Crossmediale Ausrichtung: Hessischer Rundfunk ändert seine Organisationsstruktur

30.04.2020 •

Der Hessische Rundfunk (HR) in Frankfurt hat beschlossen, aufgrund der veränderten Mediennutzung seine Organisationsstrukturen zu reformieren. „Im Vordergrund des Umbaus stehen die Neustrukturierung der Direktionen sowie die medienübergreifende Ausrichtung der Programme“, gab der HR in einer Pressemitteilung am 6. März bekannt. An diesem Tag wurden die Mitarbeiter und die beiden Aufsichtsgremien des Senders (Rundfunkrat, Verwaltungsrat) über die Änderungen informiert. Ab August wird es beim Hessischen Rundfunk nur noch zwei Direktionen geben, eine Programm- und eine Betriebsdirektion. Bislang hat der HR vier Direktionen, und zwar eine Fernseh- und eine Hörfunkdirektion, eine Betriebsdirektion und eine Juristische Direktion.

HR-Intendant Manfred Krupp begründete den Umbau mit „der sich rasant verändernden Mediennutzung“, der man Rechnung tragen wolle, indem sich der Hessische Rundfunk „noch besser crossmedial“ ausrichte. „Digitale Kanäle nehmen immer stärker an Bedeutung zu und unser Publikum erwartet eine vielfältige Präsenz des HR auf diesen unterschiedlichen Wegen. Nur so können wir auch in Zukunft unseren Auftrag erfüllen“, erklärte Krupp, der seit März 2016 Intendant des Hessischen Rundfunks ist. Vor mehr als zwei Jahren wurde bei dem Sender der interne Prozess gestartet, wie die Organisationsstrukturen verändert werden müssen, um künftig auch stärker jüngere Menschen mit HR-Angeboten zu erreichen.

Medienübergreifende Programmdirektion

Dass der Umbau der Direktionen nun Anfang August greift, hängt mit dem Abschied von Hörfunkdirektor Heinz Sommer zusammen. Sommer, der vor 25 Jahren die Leitung der HR-Hörfunkdirektion übernahm, tritt Ende Juli im Alter von dann 64 Jahren in den Ruhestand. Die Hörfunkdirektion wie auch die Fernsehdirektion, die seit März 2016 von Gabriele Holzner geleitet wird, werden dann aufgelöst und mit dem Bereich Multimedia unter einem Dach zusammengeführt: An der Spitze der neuen medienübergreifenden Programmdirektion steht dann die 59-jährige Holzner.

Die Betriebsdirektion wird laut HR in ihrer jetzigen Aufstellung weitgehend unverändert bestehen bleiben. Geleitet wird die Betriebsdirektion seit Oktober 2009 von Berthold Tritschler, 61. Seit März 2016 ist Tritschler auch stellvertretender Intendant des Hessischen Rundfunks. Die Juristische Direktion des HR wird aufgelöst. Ab August wird dieser Bereich, wie der HR mitteilte, „wegen seiner besonderen Stellung direkt beim Intendanten angesiedelt“. Chefin der Juristischen Direktion und Justiziarin des Hessischen Rundfunks ist seit Februar 2017 Nina Hütt. Die 44-jährige Juristin wird künftig den Rechtsbereich des HR leiten, der dann direkt dem Intendanten zugeordnet ist.

HR-Intendant Krupp verwies darauf, dass zum umfassenden Wandlungsprozess beim Sender auch eine Veränderung in der Arbeitsweise der HR-Mitarbeiter gehöre: „Wir müssen uns konsequent an den Interessen und Bedürfnissen der Menschen in Hessen orientieren und die Programminhalte darauf ausrichten. Wir lösen uns von unserer Säulenstruktur. Zukünftig wird in den Programmbereichen integriert für alle Ausspielwege gearbeitet.“ Damit werde der Weg fortgesetzt, den man mit der crossmedialen Aufstellung der Sportredaktion und im Programmbereich ‘Hesseninformation’ bereits eingeschlagen habe.

