DAB plus: Zweiter bundesweiter Multiplex in Betrieb genommen

21.10.2020 •

Das Unternehmen Antenne Deutschland hat den zweiten bundesweiten Multiplex für das Digitalradio DAB plus in Betrieb genommen. Seit dem 5. Oktober sind nun weitere acht private Programme digital-terrestrisch im Bundesgebiet zu hören, wie Antenne Deutschland mitteilte. Bis Jahresende 2020 werden noch vier zusätzliche private Programme aufgeschaltet. Laut Unternehmensangaben können die über den zweiten Multiplex verbreiteten Programme derzeit von rund 67 Mio Einwohnern empfangen werden, was einem Anteil von 83 Prozent der Bevölkerung entspreche. Außerdem sei auf dem Großteil des Autobahnnetzes (85 Prozent) der Empfang der DAB-plus-Programme über Autoradio möglich. Das Netz des zweiten Multiplexes soll sukzessive ausgebaut werden.

Der erste bundesweite DAB-plus-Multiplex ist seit August 2011 in Betrieb; über ihn werden heute insgesamt 13 Programme verbreitet. Dazu gehören die drei bundesweiten Programme des öffentlich-rechtlichen Deutschlandradios und zehn kommerzielle Sender mit deutschlandweiter Ausrichtung (vgl. FK-Heft Nr. 29/11). Außerdem gibt es noch regionale Multiplexe, über die die Programme der einzelnen ARD-Landesrundfunkanstalten und weitere Privatsender verbreitet werden.

Verzögerung von zweieinhalb Jahren

Antenne Deutschland ist ein in Berlin ansässiges Gemeinschaftsunternehmen des Radioveranstalters Absolut Digital (Sitz: Nürnberg) und des Sendenetzbetreibers Media Broadcast (Köln). Von den Landesmedienanstalten hatte Antenne Deutschland 2017 im Rahmen einer öffentlichen Ausschreibung den Zuschlag für den Betrieb des zweiten bundesweiten DAB-plus-Multiplexes erhalten (vgl. MK-Meldung). Damit konnte sich Antenne Deutschland gegen die zwei konkurrierenden Firmen Digital Audio Broadcasting Plattform GmbH (DABP) und Radi/o digital GmbH durchsetzen.

Geplant war damals, dass der zweite bundesweite Multiplex im Frühjahr 2018 gestartet wird. Dazu kam es aber nicht, weil die beiden unterlegenen Bewerber vor Gericht zogen und mit der Begründung, es habe Verfahrensfehler gegeben, die Vergabeentscheidung der Medienanstalten anfochten. Den Gerichtsprozess betrieb später nur noch die DABP weiter (vgl. auch MK-Meldung). Das Unternehmen gehört dem Leipziger Immobilienunternehmer Steffen Göpel, der bereits im Jahr 2015 damit begonnen hatte, für den Start eines zweiten bundesweiten DAB-plus-Multiplexes zu werben – von der Medienaufsicht dann aber bei der Ausschreibung nicht zum Zuge kam. Erst Ende Januar 2020 konnte der Rechtsstreit, der zuletzt mehrere Monate beim Bundesverwaltungsgericht in Leipzig anhängig war, durch eine außergerichtliche Einigung zwischen allen Beteiligten beigelegt werden. Dadurch wurde der Weg frei für den Start des zweiten bundesweiten DAB-plus-Multiplexes, der sich infolge der gerichtlichen Auseinandersetzung um rund zweieinhalb Jahre verzögert hat.

Dass innerhalb von nur sieben Monaten der Start des Multiplexes gelungen sei, nannte Antenne-Deutschland-Geschäftsführer Joe Pawlas einen „Kraftakt“. Pawlas ist seit August Vorsitzender der Geschäftsführung des Unternehmens. Weitere Geschäftsführer sind Willi Schreiner und Arnold Stender. Bevor Pawlas zu Antenne Deutschland kam, verantwortete er bei der Warner Bros. Entertainment Group bei deren Deutschlandgeschäft das Marketing und die digitale Strategie. Schreiner ist ferner Chef von Absolut Digital; Stender hat den Vorsitz der Geschäftsführung von Media Broadcast (das zum Mobilfunkkonzern Freenet gehört).

Zwei Programmplätze sind noch frei

Über den zweiten bundesweiten DAB-plus-Multiplex sind nun vier Programme von Absolut Digital zu hören. Dabei handelt es sich um die drei bereits bestehenden Musikprogramme Absolut Hot (aktuelle Hits aus Europa und den USA), Absolut Bella (melodische Musiktitel) und Absolut Oldie Classics (Songs aus den 1970er und 1980er Jahren). Mit Absolut Top (Hits aus den Jahren ab 2000) wurde außerdem ein Sender neu gestartet. Die vier Programme werden noch am Absolut-Digital-Standort in Regensburg produziert, und zwar solange, bis das neue Antenne-Deutschland-Sendezentrum in Garching bei München fertiggestellt ist.

