Degeto-Chefin Christine Strobl wird ab Mai 2021 neue ARD‑Programmdirektorin

25.09.2020 •

Neue ARD-Programmdirektorin wird am 1. Mai 2021 Christine Strobl. Erstmals steht dann an der Spitze der ARD-Programmdirektion, die beim Bayerischen Rundfunk (BR) in München angesiedelt ist, eine Frau. Strobl ist seit 2012 Geschäftsführerin der ARD-Filmproduktionsgesellschaft Degeto. Die 49-jährige Juristin folgt im ARD-Programmdirektorenamt Volker Herres nach, der den Posten Ende April 2021 vorzeitig abgibt. Neuer Degeto-Geschäftsführer in der Nachfolge von Strobl wird Thomas Schreiber, 61. Er leitet beim Norddeutschen Rundfunk (NDR) in Hamburg seit 2007 den Programmbereich ‘Fiktion und Unterhaltung’; außerdem ist er ARD-Unterhaltungskoordinator. Die Degeto hat ihren Sitz beim Hessischen Rundfunk (HR) in Frankfurt.

Die Intendanten der neun ARD-Landesrundfunkanstalten beriefen Christine Strobl am 23. September in Berlin zur künftigen Programdirektorin des Senderverbunds. Das gab die ARD am 24. September in einer Online-Pressekonferenz bekannt. Die Personalentscheidung – die seit längerem so erwartet worden war – sei im Benehmen mit der ARD-Gremienvorsitzendenkonferenz getroffen worden, hieß es. Die Einigung der ARD-Intendanten, Thomas Schreiber zum neuen Degeto-Chef zu machen, muss formell die Gesellschafterversammlung der Filmgesellschaft treffen, was aber nur noch Formsache ist. Die ARD-Hauptversammlung, auf der die Entscheidungen getroffen wurden, fand am 22. und 23. September beim Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB) statt.

In der Nachfolge von Volker Herres

Christine Strobl verantwortet ab Frühjahr 2021 als ARD-Programmdirektorin das Erste Deutsche Fernsehen und die ARD-Mediathek. Außerdem ist sie Vorsitzende der neuen ARD-Videoprogrammkonferenz, die für die linearen und non-linearen gemeinschaftlichen Videoangebote des Senderverbunds zuständig ist. Bei der ARD ersetzt die Videoprogrammkonferenz die bisherige Fernsehprogrammkonferenz. Bereits im November 2019 hatte die ARD entschieden, dass die Programmdirektion in München ab Januar 2020 für das Erste und zugleich auch für die Mediathek zuständig ist, um eine „integrierte Programmplanung“ für Fernsehen und Internet zu erreichen (vgl. MK-Meldung).

Damals entschieden die ARD-Intendanten außerdem, Florian Hager zum stellvertretenden ARD-Programmdirektor und Channel-Manager der Mediathek zu berufen. Beide Positionen trat Hager am 1. Januar 2020 an – zusätzlich zu seiner bisherigen Aufgabe als Geschäftsführer von Funk, dem gemeinsam von ARD und ZDF veranstalteten Online-Angebot für 14- bis 29-Jährige, das am 1. Oktober 2016 gestartet wurde und in Mainz beim SWR angesiedelt ist (vgl. MK-Meldung). 2015 war Florian Hager zum Gründungsgeschäftsführer von Funk ernannt worden (vgl. MK-Meldung).

Seine Arbeit bei Funk wird Hager Ende November 2020 beenden, um sich auf seine Funktionen in der ARD-Programmdirektion zu konzentrieren. Neuer Geschäftsführer von Funk wird dann zum 1. Dezember Philipp Schild. Das beschlossen die ARD-Intendanten ebenfalls im Rahmen der Hauptversammlung in Berlin. Schild, geboren 1976, ist bei Funk seit 2016 ‘Head of Content (ARD)’. Stellvertretende Funk-Geschäftsführerin ist weiterhin Sophie Burkhardt vom ZDF.

Zu Beginn der Berliner Hauptversammlung gab die ARD-Programmdirektion am 22. September in einer Pressemitteilung bekannt, dass Programmdirektor Herres sein Amt Ende April 2021 abgeben und damit sechs Monate früher aufhören werde, als sein Vertrag noch laufe (vgl. MK-Meldung). Er habe bereits vor einiger Zeit den Intendanten der ARD-Landesrundfunkanstalten angeboten, sein Amt ein halbes Jahr vor Vertragsende abzugeben, erklärte Herres: „In meiner Lebensplanung hatte ich immer die Absicht, noch mit 63 in dieser Funktion aufzuhören. Das käme Ende April 2021 dann gerade noch so hin“, erklärte der ARD-Programmdirektor.

Am 23. Juli nächsten Jahres wird Volker Herres 64 Jahre alt. Nach seinem offiziellen Ausscheiden bei der ARD werde er dem Senderverbund noch „beratend zur Verfügung stehen“, wie die ARD weiter mitteilte. Auch den sonntagmittags im Ersten Programm ausgestrahlten ARD-„Presseclub“ wird Herres weiterhin präsentieren, im Wechsel mit Jörg Schönenborn, WDR-Programmdirektor ‘Information, Fiktion und Unterhaltung’. Herres moderiert den „Presseclub“ seit September 2007.