Schon seit 2013 arbeitet beim HR die Sportredaktion für das Dritte Programm HR Fernsehen, die Radioprogramme und den Online-Bereich. 2018 wurde der Programmbereich ‘Hesseninformation’ crossmedial aufgestellt. Seitdem gibt es hier eine Redaktion, die im Fernseh-, Hörfunk- und Online-Bereich für die Berichterstattung aus Hessen zuständig ist. Wie im Zuge des organisatorischen Umbaus beim HR künftig dessen Chefredaktion aufgestellt sein wird, sei noch offen, erklärte Sendersprecher Christoph Hammerschmidt auf MK-Nachfrage.

Weniger Hierarchie, mehr Eigenverantwortung

Die Hörfunkchefredakteursposition ist seit Januar 2020 nicht mehr regulär besetzt. Die zuvor amtierende Chefredakteurin Katja Marx, die auch das Programm HR Info leitete, wechselte zum Norddeutschen Rundfunk (NDR). Dort übernahm sie die Position als Hörfunkdirektorin (vgl. MK-Meldung). Beim HR tritt der Leiter des Programmbereichs ‘Politik und Zeitgeschehen’, Harald Kieffer, zugleich auch Fernsehchefredakteur des Senders, im Herbst 2020 in den Ruhestand. Wenn künftig die Bereiche ‘Politik und Zeitgeschehen’ und HR Info in einer Direktion zusammengefasst sind, solle unter Einbeziehung der betreffenden Mitarbeiter festgelegt werden, welches Führungsmodell am geeignetsten sei, sagte Hammerschmidt hierzu. Denkbar sei etwa ein alleiniger Chefredakteur oder auch eine Führungscrew.

Dazu passt das folgende Ziel, das sich der HR im Rahmen des Umbauprozesses gesetzt hat: Mit einer teamorientierten Arbeitsweise und einer stärkeren Vernetzung über Abteilungsgrenzen hinweg sollen die Mitarbeiter ihre Kompetenzen besser einbringen können und „mehr Raum für Innovation erhalten“. Wie Intendant Krupp erklärte, laute der Leitgedanke dazu: „Weniger Hierarchie, mehr Eigenverantwortung.“ Ein solcher Kulturwandel im Haus brauche Zeit und die Umsetzung funktioniere nicht auf Knopfdruck, so Krupp. In den nächsten Wochen sind dem HR zufolge Informationsveranstaltungen und Workshops im Sender geplant, um die Mitarbeiter aktiv in den Umbauprozess einzubinden. Die Beschäftigten sollen den geplanten Umbau „zu ihrer Sache machen und über Bereichsgrenzen hinweg eigenverantwortlich stärker zusammenarbeiten“.

Innerhalb der ARD ist der Hessische Rundfunk nun eine weitere Anstalt, die ihre Organisationsstrukturen ändert. Vorreiter war hier der Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB), der schon im Jahr 2009 seine Hörfunkdirektion und seine Fernsehdirektion zusammengelegt hatte. Es folgten ab November 2016 der Mitteldeutsche Rundfunk (MDR) und ab Januar 2017 der Südwestrundfunk (SWR), die jeweils beschlossen, weiterhin mit zwei Programmdirektionen zu arbeiten, deren Zuständigkeiten dann aber nach Themenbereichen aufgeteilt wurden. Nach diesem Modell organisiert auch der Westdeutsche Rundfunk (WDR) seit Juli 2019 seine beiden Programmdirektionen. So wird ab Juli 2020 auch der Bayerische Rundfunk (BR) verfahren (vgl. MK-Meldung). Die Auslandsrundfunkanstalt Deutsche Welle (DW) hatte Anfang November 2013 ihre Hörfunk- und Fernsehdirektionen zu einer alleinigen Programmdirektion zusammengelegt.

30.04.2020 – vn/MK