Florian Hager zum neuen HR‑Intendanten gewählt

11.12.2021 •

Neuer Intendant des Hessischen Rundfunks (HR) in Frankfurt wird der stellvertretende ARD-Programmdirektor Florian Hager. Der 45-Jährige, der auch Channel-Manager der ARD-Mediathek ist, wurde vom 32-köpfigen HR-Rundfunkrat in dessen Sitzung am 3. Dezember zum Nachfolger von Manfred Krupp gewählt.

Ende Februar 2022 gibt Krupp das Intendantenamt nach einer sechsjährigen Amtsperiode ab und tritt im Alter von dann 66 Jahren in den Ruhestand. Im HR-Rundfunkrat, dem aktuell 17 Frauen und 15 Männer angehören, konnte sich Florian Hager nun beim zweiten Wahltermin gegen die HR-Betriebsdirektorin Stephanie Weber durchsetzen. Er erhielt im ersten Wahlgang 18 Stimmen, für Weber votierten 14 Mitglieder. Die 50-jährige Juristin leitet seit Januar 2021 die Betriebsdirektion des HR, zuvor war sie Verwaltungs- und Betriebsdirektorin beim Saarländischen Rundfunk (SR).

Beim ersten Wahltermin am 29. Oktober hatten im Rundfunkrat in drei Wahlgängen weder Weber noch Hager eine Mehrheit erhalten. Beide Kandidaten bekamen jeweils 16 Stimmen – es blieb bis zum Schluss bei dieser Pattsituation (vgl. MK-Meldung). Da es laut der Geschäftsordnung des Rundfunkrats keinen vierten Wahlgang mehr geben durfte, wurde die Intendantenwahl somit auf die nächste Sitzung am 3. Dezember vertagt, so dass es hier einen neuen Anlauf gab. Beide Kandidaten hielten dafür ihre Kandidatur aufrecht und traten wieder an. Ende September waren von der vom HR-Rundfunkrat eingesetzten zehnköpfigen Findungskommission Stephanie Weber und Florian Hager als Kandidaten für die Intendantenwahl nominiert worden (vgl. MK-Meldung). Für das Besetzungsverfahren hatte der Rundfunkrat außerdem eine Personalberatungsfirma eingeschaltet.

Zukunftsfähigkeit des Senders sichern

Florian Hager übernimmt nun am 1. März 2022 das Intendantenamt beim Hessischen Rundfunk für die Dauer von fünf Jahren. Seine Amtszeit läuft dann also bis Ende Februar 2027. Der Rundfunkrat legt die Dauer der Amtszeit fest, die laut HR-Gesetz zwischen fünf und neun Jahren betragen kann. Der Vorsitzende des HR-Rundfunkrats, Rolf Müller, erklärte nach der Intendantenwahl, es hätten mit Stephanie Weber und Florian Hager „zwei hervorragende Persönlichkeiten“ zur Wahl gestanden. Dem Rundfunkrat sei „die Wahl zwischen den zwei Kandidaten nicht leichtgefallen“. Mit Blick auf den kommenden HR-Intendanten Florian Hager sagte Müller: „Als Gründungsgeschäftsführer von Funk, stellvertretender ARD-Programmdirektor und Channel-Manager der ARD-Mediathek bringt er die Expertise mit, um den Herausforderungen des digitalen Medienzeitalters zu begegnen, den Umbau des HR hin zu einem modernen Medienunternehmen weiter voranzubringen und so die Zukunftsfähigkeit des HR zu sichern.“

Florian Hager verwies nach seiner Wahl zum künftigen HR-Intendanten darauf, dass sich die Sendeanstalt „in den letzten Jahren konsequent auf den Weg zu einem digitalen Medienunternehmen begeben“ habe. Für die Zukunftsfähigkeit des HR werde es nun wichtig sein, „diesen Weg auch unter immer schwierigeren finanziellen Vorzeichen im Dialog mit den Mitarbeitenden und den Menschen in Hessen gemeinsam weiterzugehen“. Hager weiter: „Nur mit einer starken regionalen Vernetzung und einem eigenständigen Programmangebot werden wir es schaffen, mit unseren Inhalten auch über die Landesgrenzen hinweg auf allen Ausspielwegen sicht- und auffindbar zu sein.“

