Facebook News mit mehr als 30 deutschen Medienunternehmen gestartet

29.06.2021 •

Bei Facebook gibt es nun mit „Facebook News“ einen eigenen Bereich, über den deutsche Nutzer des sozialen Netzwerks Nachrichtenmeldungen aus den Angeboten von hiesigen Verlagen lesen können. Seit dem 18. Mai seien „mehr als 100 beliebte Medienmarken“ mit Beiträgen verfügbar, teilte der US-amerikanische Konzern mit. Zum Start waren insgesamt 34 Medienunternehmen vertreten, darunter größtenteils Presseverlage, die nun teilweise mit mehreren Titeln bei Facebook News gelistet sind. Als Facebook im März das neue Angebot ankündigte, hatte das Unternehmen auf 26 Partner verwiesen (vgl. MK-Meldung).

„Wir freuen uns, zusätzlich zu den bereits vor einigen Wochen angekündigten Verlagen mit weiteren neuen Partnern im Rahmen von Facebook News in Deutschland zusammenzuarbeiten“, erklärte Jesper Doub, Director News Partnerships Europe bei Facebook. Er verwies darauf, dass nun auch die Südwestdeutsche Medienholding mit beispielsweise der „Süddeutschen Zeitung“ und der Regionalzeitung „Stuttgarter Nachrichten“ und der Springer-Konzern unter anderem mit den Marken „Bild“, „Welt“ und „Business Insider“ bei Facebook News dabei seien. Am 17. Mai hatten Springer und Facebook eine umfassende Kooperation vereinbart, die vor allem vorsieht, dass Inhalte aus Publikationen des deutschen Medienkonzerns über Facebook „vermehrt in verschiedenen Angeboten der Plattform verbreitet werden“.

Die Rolle des Springer-Konzerns

Zu den Unternehmen, die sich bei Facebook News beteiligen, gehören außerdem zum Beispiel die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ (FAZ), die „taz“, der „Tagesspiegel“, die Wochenzeitung „Die Zeit“, das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ und der Verlag Gruner+Jahr, der unter anderem die Zeitschrift „Stern“ herausgibt. Ferner sind neben den „Stuttgarter Nachrichten“ weitere Regionalzeitungen vertreten, darunter die Blätter „Potsdamer Neueste Nachrichten“, „Westdeutsche Allgemeine Zeitung“, „Lausitzer Rundschau“, „Passauer Neue Presse“, „Frankfurter Neue Presse“ und „Emder Zeitung“. Hinzu kommen noch Magazine und Online-Medien für bestimmte Zielgruppen, wie etwa die „Wirtschaftswoche“, das Online-Magazin utopia.de oder das Portal t3n.de.

Auch nach dem Start von Facebook News können interessierte Medienunternehmen weiterhin Partnerschaften mit Facebook abschließen, um bei dem neuen Nachrichtenangebot aufgenommen zu werden. Bereits seit langem können Facebook-Nutzer über den „Newsfeed“ auch auf Presseartikel zugreifen; über Facebook News werden den Nutzern jetzt aber „kuratierte und personalisierte Nachrichten“ angeboten. Bei Facebook News gibt es die wichtigsten Schlagzeilen und Geschichten des Tages ebenso wie Nachrichten, die laut Facebook auf den Interessen der Nutzer basieren, also darauf, was sie lesen, teilen und abonnieren.

Für die Kuratierung der Inhalte bei Facebook News in Deutschland arbeitet der Konzern mit dem Unternehmen Upday zusammen. „Die Kuratoren von Upday wählen Inhalte nach journalistischen Kriterien aus und werden vom Kuratorenteam von Facebook beaufsichtigt; zudem folgen sie den von uns festgelegten Richtlinien“, teilte Facebook dazu mit. Upday betreibt seit 2016 die gleichnamige App, über die Nachrichteninhalte von verschiedensten Anbietern abrufbar sind – in Deutschland und 33 weiteren europäischen Ländern. Die in den einzelnen Ländern angebotenen Inhalte werden zum einen von Redakteuren kuratiert und zum anderen von Algorithmen ausgewählt.

