Direktoren-Wiederwahl beim WDR im Zeichen des Umbauprozesses

30.11.2018 • Beim Westdeutschen Rundfunk (WDR) in Köln werden die Ende Oktober wiedergewählten Direktoren Jörg Schönenborn und Valerie Weber nun insbesondere den angekündigten strukturellen Umbau der beiden Programmdirektionen (Fernsehen und Hörfunk) in Angriff nehmen. WDR-Intendant Tom Buhrow hatte zuletzt vor dem Rundfunkrat und dem Verwaltungsrat des öffentlich-rechtlichen Senders als Ziel ausgegeben, die Fernseh- und die Hörfunkdirektion in zwei crossmedial arbeitende, eng verzahnte Programmdirektionen umzubauen. Die umfangreichen Organisationsänderungen laufen unter dem vorläufigen Projektnamen „Neuordnung“.

Seit Mai 2014 steht an der Spitze der WDR-Hörfunkdirektion Valerie Weber. Sie war zuvor Geschäftsführerin und Programmdirektorin des Privatsenders Antenne Bayern. Als sie 2014 gewählt wurde, stieß es in der Öffentlichkeit und in Teilen der Belegschaft auf deutliche Kritik, dass eine Privatradio-Vertreterin in ein solches Spitzenamt beim öffentlich-rechtlichen Hörfunk gewählt wurde (vgl. diese FK-Meldung, diese FK-Meldung und diesen FK-Artikel). Ebenfalls seit Mai 2014 ist Jörg Schönenborn Chef der WDR-Fernsehdirektion; er war zuvor bei dem Sender viele Jahre Fernsehchefredakteur gewesen. Die Verträge der beiden Direktoren verlängerte der WDR-Rundfunkrat in seiner Sitzung am 30. Oktober in Köln um jeweils fünf Jahre. Damit folgte das Gremium den entsprechenden Personalvorschlägen von Intendant Tom Buhrow.

Weber und Schönenborn bis 2024 bestätigt

Von den anwesenden 54 Rundfunkratsmitgliedern stimmten 44 für die Wiederwahl von Valerie Weber; sie erhielt fünf Gegenstimmen, zudem gab es fünf Enthaltungen. Schönenborn bekam von 53 abgegebenen Stimmen 41 Ja-Stimmen. Es gab acht Gegenstimmen und vier Enthaltungen. Die neuen fünfjährigen Amtsperioden von Weber, 52, und Schönenborn, 54, beginnen jeweils am 1. Mai 2019 und laufen bis zum 30. April 2024. Der Verlängerung der Verträge der beiden Direktoren muss noch der WDR-Verwaltungsrat zustimmen. Damit wird sich das Gremium voraussichtlich in seiner Dezember-Sitzung befassen. Die Zustimmung des Verwaltungsrats steht aber nicht in Zweifel.

Ursprünglich sollte sich der Rundfunkrat bereits im Frühsommer mit der Wiederwahl von Weber und Schönenborn befassen. Doch nachdem Anfang April massive Vorwürfe auf sexuelle Belästigung im WDR bekannt wurden, entschied das Gremium, über eine Wiederwahl von Schönenborn und Weber erst zu befinden, wenn die Anschuldigungen aufgearbeitet seien. Schönenborn, der ab 2002 WDR-Fernsehchefredakteur war, geriet im Zuge der Berichterstattung wegen seines damaligen Umgangs mit Hinweisen bzw. Beschwerden zu sexuellen Belästigungen in die Kritik. So schrieb etwa der „Kölner Stadt-Anzeiger“ (Ausgabe vom 28.9.18): „Schönenborn war im Zusammenhang mit den Vorwürfen sexuellen Missbrauchs vorgeworfen worden, ihm bekannten Fälle nicht konsequent genug nachgegangen zu sein.“ (Zum Thema „MeToo im WDR“ siehe auch diese MK-Meldung, diesen MK-Artikel, diesen MK-Artikel und diesen MK-Artikel.)

