EU-Kommission genehmigt Einstieg des US‑Finanzinvestors KKR bei Springer

06.12.2019 •

Die Europäische Kommission hat den Einstieg des US-amerikanischen Finanzinvestors KKR beim börsennotierten Axel-Springer-Konzern genehmigt. Da die Transaktion „nur begrenzte Auswirkungen auf den Markt“ haben werde, gebe es „keine wettbewerbsrechtlichen Bedenken“, erklärte die Brüsseler Kommission am 13. November in einer Presseinformation. Die Transaktion, die die beteiligten Unternehmen bei der Brüsseler Kommission am 18. Oktober zur Prüfung angemeldet hatten, wurde im vereinfachten Fusionskontrollverfahren untersucht (Az.: M. 9463). Dem Einstieg von KKR bei Springer müssen noch weitere Regulierungsbehörden zustimmen, darunter die in den USA. Mit Problemen wird dabei allerdings nicht gerechnet.

Seit August 2019 sind 43,5 Prozent der Springer-Aktien im Besitz von KKR; abgewickelt wurde der Kauf über die von KKR kontrollierte Gesellschaft Traviata II S.à r.l. (Luxemburg). Für den Erwerb des Aktienpakets hat der Finanzinvestor knapp 3 Mrd Euro bezahlt. KKR ist seitdem der größte Aktionär des Springer-Konzerns, der unter anderem das Boulevardblatt „Bild“ und die Tageszeitung „Die Welt“ herausgibt und deren Online-Angebote betreibt. Zu Springer gehören auch der Fernsehnachrichtensender ‘Welt’ und dessen Ableger N24 Doku sowie die Job-Plattform Stepstone, das Service-Portal Immowelt und die Preissuchmaschine Idealo.

Kaufoption für weitere Aktienanteile

Springer verspricht sich durch den Einstieg von KKR, das Wachstum im Digitalgeschäft stärker vorantreiben zu können. Als neuer Großaktionär kann KKR aber nur im Zusammenwirken mit Friede Springer agieren. Die 77-jährige Verlegerin hält weiterhin insgesamt 42,6 Prozent der Aktien. Laut einer Investorenvereinbarung von KKR mit Friede Springer und dem Springer-Vorstandsvorsitzenden Mathias Döpfner können „keine Entscheidungen auf Gesellschafterebene ohne die Zustimmung von Friede Springer getroffen werden“ (vgl. MK-Meldung). Döpfner zählt zu den weiteren Aktionären des in Berlin ansässigen Medienkonzerns und besitzt 2,8 Prozent der Aktien. Den beiden Enkeln von Konzerngründer Axel Springer, Axel Sven Springer und Ariane Melanie Springer, gehören 5,05 bzw. 0,96 Prozent. Die übrigen 5 Prozent der Aktien befinden sich in Streubesitz. Der Plan von KKR ist, Springer von der Börse zu nehmen. Dieses Vorhaben unterstützt inzwischen auch Mathias Döpfner. Wann ein sogenanntes Delisting erfolgen soll, ist offen.

KKR hat sich im Zuge der Beteiligung am Springer-Konzern außerdem die Option gesichert, die noch von Axel Sven Springer und Ariane Melanie Springer gehaltenen Aktien vollständig übernehmen zu können. Diese Kaufoption gilt bis zum 31. März 2020. Das teilte die Kommission zur Ermittlung der Konzentration im Medienbereich (KEK) im September mit, als sie die Änderungen im Aktionärskreis des Springer-Konzerns genehmigte, der Muttergesellschaft der Welt N24 GmbH, die die Fernsehsender Welt und N24 Doku veranstaltet. KKR baut hierzulande nach der Übernahme der Tele-München-Gruppe und weiterer Produktionsfirmen außerdem noch ein neues Medienunternehmen auf, das inzwischen unter dem Namen Leonine firmiert und zu dem unter anderem der Fernsehsender Tele 5 gehört.

Sparen und investieren

Ende September gab Springer ein umfangreiches Sparpaket für den Bereich ‘News Media National’ bekannt, zu dem die Blätter der „Bild“- und „Welt“-Gruppe gehören. In dem Segment will der Konzern die Kosten so reduzieren, dass die Ausgaben in der näheren Zukunft dauerhaft um 50 Mio Euro pro Jahr niedriger ausfallen als bisher. Arbeitsplätze will Springer dort abbauen, wo „das Geschäft weiterhin rückläufig ist“. Beschlossen hat der Konzern unter anderem, die Redaktionen von „Bild“ und „Bild am Sonntag“ noch stärker zusammenzuführen und die werktäglichen Ausgaben von „Welt kompakt“ und „Welt Hamburg“ einzustellen. Außerdem wird das 2014 gestartete Wirtschaftsmagazin „Bilanz“ nicht mehr fortgeführt; die Inhalte sollen in die „Welt“ integriert werden. Wie viele Arbeitsplätze durch die Maßnahmen wegfallen werden, ist unklar.

Parallel zu dem Sparkurs will Springer jedoch auch investieren. In den kommenden drei Jahren sollen mehr als 100 Mio Euro in Wachstumsprojekte bei „Bild“ und „Welt“ gesteckt werden. Dabei geht es etwa um den Ausbau von Paid-Content-Angeboten und die Sportberichterstattung (über ein neues „Sport-Kompetenzzentrum“, das für „Bild“, „Sport-Bild“ und „Welt“ zugeschnittene Inhalte liefert). Insbesondere will Springer im Streaming-Bereich die Live-Berichterstattung von „Bild“ ausweiten: Das Boulevardblatt soll zur TV-Marke werden. Laut „Spiegel online“ will Springer künftig 18 Stunden tägliches Live-Fernsehen produzieren; dafür stünden 20 Mio Euro zur Verfügung. Wann ein solches ‘Bild TV’ auf Sendung gehen könnte, ist indes offen.

06.12.2019 – vn/MK