Darüber hinaus werden jetzt über den zweiten Multiplex die Programme Antenne Bayern, Rock Antenne (Schwesterprogramm von Antenne Bayern) und RTL Radio ausgestrahlt. Zu hören ist auch das Kinderprogramm Toggo Radio, das der TV-Kindersender Super RTL am 5. Juni gestartet hat. Bis Jahresende sollen laut Antenne Deutschland noch das Comedy-Radio Joke FM und das Handwerker-Programm Profi Radio aufgeschaltet werden. Hinzu kommen zwei neue Programme: Driver’s Pop Delivery Radio der in Leipzig ansässigen Wolffberg International Media GmbH (WIM) und ein neues Programm der Energy-Gruppe. Auf dem ersten bundesweiten DAB-plus-Multiplex ist Energy bereits mit einem Programm dabei.

Bis Jahresende 2020 werden insgesamt zwölf Programme über den zweiten DAB-plus-Multiplex zu hören sein. Vier Programmplätze sind dann noch frei. Zwei davon sind für den Plattformbetreiber Antenne Deutschland reserviert, der ein Sportprogramm und ein Talkradio nach angloamerikanischem Vorbild starten will. Ferner wird es noch zwei externe Programme geben, die künftig über die DAB-plus-Plattform ausgestrahlt werden. Um welche es sich dabei handelt, ist bislang offen.

Über den zweiten bundesweiten DAB-plus-Multiplex werden künftig insgesamt 16 Programme ausgestrahlt, sechs vom Plattformbetreiber bzw. von Absolut Radio und zehn externe. Mit der Vermarktung der verfügbaren Plätze für externe Programme hatte Antenne Deutschland im Februar 2020 die im Leipzig neu gegründete National German Radio GmbH beauftragt. Deren Gesellschafter sind zwei ebenfalls in Leipzig ansässige Firmen: die Bugovics Industries GmbH des Unternehmensberaters Jozsef Bugovics und die Investmentgesellschaft Masqueradio GmbH des Hörfunkmanagers Erwin Linnenbach. Bugovics und Linnenbach sind auch Geschäftsführer von National German Radio. Linnenbach war früher Geschäftsführer der Radiogruppe Regiocast, die auch einen Sitz in Leipzig hat.

DAB-plus-Wachstum verlangsamt

Vom Start des zweiten bundesweiten DAB-plus-Multiplexes verspricht sich Antenne Deutschland, wie dessen Geschäftsführer Pawlas sagte, „einen weiteren Schub“ für den dem Audio-Markt in Deutschland. Laut dem von den Landesmedienanstalten erstellten „Digitalisierungsbericht Audio 2020“ gibt es aktuell in rund jedem vierten Haushalt in Deutschland mindestens ein DAB-plus-Empfangsgerät. Das sind sieben Prozent mehr als im Vorjahr. Damit hat sich das Wachstum deutlich abgeschwächt. 2019 betrug der Zuwachs gegenüber dem Vorjahr noch 33,5 Prozent. Derzeit gibt es den Medienanstalten zufolge in den Haushalten in Deutschland insgesamt knapp 10 Mio DAB-plus-Empfangsgeräte.

Die Zahl der Haushalte, die Radiogeräte besitzen, mit denen die Programmsignale über das Internet (Internet Protocol/IP) empfangen werden, wird in dem Bericht auf 6 Mio Haushalte beziffert. Bei den Zahlen zu den DAB-plus- und IP-Radiogeräte sind jeweils 3,3 Mio Hybridgeräte berücksichtigt, die den Hörfunkempfang über beide Wege ermöglichen. In ihrem Digitalisierungsbericht schreiben die Medienanstalten weiter, die Haushaltsausstattung mit IP-Radiogeräten habe „ebenfalls zugenommen und liegt mit 14 Prozent zwei Prozentpunkte höher als im Vorjahr“.

Unklar ist dabei nun, warum die Medienanstalten hier nicht – wie bei den DAB-plus-Empfangsgeräten – die prozentuale Steigerung nennen, sondern beim Wachstum der IP-Geräte auf die Prozentpunkte verweisen. Betrachtet man es prozentual, ist 2020 die Verbreitung von IP-Empfangsgeräten in den Haushalten um 16,5 Prozent angestiegen (gegenüber 2019). Diese Steigerungsrate liegt deutlich über der bei den DAB-plus-Geräten (besagte sieben Prozent).

Am meisten verbreitet ist hierzulande zum Radioempfang weiterhin das UKW-Gerät: In rund neun von zehn Haushalten, so ist es im aktuellen Digitalisierungsbericht angegeben, finden sich UKW-Radios; im Durchschnitt verfügt jeder Haushalt über knapp vier UKW-Radios (inklusive analogem Radiowecker und Duschradio). Laut den Medienanstalten deutet sich „im Fünfjahrestrend ein langsamer, aber anhaltender Rückgang des UKW-Empfangs“ an.

21.10.2020 – Volker Nünning/MK

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