Drittsendezeiten bei RTL: Mehrere Neuerungen seit Anfang Juli

06.07.2018 • An die vier ausgewählten unabhängigen Drittanbieter im Programm des privaten Fernsehsenders RTL sind die Zulassungen für die neue fünfjährige Periode erteilt worden. Seit dem 1. Juli 2018 verfügen nun die Produktionsunternehmen DCTP, Sagamedia, Solis TV und Arriba Media über entsprechende Drittanbieter-Lizenzen. Drei der Unternehmen sind erstmals Drittproduzenten im RTL-Programm, die Firma DCTP hat diesen Status schon seit 20 Jahren. Den Beschluss, die Lizenzen an DCTP, Sagamedia, Solis TV und Arriba Media zu erteilen, fasste die Versammlung der Niedersächsischen Landesmedienanstalt (NLM) am 14. Juni.

Die NLM-Versammlungsvorsitzende Elisabeth Harries (Landesverband Niedersachsen des Deutschen Journalisten-Verbandes) erklärte zur Auswahl: „Die jetzt lizenzierten vier unabhängigen Dritten mit drei neuen Formaten lassen einen sichtbaren zusätzlichen Beitrag zur Vielfalt im Programm RTL erwarten.“ Der NLM-Versammlung gehören 38 Mitglieder an, die aus verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen, den Kirchen und der Landespolitik in das Gremium entsandt werden. Die NLM mit Sitz in Hannover ist die lizenzgebende Medienanstalt von RTL und damit auch für die Vergabe der Drittanbieter-Zulassungen zuständig. Laut Rundfunkstaatsvertrag sollen Produktionen der unabhängigen Drittanbieter die Vielfalt beim betreffenden Hauptprogrammveranstalter erhöhen.

Drei neue Drittproduzenten

Mit der Lizenzerteilung wurde das Verfahren zur Vergabe der RTL-Drittsendezeiten für die neue Lizenzperiode beendet. Im Juni 2017 hatte die NLM die vier ab Juli 2018 für das RTL-Programm zu vergebenden Sendezeitschienen für Drittanbieter ausgeschrieben. Bis zum 1. September 2017 hatten dazu insgesamt 42 Produktionsfirmen ihre Bewerbungen eingereicht. Die Ausschreibung war so konzipiert worden, dass sich jedes interessierte Unternehmen nur auf eine der vier Sendestrecken bewerben konnte.

Nach dem Abschluss der Vergabeverfahren ist es nun möglich, dass nicht zum Zuge gekommene Interessenten die Vergabeentscheidungen der NLM gerichtlich anfechten. Bis Mitte Juli müssten entsprechende Klagen beim Verwaltungsgericht Hannover eingereicht werden. Damit solche möglichen Klagen die jetzigen Lizenzerteilungen der NLM nicht umgehend stoppen können, hat die Versammlung der Medienanstalt die Zulassungsbescheide jeweils mit einem Sofort-Vollzug versehen. Das erklärte NLM-Direktor Andreas Fischer auf MK-Nachfrage. Im Rahmen des nun abgeschlossenen Vergabeverfahrens wurde jeder der vier lizenzierten Firmen eine Sendezeitschiene zugewiesen, über die dann die jeweiligen Produktionen ausgestrahlt werden.

Die Produktionsfirma DCTP (Alexander Kluge) ist bereits seit 1998 Drittanbieter bei RTL, das heißt seit dem Zeitpunkt, als die Drittsendezeiten bei RTL (wie auch bei Sat 1) eingerichtet wurden. Weiterer Drittproduzent im RTL-Programm war in der Ende Juni ausgelaufenen Lizenzperiode (Beginn: Juli 2013) noch die AZ Media TV GmbH. Das Unternehmen gehört zum Madsack-Konzern („Hannoversche Allgemeine Zeitung“) und arbeitete bei der Herstellung seiner Drittanbieter-Sendungen mit insgesamt sieben Produktionsfirmen zusammen. Sie lieferten beispielsweise Einzelreportagen zu. Die nun als neue RTL-Drittanbieter lizenzierten Firmen Sagamedia, Solis TV und Arriba Media gehörten nicht zu diesen sieben Kooperationspartnern von AZ Media TV. Bei der Ausschreibung der RTL-Drittsendezeiten für die neue Periode hatte sich auch AZ Media TV beworben, und zwar für die vierte Sendezeitschiene. Das Unternehmen wurde diesmal aber nicht mehr berücksichtigt.

Deutlich weniger Sendezeit für DCTP

Bereits im November 2017 hatte die NLM mitgeteilt, dass nach einem Beschluss des Programmausschusses der NLM-Versammlung die Produktionsfirmen DCTP, Sagamedia, Solis TV und Arriba Media als künftige RTL-Drittanbieter ausgewählt werden sollen (vgl. MK-Meldung). In den folgenden Monaten fanden dann die weiteren Gespräche mit RTL bzw. die Beratungen der Kommission zur Ermittlung der Konzentration im Medienbereich (KEK) dazu statt. Sowohl RTL als auch die KEK, die aus sechs Sachverständigen und aus Direktoren von sechs Landesmedienanstalten besteht, waren in das weitere Verfahren einzubeziehen.