Auch für non-lineare Angebote zuständig

Das ARD-Programmdirektorenamt übernahm Volker Herres 2008 in der Nachfolge von Günter Struve, der ab Mai 1992 und damit fünfzehneinhalb Jahre Programmdirektor Erstes Deutsches Fernsehen war. Im Herbst 2017 war Herres’ Vertrag von den ARD-Intendanten noch um drei Jahre verlängert worden, und zwar bis zum 31. Oktober 2021 (vgl. MK-Meldung). Bevor Herres ARD-Programmdirektor wurde, arbeitete er ab 1987 beim NDR. Dort war er zunächst Hauptreferent des damaligen stellvertretenden Intendanten Jobst Plog, dann Leiter der Intendanz, als Plog das NDR-Intendantenamt übernahm. Im Jahr 1995 wurde Herres beim NDR Fernsehchefredakteur und schließlich 2004 Fernsehdirektor.

In seiner Erklärung, das Programmdirektorenamt vorzeitig abzugeben, verwies Herres außerdem darauf, dass zwölfeinhalb Jahre in einem Amt, das kaum Zeit für anderes lasse, und insgesamt 38 Jahre im öffentlich-rechtlichen Rundfunk, davon der Großteil in wechselnden Führungsfunktionen, genug seien: „Ich möchte den richtigen Moment zwischen zu früh und zu spät erwischen.“ Und diesen Moment, sich zurückzuziehen, sieht Herres offenbar für das Frühjahr 2021 gekommen. Bis dahin liege ihm noch daran, ließ er wissen, „eine ganz wichtige Weichenstellung weiter auf den Weg zu bringen“: den Umbau der ARD-Programmdirektion „von der rein linearen gemeinschaftlichen Steuerungseinheit für das Erste Deutsche Fernsehen hin zu einer auch für das non-lineare Angebot der ARD-Mediathek inhaltlich zuständigen Gemeinschaftseinrichtung“.

Diese Weichenstellung sei mit der Berufung von Florian Hager zum stellvertretenden ARD-Programmdirektor und Channel-Manager der ARD-Mediathek gelungen, so Herres. Der ARD-Vorsitzende Tom Buhrow (WDR-Intendant) dankte Volker Herres für seine Lebensleistung und die vertrauensvolle Zusammenarbeit. Herres habe sich in fast vier Jahrzehnten in vielen Positionen um den öffentlichen-rechtlichen Rundfunk verdient gemacht, und zwar „jederzeit professionell, zielstrebig und norddeutsch besonnen“.

Herres’ künftige Nachfolgerin wurde von Buhrow als „erfolgreiche und engagierte Macherin und Managerin“ bezeichnet. „Wir sind“, so Buhrow weiter, „gespannt auf ihre Impulse, die sie in ihrer neuen Funktion der ARD geben wird. Sie ist eine in der Film- und Fernsehbranche sehr anerkannte Persönlichkeit, die ihre extrem hohe fachliche Kompetenz zuletzt in der Funktion als Geschäftsführerin der Degeto Film GmbH bewiesen hat.“ Sie habe auch gezeigt, dass „sie als Programmmacherin in Zeiten sich verändernder Sehgewohnheiten ein relevantes und attraktives Programm für Jung und Alt, für viele Menschen machen kann“.

Die Nähe zur CDU

Christine Strobl, geboren am 5. August 1971, kam nach ihrem Jura-Studium 1999 zum Südwestrundfunk (SWR), absolvierte dort zunächst ein Trainee-Programm und arbeitete dann als freie Mitarbeiterin beim Radiosender SWR 4 Baden-Württemberg. Später wurde sie fest angestellte Personal- und Etatreferentin in der Intendanz des SWR. Intendant des Südwestrundfunks war damals Peter Voß. 2007 wurde Strobl Chefin der SWR-Abteilung Kinder- und Familienprogramm, 2011 übernahm sie beim SWR die in Baden-Baden ansässige Hauptabteilung Film- und Familienprogramm. Rund ein Jahr später wechselte Strobl dann als Geschäftsführerin zur Degeto.

Christine Strobl ist Mitglied der CDU, sagt aber von sich, „überhaupt kein aktives Mitglied“ zu sein. Sie ist die älteste Tochter von Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble (CDU). Verheiratet ist sie mit dem CDU-Politiker Thomas Strobl, der seit 2016 baden-württembergischer Innenminister in der Regierung von Grünen und CDU unter Ministerpräsident Wilfried Kretschmann (Grüne) ist. Thomas Strobl ist auch stellvertretender Ministerpräsident von Baden-Württemberg. Auf ihre CDU-Nähe in der ARD-Pressekonferenz am 24. September angesprochen, erklärte Strobl, das sei „eine private und persönliche Haltung“ und die habe „genau da zu bleiben, wo sie ist, und hat im Job nichts zu suchen“. Dies werde sie auch in Zukunft so handhaben: „Ich glaube, ich habe auch in der Vergangenheit gezeigt, dass man damit professionell umgehen kann.“

25.09.2020 – Volker Nünning/MK

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