Die beiden wiedergewählten Programmdirektoren werden beim WDR künftig für bestimmte Themenbereiche zuständig sein. Das bedeutet, dass sie dann auch die crossmediale Produktion von Inhalten (Fernsehen, Hörfunk, Internet) aus diesen jeweiligen Themenbereichen verantworten. Vorgesehen ist, wie der WDR auf MK-Nachfrage erklärte, dass Valerie Weber künftig eine Programmdirektion leite, die zuständig sei für die Landesprogramme NRW, für die Ressorts ‘Wissenschaft’, ‘Kultur’, ‘Wirtschaft und Verbraucher’, für die WDR-Orchester (inklusive Chor) und die Chefredaktion Hörfunk. Außerdem sei diese Direktion hinsichtlich der „Ausspielwege“, wie der WDR es nennt, verantwortlich für die sechs Radioprogramme (WDR 1Live, WDR 2, WDR 3, WDR 4, WDR 5, Cosmo) und für die Digitalradioangebote 1Live Diggi und Kiraka.

Geänderte Zuständigkeiten für die Direktionen

Die von Jörg Schönenborn geleitete Programmdirektion soll nach WDR-Angaben künftig zuständig sein für die „Aktualität und Politik im Newsroom, die Chefredaktion für die ARD inklusive Auslandsstudios und Sport, die Fiktion und den Bereich ‘Unterhaltung/Kinder’“. Außerdem werde in dieser Direktion „das Kompetenzcenter Internet und Social Media“ angesiedelt. Die von Schönenborn geleitete Direktion wird den Angaben zufolge, was die „Ausspielwege“ angeht, unter anderem verantwortlich sein für das Dritte Programm WDR Fernsehen, die WDR-Mediathek und das Internetportal wdr.de sowie für den vom WDR betreuten ARD-Digitalkanal One und den von ARD und ZDF gemeinsam betriebenen Ereignis- und Dokumentationskanal Phoenix. Für Phoenix hat innerhalb der ARD der WDR die Federführung.

In Zukunft wird es also auch so sein, dass im WDR Fernsehen, das in die Zuständigkeit von Schönenborn fällt, Beiträge ausgestrahlt werden, die in dem Verantwortungsbereich entstanden sind, der Direktorin Valerie Weber untersteht, wie beispielsweise das Ressort ‘Wirtschaft und Verbraucher’. Und in den Radioprogrammen, für deren Programmprofil weiterhin Weber zuständig sein wird, werden künftig Kindersendungen zu hören sein, die in der anderen, von Schönenborn geleiteten Direktion hergestellt wurden.

Im kommenden Jahr wird der Westdeutsche Rundfunk einen zentralen Newsroom in den WDR-Arkaden in Betrieb nehmen, aus dem dann die tagesaktuelle Berichterstattung fürs Fernsehen, den Hörfunk und den Online-Bereich gesteuert wird. Teil des Newsrooms wird dann auch die bisher im WDR-Funkhaus in Düsseldorf angesiedelte Redaktion ‘Aktuelles’ sein, die nach Köln umzieht (die landespolitische Redaktion verbleibt dagegen in Düsseldorf). Die WDR-Arkaden werden aber nur übergangsweise das Domizil des neuen Newsrooms sein. Ab dem Jahr 2023 wird der Newsroom in das bis zu diesem Zeitpunkt sanierte WDR-Filmhaus in Köln integriert und hat dann dort seinem endgültigen Standort.

Die Einrichtung eines Interims-Newsrooms in den WDR-Arkaden ab Juli 2019 hatte der Rundfunkrat des Senders im Februar 2018 genehmigt. Im Jahr 2016 hatte der WDR erklärt, die Sanierung des Filmhauses und den Umbau des Gebäudes „in ein crossmediales Medienhaus“ bis Ende 2020 abschließen zu können, um dann ab 2021 dort die tagesaktuelle Berichterstattung zu bündeln und einen Newsroom einzurichten (vgl. MK-Meldung). Doch die Sanierung und der Umbau dauern länger; erst im Jahr 2023 wird das erneuerte Filmhaus vollständig bezugsfähig sein.

30.11.2018 – vn/MK

Print-Ausgabe 24/2018

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