Fusion im TV-Produktionsmarkt: Banijay kauft Endemol Shine

22.11.2019 •

Die französische Banijay Group hat das TV-Produktionsunternehmen Endemol Shine übernommen. Das gab die Banijay Group am 26. Oktober in einer Mitteilung bekannt. Durch den Zusammenschluss von Banijay und Endemol Shine entsteht nun einer der größten internationalen TV-Produktionskonzerne. Banijay bezifferte den Gesamtumsatz des fusionierten Unternehmens für das Jahr 2019 auf insgesamt rund 3 Mrd Euro. Nach Abschluss der Übernahme würden, wie es weiter hieß, zur Banijay Group fast 200 auf 23 Länder verteilte Produktionsfirmen gehören, die die Rechte für rund 100.000 Stunden Programm besäßen, darunter etwa die an den Kochshows „Masterchef“ und „Kitchen Impossible“, der Quizshow „Wer wird Millionär?“, der Musikshow „The Masked Singer“ und der Reality-Show „Big Brother“.

Die Großübernahme steht noch unter dem Vorbehalt, dass sie von den zuständigen Kartellbehörden genehmigt wird. Außerdem gebe es auch noch Gespräche mit den Arbeitnehmervertretungen. Endemol Shine mit Hauptsitz in Amsterdam entstand 2015 durch den Zusammenschluss der niederländischen Firma Endemol, der britischen Shine Group und der US-amerikanischen Firma Core Media. Zuletzt gehörte Endemol Shine zwei US-amerikanischen Unternehmen: dem Disney-Konzern und dem Finanzinvestor Apollo Global Management, die jeweils 50 Prozent der Anteile hielten. Im Sommer 2018 war bekannt geworden, dass Endemol Shine zum Verkauf steht. Der Verkaufsprozess hat sich somit über mehr als ein Jahr hingezogen.

Zwei-Milliarden-Euro-Deal

Banijay machte keine Angaben dazu, wie viel Geld das Unternehmen für den Erwerb von Endemol Shine bezahlt. Medienberichten zufolge wird der Kaufpreis auf rund 2 Mrd Euro taxiert, wobei Schulden in Höhe von 1,75 Mrd Euro darin enthalten sein sollen, die Endemol Shine aufgetürmt hat. Den Erwerb von Endemol Shine will Banijay nach eigener Darstellung über zwei Maßnahmen finanzieren, zum einen über eine Kapitalerhöhung bei der Banijay Group und zum anderen über Kredite. In der Mitteilung von Banijay heißt es, die Deutsche Bank, das Unternehmen Natixis (die Investmentgesellschaft der französischen Genossenschaftsbanken) und die französische Großbank Société Générale hätten „die für diese Übernahme erforderlichen Finanzschulden übernommen“.

Nach Abschluss der Endemol-Shine-Transaktion wird die Banijay Group zu 67,1 Prozent im Besitz der Holdinggesellschaft LDH des französischen Medienunternehmers Stéphane Courbit sein. Er hatte Anfang 2008 zusammen mit Partnern die Produktionsfirma Banijay gegründet. Zuvor war er bereits mehrere Jahre in Frankreich im TV-Produktionsgeschäft aktiv, unter anderem als Chef des französischen Ablegers von Endemol. Die übrigen 32,9 Prozent der Banijay Group hält künftig der französische Medienkonzern Vivendi. Bisher ist LDH mit 68,6 Prozent an Banijay beteiligt, Vivendi mit den übrigen 31,4 Prozent.

LDH wiederum wird auch künftig mehrheitlich Courbits Investitionsfirma LOV gehören. Neben der auch im Mediengeschäft aktiven italienischen Firmengruppe De Agostini, dem einzigen bisherigen Partner, holte Stéphane Courbit nun aber noch einen zweiten Gesellschafter als zusätzlichen Finanzier mit ins Boot: die Investmentfirma Fimalac des französischen Unternehmers Marc Ladreit de Lacharrière. Künftig wird LDH zu 52 Prozent im Besitz von Courbit sein; 36 Prozent hält dann De Agostini und die verbleibenden 12 Prozent Fimalac.