Angespannte finanzielle Lage

Um die Zukunftsfähigkeit des Hessischen Rundfunks zu sichern, spielen die Finanzen des Senders die zentrale Rolle. Und hier hat der HR bereits seit längerem kaum größere Spielräume, damit wird auch Florian Hager als neuer Intendant zu kämpfen haben. In den vergangenen Jahren wiesen die handelsrechtlichen Jahresabschlüsse der Rundfunkanstalt stets Defizite im hohen zweistelligen Millionenbereich aus, was dem Sender zufolge vor allem auf steigende Rückstellungen für die Altersvorsorge der HR-Mitarbeiter infolge der anhaltenden Niedrigzinsphase zurückzuführen ist. Für 2022 plant der Hessische Rundfunk mit einem Haushalt, der handelsrechtlich einen Fehlbetrag von rund 81 Mio Euro vorsieht. Der HR-Rundfunkrat genehmigte in seiner Sitzung am 3. Dezember den Haushaltsplan für das kommende Jahr.

Im operativen Geschäft, in dem Faktoren wie die Rückstellungen für die Altersvorsorge ausgeklammert sind, konnte der HR zuletzt immer noch mit einem Plus abschließen. Dass dennoch die finanzielle Lage weiter angespannt bleibt, machte der HR-Verwaltungsratsvorsitzende Armin Clauss deutlich. Anlässlich der Verabschiedung des HR-Haushalts für 2022 im Rundfunkrat erklärte Clauss: „Der Hessische Rundfunk wird sich weiter verändern müssen, um seinen öffentlich-rechtlichen Auftrag erfüllen zu können. Das wird nur gelingen, wenn wir wirtschaftlich handeln, nicht nur beim Haushalt 2022, sondern darüber hinaus auch bei der mittelfristigen Finanzplanung, die über die nächste Beitragsperiode hinaus die Mindestliquidität sichert.“

Wenn Florian Hager im März 2022 die Leitung des Hessischen Rundfunks übernimmt, wird er der 45-Jährige der zweitjüngste Intendant seit Bestehen der Sendeanstalt sein (der erste Senderchef Eberhard Beckmann war bei Antritt der Position 41 Jahre alt). Hager studierte in Stuttgart Medientechnik, Informatik und Multimedia. Anschließend war er ab 2002 Redakteur beim damaligen Doku-Kanal des ZDF (der 2009 in das Programm ZDFneo umgewandelt wurde). Parallel zu seiner beruflichen Arbeit studierte Hager noch Publizistik und Filmwissenschaft in Mainz und Paris. 2006 wurde er Referent von Gottfried Langenstein, der damals beim ZDF Direktor Europäische Satellitenprogramme war und später zusätzlich Präsident des deutsch-französischen Kulturkanals Arte wurde.

Im Jahr 2009 wechselte Hager dann zu Arte nach Straßburg. Bei dem deutsch-französischen Sender arbeitete er in verschiedenen Positionen, bevor er 2012 stellvertretender Programmdirektor und Hauptabteilungsleiter Programmplanung TV + Web wurde. 2015 wurde Hager Gründungsgeschäftsführer von Funk, dem gemeinsam von ARD und ZDF veranstalteten Online-Angebot für 14- bis 29-Jährige, das am 1. Oktober 2016 startete. Anfang 2020 wurde er dann mit Sitz in München Channel-Manager der ARD-Mediathek und stellvertretender ARD‑Programmdirektor (vgl. MK-Meldung).

11.12.2021 – Volker Nünning/MK

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