„Aus Traffic Werbeeinnahmen generieren“

Das in Berlin ansässige Unternehmen Upday gehört mehrheitlich Springer; beteiligt ist der südkoreanische Technologie-Konzern Samsung, der weltweit größte Hersteller von Smartphones. Die Einbindung von Upday bei Facebook News in Deutschland ist ein weiterer Teil der Kooperationsvereinbarung zwischen Facebook und Springer. Das britische Angebot von Facebook News wird bereits von Upday kuratiert. In Großbritannien wurde Facebook News im Januar 2021 gestartet. Die Premiere war in den USA erfolgt, wo das Nachrichtenangebot nach einer rund siebenmonatigen Testphase im Juni 2020 für alle Nutzer freigeschaltet wurde. Deutschland ist nun das dritte Land, in dem Facebook News eingeführt wurde. Springers Konkurrenten im Medienbereich dürften hierzulande sicherlich im Auge behalten, ob über Facebook News Beiträge aus Springer-Medien möglicherweise bevorzugt werden.

Facebook zahlt an Medienunternehmen, die an Facebook News teilnehmen, eine Lizenzgebühr, wenn sie dort zusätzliche Inhalte anbieten, die nicht bereits über Facebook verfügbar sind. Wie die finanziellen Konditionen dafür genau ausfallen, dazu gibt es keine Informationen. Für die Medienunternehmen ergäben sich darüber hinaus, so die Sicht von Facebook, „weitere Möglichkeiten, um aus Traffic Werbeeinnahmen und Abonnements zu generieren“. Über Facebook News sind nicht die kompletten Artikel und Beiträge der Verlage und Online-Medien zu lesen, sondern es wird auf deren Portale entsprechend verlinkt.

Eine ausgefeilte Strategie von Facebook

Der Kulturwissenschaftler und Medientheoretiker Michael Seemann sieht mit Blick auf Facebook News „eine ganz ausgefeilte Strategie“ des von Mark Zuckerberg geleiteten US-Konzerns, die man zum Teil schon von Google kenne, erklärte er in einem Interview mit dem Portal t-online.de: „Auf der einen Seite verteilen sie ein bisschen Geld und hoffen, damit die Presse ruhigzustellen. Gleichzeitig schaffen sie ein neues Abhängigkeitsverhältnis, das sich langfristig sogar noch besser ausbeuten lässt. […] Wenn es Facebook jetzt gelingt, durch Anzeigen oder sogar Bezahlschranken innerhalb der Plattform einen stetigen Einnahmestrom für die Verlage zu generieren, dann schafft das ein finanzielles Abhängigkeitsverhältnis, das weit über das reine Anzeigen von Links hinausgeht.“

Auch wenn Facebook auf Inhalte von Medienunternehmen angewiesen sei, so Seemann gegenüber t-online weiter, könne der Konzern den Zugang zu seiner „riesengroßen Öffentlichkeit“ als Gatekeeper bestimmen: „Während das soziale Netzwerk im Zweifel auf den ein oder anderen Verlag verzichten kann, gilt das umgekehrt nicht. Aus der Sicht jedes einzelnen Verlages entsteht daraus ein Mächteungleichgewicht und Facebook kann das ausnutzen.“ Dass über Facebook News jetzt kommerzielle Informationsangebote Gelder und eine höhere Sichtbarkeit erhalten, stößt bei Seemann auch auf Kritik, weil dadurch „alle nicht kommerziellen Inhalteanbieter, also kleine Blogs, irgendwelche Vereine oder NGOs“ weniger sichtbar würden. Facebook hat in Deutschland derzeit 32 Mio aktive monatliche Nutzer.

29.06.2021 – vn/MK

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