DAZN will ab 2021 um Rechte an der Fußball‑Bundesliga mitbieten

11.12.2018 •

11.12.2018 • Der Streaming-Anbieter DAZN hat angekündigt, um die Live-Übertragungsrechte an der Fußball-Bundesliga ab der neuen, im Jahr 2021 beginnenden Rechteperiode mitzubieten. Das erklärte DAZN-Manager Thomas de Buhr in einem Podcast-Gespräch mit dem Branchendienst „Sponsors“. „Wir würden uns wahnsinnig freuen“, so de Buhr, „die Bundesliga bei uns zu haben.“ De Buhr leitet seit Anfang Juli als ‘Executive Vice President Marketing & Commercial’ die Geschäfte von DAZN in Deutschland (D), Österreich (A) und der Schweiz (CH), der sogenannten DACH-Region. Zuvor war de Buhr bei Twitter für das Deutschlandgeschäft verantwortlich und bei Google Director Branding für die Länder Deutschland, Österreich und Schweiz. DAZN wurde hierzulande im Jahr 2016 von der in London ansässigen Perform Group als Sport-Streaming-Dienst gestartet, den zu abonnieren pro Monat 9,99 Euro kostet (vgl. MK-Meldung).

Im Jahr 2016 hatte die Deutsche Fußball-Liga (DFL) die Bundesliga-Rechte für die Spielzeiten von 2017/18 bis 2020/21 in den jeweiligen Segmenten (Pay-TV, Free-TV, Web-TV) an verschiedene Medienunternehmen vergeben. Die Live-Rechte erhielt zum Großteil der Pay-TV-Sender Sky Deutschland. Seit August 2017 zeigt Sky pro Spielzeit 266 Partien der ersten Bundesliga und alle 306 Begegnungen der zweiten Liga live. Für die Live-Übertragung von 40 Erstliga-Spielen pro Saison erhielt das TV-Unternehmen Eurosport, das zum US-amerikanischen Konzern Discovery gehört, von der DFL den Zuschlag. Bei dem Vierziger-Paket handelt es sich um die 30 Freitagabendspiele sowie um je fünf Partien, die pro Bundesliga-Saison am Sonntagmittag und Montagabend stattfinden. Die Spiele sind beispiels­weise über den kostenpflichtigen Eurosport-Player zu sehen (vgl. MK-Meldung).

Einkauf attraktiver Sportrechte

DAZN hat sich innerhalb der vergangenen 15 Monate mehrere attraktive Sportübertragungsrechte gesichert. Dazu gehörten insbesondere die Live-Rechte an der Champions League und der Europa League, wodurch DAZN, wie Thomas de Buhr sagte, „einen riesengroßen Schritt“ gemacht habe. Champions-League-Spiele kann DAZN seit September 2018 aufgrund einer Vereinbarung mit Sky Deutschland zeigen. Sky hatte die Live-Rechte an der Champions League für die drei Spielzeiten 2018/19, 2019/20 und 2020/21 gekauft und sich dann anschließend mit DAZN über eine Sublizenzierung geeinigt, in deren Rahmen beide Unternehmen die Übertragungsrechte nach einem komplizierten Modus untereinander aufteilten (pro Saison gibt es 138 Begegnungen). Bei DAZN sind in den drei Spielzeiten 2018/19, 2019/20 und 2020/21 alle Europa-League-Partien – insgesamt 205 pro Saison – zu sehen (13 Spiele zeigen im Free-TV auch Nitro bzw. RTL; von der Champions League gibt es jetzt keine Free-TV-Übertragungen mehr).

Über die Fußball-Bundesliga kann DAZN bisher nur in Zusammenfassungen berichten. Von der DFL erhielt DAZN im Jahr 2016 den Zuschlag für ein Rechtepaket für den Internet-Bereich, wodurch es dem Streaming-Anbieter seit Beginn der Saison 2017/18 möglich ist, 40 Minuten nach dem Ende der Erst- und Zweitligapartien Highlights zu zeigen. Spielberichte von der Fußball-Bundesliga gibt es bei DAZN aber bereits seit der Saison 2016/17; damals war DAZN mit dem Springer-Konzern eine Kooperation eingegangen, der in der vorherigen Rechtperiode von der DFL das Highlight-Rechtepaket fürs Internet erhalten hatte.

Sky unter Wettbewerbsdruck

Durch die jetzige Ankündigung von DAZN, um die Bundesliga-Rechte ab 2021 mitbieten zu wollen, wird insbesondere der Pay-TV-Veranstalter Sky, der seit kurzem im Besitz des US-Medienriesen Comcast ist (vgl. MK-Meldung), deutlich unter Wettbewerbsdruck gesetzt, sind doch die Bundesliga-Übertragungen das wichtigste Programmangebot und damit das Zugpferd von Sky. Bei der DFL werden die Vorbereitungen für die Ausschreibung der Bundesliga-Übertragungsrechte für die neue Rechteperiode vermutlich im Lauf des Jahres 2019 beginnen. Die DFL-Verantwortlichen dürften eine Vergabe der Rechte für den neuen Zeitraum im Frühjahr bzw. Frühsommer 2020 anstreben, so dass es dann anschließend bis zum Beginn der neuen Rechteperiode mit der Saison 2021/22 im August 2021 für alle Beteiligten noch genügend Vorbereitungszeit gibt.

Auch wenn DAZN im Oktober die Übertragungsrechte für Deutschland (sowie Österreich und die Schweiz) an der englischen Premier League ab der Saison 2019/20 an Sky verlor, verfügt der Streaming-Anbieter doch ganz offensichtlich über große finanzielle Mittel, um Übertragungsrechte einzukaufen. DAZN setzt letztlich auf Wachstum, indem das Unternehmen für das Publikum besonders attraktive Sportübertragungsrechte einkauft, um so neue Kunden zu gewinnen. Dass DAZN zum jetzigen Zeitpunkt Verluste macht, ist in dem langfristigen, auf zehn Jahre angelegten Geschäftsplan einkalkuliert. Hinter DAZN stehen der russischstämmige US-Milliardär Leonard („Len“) Blavatnik und dessen Investmentgesellschaft Access Industries. Der Streaming-Anbieter wirbt mit 8000 Live-Übertragungen pro Jahr. Zu sehen gibt es auch Spiele der Fußball-Ligen in Italien, Spanien und Frankreich, des weiteren Begegnungen der amerikanischen Football-Liga NFL und der Basketball-Liga NBA. Außerdem hat DAZN Übertragungen von Sportarten wie Boxen, Eishockey und Tennis im Angebot.

Wie viele Abonnenten DAZN in Deutschland aktuell hat, dazu äußerte sich Thomas de Buhr gegenüber „Sponsors“ nicht. DAZN veröffentliche keine Kundenzahlen. Von Kunden oder Zuschauern mag de Buhr aber auch gar nicht so gerne reden: „Wir nennen unseren Zuschauer tatsächlich Fan.“ Bislang sind bei DAZN die Übertragungen werbefrei; doch dies könnte sich in der Zukunft ändern. „Ich würde meinen Job nicht machen, wenn ich das nicht in Erwägung ziehen würde“, sagte de Buhr. Über diese Frage gebe eine stetige Diskussion, die noch nicht mit einem Ergebnis abgeschlossen sei.

11.12.2018 – vn/MK

Print-Ausgabe 1-2/2019

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