Erstmals wird eine Sitzung des ZDF-Fernsehrats im Livestream übertragen

06.12.2020 •

Am 11. Dezember wird eine Sitzung des ZDF-Fernsehrats für die Öffentlichkeit erstmals übers Internet via Livestream zu verfolgen sein. An diesem Tag kommt der Fernsehrat zu seiner letzten Sitzung im Jahr 2020 zusammen. Die Sitzung wird aufgrund der Corona-Pandemie aber nicht als Präsenssitzung stattfinden, sondern in Form einer Videokonferenz (Beginn: 9.00 Uhr). Die Videokonferenz des Fernsehrats werde dann über dessen Internet-Seite via Livestream öffentlich zugänglich sein, erklärte auf MK-Nachfrage Jan Holub, der Leiter des ZDF-Gremienbüros (Fernsehrat und Verwaltungsrat). Der ZDF-Fernsehrat hat insgesamt 60 Mitglieder; Vorsitzende des Gremiums ist Marlehn Thieme, die im Fernsehrat die evangelische Kirche vertritt und Mitglied des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) ist.

Im öffentlich-rechtlichen Rundfunk hat es bisher keine Übertragungen von Sitzungen der Aufsichtsgremien der Sender gegeben, mit einer Ausnahme: Im Mai 2019 war beim Südwestrundfunk (SWR) die gemeinsame Sitzung von Rundfunkrat und Verwaltungsrat anlässlich der damaligen Intendantenwahl bei der zweitgrößten ARD-Landesrundfunkanstalt im Livestream zu verfolgen. Die gesamte Wahl – inklusive der Bewerbungsreden der beiden Kandidaten Kai Gniffke (der zum neuen Intendanten gewählt wurde) und Stefanie Schneider – war vom SWR im Netz übertragen worden (vgl. MK-Meldung).

Mehr Transparenz

In der ZDF-Fernsehratssitzung am 11. Dezember gibt es ausweislich der online bereits veröffentlichten Tagesordnung insgesamt 18 Tagesordnungspunkte. Unter anderem wird ZDF-Intendant Thomas Bellut die Fernsehratsmitglieder über die „Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die Programmarbeit des ZDF“ informieren. Außerdem steht die Verabschiedung des ZDF-Haushalts für das Jahr 2021 durch den Fernsehrat an. In einem weiteren Tagesordnungspunkt geht es um den Stand und die Entwicklung von ZDFneo, des auf 35- bis 49-Jährige ausgerichteten Spartenprogramms des Senders.

Dass die anstehende Sitzung des ZDF-Fernsehrats im Netz zugänglich sein wird, geht auf eine Änderung der Geschäftsordnung des Gremiums zurück. Im Juli 2020 hatte der Fernsehrat beschlossen, dass von nun an unter bestimmten Voraussetzungen Bild- und Tonübertragungen von den Sitzungen des Gremiums zulässig sind, worunter auch eine Übertragung „im Internet als Livestream“ fällt (vgl. MK-Meldung). In der Geschäftsordnung gibt es hinsichtlich in Frage kommender Übertragungen den Verweis auf „wesentliche Sitzungen des Fernsehrates (z.B. bei Wahl des Intendanten/der Intendantin, Wahlen zum Präsidium des Fernsehrates, Beratung und Verabschiedung des Haushaltes, Beratungen über die Selbstverpflichtungserklärung, wichtige medienpolitische Debatten)“. Die Ermöglichung einer Livestream-Übertragung ist eine von mehreren Maßnahmen, mit denen der ZDF-Fernsehrat für mehr Transparenz sorgen will.

Weitere Maßnahmen sind ein neuer Newsletter, mit dem seit September über die wesentlichen Ergebnisse der Beratungen informiert wird, und die Veröffentlichung von Zusammenfassungen zu den Vorlagen des ZDF-Intendanten für die Fernsehratsmitglieder. Diese Zusammenfassungen sollen laut der geänderten Geschäftsordnung des Fernsehrats erst nach den Sitzungen veröffentlicht werden. Von diesem Procedere wich der Fernsehrat zuletzt ab, indem er die Zusammenfassungen von Vorlagen zu drei Themen, darunter die Sicherheit von Journalisten in der Corona-Pandemie, bereits vor seiner Sitzung im September veröffentlichte. Beim ZDF-Fernsehrat gibt es seit Herbst 2019 keine regelmäßigen Pressekonferenzen mehr im Anschluss an jede Sitzung. Mangels Resonanz seitens der Journalisten, so hieß es damals vom Sender und vom Fernsehrat, habe man beschlossen, Pressekonferenzen nur noch zu bestimmten Anlässen abzuhalten.

06.12.2020 – Volker Nünning/MK

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