionell bei der ARD liegt („ARD-Bundesliga-Konferenz“), kommt ab der Saison 2021/22 noch das Paket für die Live-Berichterstattung über die Bundesliga-Spiele via Internetradio hinzu. Im aktuellen Zeitraum liegen die Live-Rechte fürs Web beim US-Konzern Amazon, der offenbar kein Interesse mehr hatte, hier erneut zum Zuge zu kommen.

Die Live-Rechte fürs Internet wird die ARD sicherlich auch dafür nutzen, um den geplanten Ausbau von sportschau.de und der dazu gehörenden „Sportschau“-App voranzutreiben (vgl. dazu diese MK-Meldung). Die ARD wolle, wie sie auf MK-Nachfrage erklärte, in Sachen Fußball-Bundesliga „gerade für die jungen Zielgruppen, attraktive crossmediale Audio-Live-Angebote“ entwickeln. Die nun von der ARD erworbenen Live-Rechte fürs Netz gelten im Übrigen auch für den Hörfunkstandard DAB plus. Auch in die DAB-plus-Programme werde man künftig die Fußball-Bundesliga integrieren, so die ARD weiter.

07.07.2020 – vn/MK