Claudia Schare neue Vorsitzende des WDR‑Verwaltungsrats

10.03.2020 •

Neue Vorsitzende des Verwaltungsrats des Westdeutschen Rundfunks (WDR) in Köln ist Claudia Schare. Sie wurde am 16. Dezember vorigen Jahres in der konstituierenden Sitzung des neunköpfigen Gremiums für die neue fünfjährige Amtsperiode gewählt. Schare, Jg. 1966, ist Mitglied der SPD; sie war früher Wissenschaftsjournalistin und stellvertretende Bezirksbürgermeisterin in Dortmund-Aplerbeck. Dem WDR-Verwaltungsrat gehört sie bereits seit Dezember 2012 an. Den Vorsitz des Gremiums übernahm Claudia Schare von Ludwig Jörder. Der Verwaltungsrat ist dafür zuständig, die Haushaltsführung des Senders zu kontrollieren und den Intendanten in Finanzfragen zu beraten.

Mit Ablauf der vorherigen Amtsperiode des WDR-Verwaltungsrats am 15. Dezember 2019 ist Ludwig Jörder, 73, aus dem Gremium ausgeschieden. Der Jurist, der ebenfalls Mitglied der SPD ist, war 1985 Mitglied des Verwaltungsrats geworden, dessen Vorsitz er dann 1999 übernahm. Nach rund 35-jähriger Mitgliedschaft, davon 20 Jahre im Amt des Vorsitzenden, zog sich Jörder Mitte Dezember 2019 aus dem Gremium zurück. Jörder war von 1985 bis 2011 Hauptgeschäftsführer der Westfalenhallen Dortmund GmbH und ist seit 2014 Bezirksbürgermeister in Dortmund (Innenstadt-Nord).

Ludwig Jörder nach 35 Jahren ausgeschieden

Neue stellvertretende Vorsitzende des WDR-Verwaltungsrats ist seit Mitte Dezember 2019 die frühere nordrhein-westfälische Justizministerin Roswitha Müller-Piepenkötter (CDU). In der vorherigen Amtsperiode des Gremiums war Walter Probst stellvertretender Verwaltungsratsvorsitzender. Probst gehört dem Gremium jetzt nicht mehr an. Der WDR-Verwaltungsrat soll seit dem Beginn der neuen Amtsperiode stärker als Sachverständigengremium fungieren. Diesen Umbau hatte im Jahr 2016 die damalige NRW-Regierungskoalition von SPD und Grünen über eine entsprechende Änderung des WDR-Gesetzes eingeleitet.

CDU und FDP, die im Sommer 2017 in Nordrhein-Westfalen die Regierung übernahmen, änderten dann im Februar 2019 die von Rot-Grün beschlossenen Vorschriften zur Besetzung des WDR-Verwaltungsrats mit Sachverständigen. Dies begründeten CDU und FDP damit, dass die von Rot-Grün verabschiedeten Bestimmungen viel zu bürokratisch gewesen seien. Aufgrund der neuen Gesetzesvorschriften wählte der WDR-Rundfunkrat im Oktober 2019 sieben Verwaltungsratsmitglieder (vgl. MK 22/19). Die beiden weiteren zwei Sitze im Verwaltungsrat stehen dem Personalrat des WDR zu.

Dass Claudia Schare im WDR-Verwaltungsrat zur neuen Vorsitzenden des Gremiums gewählt wurde, kam für Beobachter überraschend. Es war eigentlich erwartet worden, dass ein Mitglied den Vorsitz übernimmt, das der CDU zuzurechnen ist. Nachdem der WDR-Rundfunkrat die (sieben) Verwaltungsratsmitglieder gewählt hatte, war Roswitha Müller-Piepenkötter als neue Vorsitzende des Gremiums gehandelt worden. Neben ihr gehören noch zwei weitere vom Rundfunkrat gewählte Verwaltungsratsmitglieder der CDU an. Allerdings sind die drei Personen neu in das Gremium eingezogen und verfügen somit – im Gegensatz zu Schare, die bereits mehrere Jahre dem Verwaltungsrat angehört – noch nicht über die Erfahrung in der Arbeitsweise des Gremiums.

Für fünfjährige Amtsperiode gewählt

Als Verwaltungsratsvorsitzende wurde Claudia Schare im Dezember 2019 für die volle Amtsperiode von fünf Jahren gewählt, so wie es die WDR-Satzung vorschreibt. Die Geschäftsstelle des Verwaltungsrats teilte auf MK-Nachfrage mit, dass es weder eine offizielle noch eine inoffizielle Nebenabrede gebe, wonach der Vorsitz des Verwaltungsrats nach einem bestimmten Zeitraum – etwa nach zweieinhalb Jahren – neu gewählt bzw. dann zwischen Claudia Schare und Roswitha Müller-Piepenkötter getauscht würde. Neben Schare und Müller-Piepenkötter gehören die folgenden sieben Personen dem WDR-Verwaltungsrat an: Silke Gorißen, Fritz Jaeckel, Doris Ludwig, Arno Prangenberg, Karsten Rudolph sowie Christiane Seitz und Reinhold Schreiber; die beiden Letztgenannten sind Vertreter des WDR-Personalrats.

Silke Gorißen ist Rechtsanwältin in der Kleve ansässigen Kanzlei Mulder & Gorißen. Sie gehört der CDU an und kandidiert im September 2020 für ihre Partei als Kandidatin für das Landratsamt des Kreises Kleve. Gorißen gehörte bisher ab 2006 dem WDR-Rundfunkrat an (ab 2016 als stellvertretende Vorsitzende). Fritz Jaeckel, der ebenfalls der CDU angehört, ist Mai 2018 Hauptgeschäftsführer der in Münster angesiedelten Industrie- und Handelskammer (IHK) Nord-Westfalen. Der promovierte Jurist war von 2014 bis 2017 sächsischer Staatskanzleichef und in dieser Position unter anderem für die Koordination der Medienpolitik der unionsgeführten Bundesländer zuständig.

Doris Ludwig leitet den Betriebsrat der IBM Deutschland Financial Markets Services GmbH in Düsseldorf. Die gelernte Bankkauffrau ist bereits seit 2015 Mitglied des WDR-Verwaltungsrats. Arno Prangenberg ist Wirtschaftsprüfer und geschäftsführender Gesellschafter der Wirtschaftsprüfungs- und Steuerberatungsgesellschaft Korthäuser & Partner GmbH, die ihren Sitz in Essen hat.

Karsten Rudolph gehört für die SPD dem nordrhein-westfälischen Landtag in Düsseldorf an. Der promovierte Historiker war von 1999 bis 2017 WDR-Rundfunkratsmitglied. Er lehrt auch am Institut für soziale Bewegungen der Universität Bochum als außerplanmäßiger Professor. Christiane Seitz ist seit November 2015 Vorsitzende des WDR-Personalrats, Reinhold Schreiber ist der stellvertretende Vorsitzende.

10.03.2020 – vn/MK

Print-Ausgabe 23/2020

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