Die Auswahl der vier Produktionsunternehmen als Drittanbieter kam jeweils einvernehmlich zwischen der NLM und RTL zustande. Die KEK sah keine Bedenken gegen die von der NLM vorgesehene Auswahlentscheidung und gegen die später von RTL mit den vier ausgewählten Drittanbietern abgeschlossenen Finanzierungsvereinbarungen. Laut Rundfunkstaatsvertrag hat der Hauptprogrammveranstalter – in diesem Fall RTL – für „eine ausreichende Finanzierung“ der Drittanbieter zu sorgen, die jeweils über entsprechende Vereinbarungen abgesichert werden muss.

Das in Düsseldorf ansässige Unternehmen DCTP ist nun seit Juli 2018 in einem deutlich reduzierteren Umfang als bisher als Drittanbieter im RTL-Programm vertreten. Die DCTP erhielt von der NLM jetzt die Lizenz für die zweite Sendezeitschiene (montags, 23.25 bis 0.00 Uhr). Ihr künftiger wöchentlicher Sendeumfang bei RTL beträgt somit 35 Minuten pro Woche. In der ausgelaufenen Lizenzperiode belief sich der DCTP-Anteil noch auf insgesamt 105 Minuten, er entfiel dabei auf drei Formate, erstens auf das Magazin „Spiegel TV“ (sonntags, 22.15 bis 23.00 Uhr) und zweites auf die Kulturreihe „10 vor 11“ (Nacht von Montag auf Dienstag, 0.30 bis 1.00 Uhr). Hinzu kam drittens noch der Programmplatz am späteren Mittwochabend (22.15 bis 22.45 Uhr), über den die erste halbe Stunde des Magazins „Stern TV“ (Gesamtlänge: 105 Minuten) als Drittanbietersendung ausgestrahlt wurde.

Die DCTP strahlt in der neuen Lizenzperiode auf ihrem RTL-Drittsendeplatz am späten Montagabend „Spiegel TV“ aus, erstmals am 2. Juli. Bisher wurde das Magazin, das im Mai auf sein 30-jähriges Bestehen zurückblickte, sonntagabends gezeigt. Am späten Montagabend ist „Spiegel TV“ jetzt nur noch 35 Minuten lang und damit 10 Minuten kürzer als bisher. Die Veränderungen bei den Drittanbieter-Zulassungen führten auch dazu, dass die von Alexander Kluge verantwortete Sendung „10 vor 11“ – das älteste Kulturmagazin im deutschen Privatfernsehen – nun bei RTL nicht mehr ausgestrahlt wird, da es, nachdem der Sendeplatz wegfiel, eingestellt wurde. Die letzte Ausgabe war bei RTL in der Nacht vom 25. auf den 26. Juni zu sehen. Vor 30 Jahren, im Mai 1988, war „10 vor 11“ von dem Privatsender – der damals noch RTL plus hieß – ins Programm genommen worden.

Nächtliche Programmplätze

In der neuen Lizenzperiode für die RTL-Drittanbieter bestückt seit Juli das Unternehmen Sagamedia die erste Sendezeitschiene (samstags, 19.10 bis 20.15 Uhr). Auf diesem Programmplatz wird nun das Magazin „Life – Menschen, Momente, Geschichten“ ausgestrahlt, in dem es – wie RTL mitteilte – um „außergewöhnliche Menschen und bewegende Momente“ gehen soll. Premiere hat das neue Magazin am 7. Juli. Sagamedia, 2005 von Iris Bettray und Jutta Prinzler in Köln gegründet, produziert vor allem Doku-Formate und Reportagen für private und öffentlich-rechtliche Fernsehanbieter.

Die Programmplätze für die dritte und vierte Sendezeitschiene der RTL-Drittanbieter liegen nun seit Anfang Juli 2018 in der Nacht von Montag auf Dienstag. Die dritte Sendezeitschiene umfasst die Zeit von 0.30 und 1.15 Uhr (45 Minuten) und wurde an die in Köln ansässige Produktionsfirma Solis TV vergeben, die dort jetzt die Reportage-Reihe „Die Alltagskämpfer – Überleben in Deutschland“ verantwortet. Mehrheitseigner von Solis TV ist mit 55 Prozent Stefan Wichmann, der auch Geschäftsführer der Firma ist. Mit 30 Prozent ist der frühere Sat-1-Geschäftsührer Roger Schawinski an Solis TV beteiligt. Die vierte Sendeschiene im zeitlichen Umfang von 30 Minuten beginnt um 1.15 Uhr direkt im Anschluss an die dritte. Auf diesem vierten Termin strahlt die Firma Arriba Media (Berlin) unter dem Sendetitel „Ohne Filter – So sieht mein Leben aus!“ ihre Doku-Produktionen aus. Arriba Media gehört vollständig dem Journalisten André Goltzsche, der früher für verschiedene RTL-Magazine als Reporter gearbeitet hat.

06.07.2018 – Volker Nünning/MK