Facebook News startet im Mai 2021 mit zahlreichen deutschen Verlagen

30.03.2021 •

Der US-amerikanische Konzern Facebook will im Mai in einem eigenen Bereich unter dem Namen „Facebook News“ seinen deutschen Nutzern Nachrichtenmeldungen von hiesigen Verlagen zugänglich machen. Das teilte Facebook Anfang März mit. Zu den teilnehmenden Unternehmen gehören beispielsweise die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ (FAZ), die „taz“, die Wochenzeitung „Die Zeit“, das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ und der Verlag Gruner+Jahr, der unter anderem die Zeitschrift „Stern“ herausgibt. Facebook-Nutzer können bereits seit langem über den „Newsfeed“ auch auf Artikel zugreifen, die von Verlagen auf der Plattform gepostet bzw. verlinkt werden.

Deutschland ist nun das dritte Land, in dem Facebook News gestartet wird. In den USA wurde das Angebot nach einer rund siebenmonatlichen Testphase im Juni 2020 für alle Nutzer freigeschaltet; verfügbar sind dort Beiträge aus zum Beispiel den Zeitungen „Washington Times“, „Los Angeles Times“ und „The Wall Street Journal“ sowie von CBS News und dem Wirtschaftsdienst Bloomberg. In Großbritannien gibt es Facebook News seit Januar 2021; angeboten werden Artikel etwa der Zeitungen „Guardian“, „The Independent“ und „Daily Mirror“ wie auch zahlreicher regionaler Zeitungen und des Wirtschaftsmagazins „The Economist“. Facebook News soll demnächst auch in Frankreich eingeführt werden. Indien und Brasilien stehen darüber hinaus auf der Liste der Länder, in denen es das Angebot in absehbarer Zeit geben soll.

Zeitungshäuser erhalten Lizenzgebühr

Facebook News soll in Deutschland, wie der Konzern mitteilte, „eine Mischung aus kuratierten und personalisierten Nachrichten“ bieten, „um Menschen mit informativen, zuverlässigen und relevanten Informationen zu versorgen“. Angeboten würden die wichtigsten Schlagzeilen und Geschichten des Tages. Außerdem erhielten die Facebook-Nutzer Hinweise auf Beiträge, „die auf ihre persönlichen Interessen zugeschnitten sind, basierend auf den Nachrichten, die sie lesen, teilen und abonnieren“. Über Facebook News werden nicht die kompletten Artikel der Zeitungen bzw. Verlage zu lesen sein; auf deren Portale wird entsprechend verlinkt.

Facebook zahlt den teilnehmenden Verlagen eine Lizenzgebühr, wenn sie zu von ihnen bereits auf der Plattform veröffentlichten Nachrichten zusätzliche Inhalte bei Facebook News anbieten. Außerdem ergäben sich für die Verlage aus Sicht von Facebook „weitere Möglichkeiten, um aus Traffic Werbeeinnahmen und Abonnements zu generieren“. Wie die finanziellen Konditionen dafür genau ausfallen, dazu machte der Konzern keine Angaben. Ebenfalls unklar ist, wie hoch der Gesamtbetrag pro Jahr ist, der über Facebook News an die Verlage ausgeschüttet werden soll.

In Großbritannien zahlt Facebook den Verlagen nach eigener Darstellung, „viele Millionen Pfund, um sie in das Angebot von Facebook News aufzunehmen“. Was Deutschland angeht, sieht Facebook in dem neuen Angebot einen ähnlichen wertvollen Vorteil für die teilnehmenden Verlage wie beispielsweise in den USA: So hätten Studien zur Nutzung von Facebook News in den USA ergeben, dass mehr als 95 Prozent der Zugriffe, die Verlage über Facebook News erhielten, die bereits im Newsfeed generierten Zugriffe ergänzten. Ziel von Facebook News sei es, „Verlage und Redaktionen in Deutschland dabei zu unterstützen, neue Leser zu gewinnen, ihre Inhalte zu monetarisieren und ihr Geschäftsmodell langfristig und nachhaltig auszubauen“.