Verbesserte globale Marktposition

Die Übernahme von Endemol Shine werde die Position von Banijay „auf dem globalen Markt sofort stärken“, erklärte Marco Bassetti, Chief Executive Officer (CEO) der Banijay Group, laut der Unternehmensmitteilung. Endemol Shine habe „eine unglaubliche Auswahl an branchenführenden Talenten, weltweit bekannten Marken und hochwertigen kreativen Inhalten“, so Bassetti, der seit 2013 CEO von Banijay ist und zuvor in Italien als Fernseh­produzent arbeitete. Sophie Turner Laing, CEO von Endemol Shine, sagte, der Zusammenschluss sorge dafür, dass ein neues „globales Content-Haus mit vielen Möglichkeiten“ entstehe.

Welche Auswirkungen die Übernahme von Endemol Shine durch Banijay nun auf das Deutschlandgeschäft der französischen Produktionsgruppe hat, bleibt abzuwarten. Ob also die Firma Endemol Shine Germany und deren Markenname fortbestehen werden, ist unklar. Die deutschen Produktionsaktivitäten von Banijay, die in Köln gebündelt sind, verantwortet seit Anfang August 2018 Marcus Wolter (vgl. MK-Meldung). Er war zuvor von 2015 bis 2017 Geschäftsführer von Endemol Shine Germany und davor ab 2008 Geschäftsführer von Endemol Deutschland. Als Wolter im Sommer 2018 zu Banijay wechselte, beteiligte er sich über seine Firma Woltertainment auch mit 10 Prozent an der Banijay Germany GmbH.

Dieses Unternehmen ist die Muttergesellschaft der Firmen Banijay Productions Germany GmbH und Good Times Fernsehproduktions-GmbH. Die beiden in Köln ansässigen Unternehmen gehören vollständig zu Banijay. Als Banijay im Juni 2019 die Firma Good Times von deren Gründerin Sylvia Fahrenkrog-Petersen übernahm, wurde Banijay damit auch zum Produzenten von Drittanbieter-Sendungen beim Privatsender Sat 1. Seit 2017 verfügt Good Times bei Sat 1 über eine Drittanbieter-Lizenz (vgl. MK-Artikel). Fahrenkrog-Petersen ist seit dem Verkauf ihrer Firma an Banijay weiterhin Geschäftsführerin von Good Times.

Stefan Raab als Banijay-Investor

Teil des Deutschlandgeschäfts von Banijay ist außerdem noch das Unternehmen Brainpool TV, das ebenfalls in Köln angesiedelt ist. Hier war die Banijay Germany GmbH bis Mai 2019 mit 50 Prozent beteiligt und übernahm dann die Mehrheit an Brainpool. Möglich wurde dies, weil zu dem Zeitpunkt der Rechtsstreit um den Verkauf des Brainpool-Anteils von Stefan Raab (12,5 Prozent) an Banijay beendet wurde. Gegen diesen Anteilsverkauf hatte sich Brainpool-Gründer Jörg Grabosch längere Zeit vor Gericht gewehrt, schließlich aber seinen Widerstand aufgegeben.

Stefan Raab ist nun weiterhin, allerdings indirekt, an Brainpool beteiligt. Ihm gehören inzwischen 10 Prozent der Banijay Germany GmbH, der Dachgesellschaft für das Deutschlandgeschäft von Banijay. Raab, der sich Ende 2015 als TV-Moderator zurückgezogen hatte (vgl. MK-Artikel), ist inzwischen – wie Marcus Wolter – mit 10 Prozent an der Banijay Deutschland GmbH beteiligt. Das hatte die Kommission zur Ermittlung der Konzentration im Medienbereich (KEK) bekannt gemacht, als sie im September dieses Jahres die Übernahme des Sat-1-Drittanbieters Good Times durch Banijay billigte.

22.11.2019 – vn/MK

Print-Ausgabe 24/2019

Inhalt

Abonnement

Jetzt abonnieren