Die Coronakrise verändert auch die kirchliche Medienlandschaft

28.03.2020 •

Die Coronakrise hat in Deutschland auch zu einer spürbaren Veränderung der kirchlichen Medienlandschaft geführt. Während fast täglich neue Angebote gestreamter Gottesdienste und Gebetszeiten im Internet aus dem Boden sprießen, kämpfen traditionelle Angebote kirchlicher Medienarbeit ums Überleben unter den besonderen Bedingungen dieser Wochen.

Mehrere Bistumszeitungen haben, wie die Katholische Nachrichten-Agentur (KNA) am 27. März berichtete, erstmals ihre wöchentlichen Ausgaben als kostenloses E-Paper ins Netz gestellt, um ihre meist ältere Leserschaft auch weiterhin zu versorgen und gleichzeitig neue Gruppen zu erschließen. Diesen Weg haben unter anderem die Bistumszeitungen von Freiburg, Passau, Würzburg und Speyer eingeschlagen, die gedruckt zusammengerechnet eine Auflage von etwa 90.000 pro Woche erreichen. Neben der Ausgabe im Netz wird dort, solange es möglich ist, auch die gedruckte Ausgabe weiter produziert und zugestellt. Nach 74 Jahren komplett eingestellt wurde hingegen die theologische Vierteljahreszeitschrift „Lebendiges Zeugnis“ des Bonifatiuswerks der deutschen Katholiken. Sie befasste sich mit theologischen Grundsatzfragen zu den Themenfeldern Kirche, Gesellschaft und Welt.

Im Deutschlandfunk wurde die tägliche Sendung zum Thema Kirche und Religion ein Opfer der Coronakrise. Die bislang seit Jahrzehnten jeden Morgen von Montag bis Freitag zwischen 9.35 und 10.00 Uhr ausgestrahlte Sendung „Tag für Tag“ wurde (wie auch andere Formate) bis auf Weiteres ausgesetzt, um Platz zu machen für die rund dreistündige Sendung „Der Vormittag“ (9.10 bis 12.00 Uhr) mit allgemeinen Informationen, die derzeit vor allem der Coronakrise gewidmet sind. Beiträge zu Kirche und Religion werden nun auf dem weniger attraktiven Sendeplatz in der nachmittäglichen Kultursendung zwischen 16.00 und 18.00 Uhr ausgestrahlt sowie als Podcasts ins Netz gestellt.

Starke Zuwächse verzeichnen unterdessen die katholischen Internetportale, so KNA. Die Marktführer in diesem Segment sind katholisch.de (Bonn) sowie domradio.de (Köln). Sie rechnen für den Monat März mit jeweils mehr als zwei Millionen Visits. Neben Nachrichten und theologischen Debattenbeiträgen werden derzeit vor allem Livestreams von Gottesdiensten sowie Gebetszeiten angeklickt. Wegen der Coronakrise hat katholisch.de darüber hinaus den eigenen Newsticker „Corona und die Kirche“ eingerichtet, der den Angaben zufolge täglich rund 10.000 Visits verzeichnet.

28.03.2020 – MK

Print-Ausgabe 10/2020

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