„Die absolute Dominanz der Plattformen“

Die „Süddeutsche Zeitung“ ist zum Start von Facebook News nicht dabei, genauso wie der Springer-Konzern, der unter anderem das Boulevardblatt „Bild“ und die Tageszeitung „Die Welt“ herausgibt. Der Springer-Vorstandsvorsitzende Mathias Döpfner hat in der Vergangenheit mehrfach die Marktmacht von Facebook und Google kritisiert und ein Eingreifen der Politik gefordert. Zuletzt schrieb er Ende Januar in einem offenen Brief an die EU-Kommissionsvorsitzende Ursula von der Leyen, der in der „Welt“ abgedruckt wurde, mit Blick auf die beiden amerikanischen Tech-Konzerne: „Die absolute Dominanz der Plattformen bedeutet zugleich auch perspektivisch das fast völlige Verschwinden der Vielfalt journalistischer und künstlerischer und kommerzieller Angebote.“

Mit der bisherigen Resonanz der Verlage zu Facebook News ist man jedenfalls bei Facebook zufrieden: „Wir freuen uns, bereits in der Anfangsphase zahlreiche Verlage für die Zusammenarbeit gewonnen zu haben und werden bei der Einführung von Facebook News in Deutschland im Laufe des Jahres weitere Partner bekannt geben“, erklärte Jesper Doub, Director News Partnerships Europe bei Facebook. Bevor Doub 2018 zu Facebook kam, arbeitete er ab 2014 in verschiedenen kaufmännischen Leitungspositionen bei der „Spiegel“-Gruppe.

Mit Facebook News will der von Mark Zuckerberg geleitete Konzern nach eigenen Angaben auch denjenigen Nutzern der Plattform etwas bieten, die dort journalistische Artikel lesen wollen. Diesen Anteil der Nutzer beziffert Facebook auf Basis eigener Umfragen, wie Jesper Doub erklärte, auf 20 bis 29 Prozent – was nicht so hoch erscheint, als dass deswegen zwingend Facebook News hätte eingeführt werden müssen. Mit dem neuen Nachrichtenangebot könnte es Facebook insofern eher darum gehen, das Image des Konzerns aufzupolieren, dem auch hierzulande in den vergangenen Jahren regelmäßig vorgeworfen wurde, gerade von der Verbreitung von Gerüchten und Falschmeldungen sowie auch von Hass- und Hetzparolen über seine Plattform wirtschaftlich zu profitieren.

Was Facebooks eigentliche Ziele sein könnten

Zudem könnte es ein Interesse von Facebook sein, die Kritik an der eigenen Marktmacht aus den Reihen der Verlage abzuschwächen – wobei die an Facebook News teilnehmenden Unternehmen dadurch ihre Unabhängigkeit sicherlich nicht eingeschränkt sehen, so wie dies etwa „taz“-Vorstandsmitglied Anne Fromm im Blog der Zeitung erklärte: „Die Summen, die Facebook und Google uns zahlen, sind nicht so hoch, dass wir von ihnen abhängig werden könnten. Auch werden weder Google noch Facebook Einfluss auf unsere Berichterstattung haben. Sie stellen lediglich die Plattform für unsere Texte. Und die nutzen wir schon lange.“

Bei den Medienunternehmen, die zum Start von Facebook News im Mai dabei sind, handelt es sich neben den bereits erwähnten fünf („FAZ“, „taz“, „Zeit“, „Spiegel“, Gruner+Jahr) noch um die 26 folgenden Beteiligten: „Tagesspiegel“, DDV Mediengruppe („Sächsische Zeitung“), RP Digital („Rheinische Post“), Funke-Mediengruppe, Neue Pressegesellschaft („Fränkischer Tag“), Nordwest-Medien, Handelsblatt Media Group, Heise Medien, Ippen Digital, Mediengruppe Oberfranken, Morgenpost-Verlag, Olympia Verlag („Kicker“), Motor Presse Stuttgart, Promiflash, Promipool, Res Publica Verlag, Spektrum-Verlag, Mediasports Digital („Spox“), Sport 1 Medien, Sport Media Group, Condé Nast, Marquard Media International, Online-Magazin Utopia, Verlagsgruppe Passau, Verlagsgruppe Rhein-Main (VRM) und Yeebase mit dem Portal t3n.de.

30.03.2021 – vn/MK

Print-Ausgabe 7/2021

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